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Seltener Sterntod gibt Rätsel auf: Warum das Radiosignal erst Jahre später ankam
Technik · 30.07.2026 16:55

Seltener Sterntod gibt Rätsel auf: Warum das Radiosignal erst Jahre später ankam

Kurz: Ein rätselhafter Lichtblitz aus dem All entpuppt sich als bahnbrechende Entdeckung: Mittelschwere Schwarze Löcher könnten nun systematisch aufgespürt werden.

Ein kosmisches Rätsel gelöst

Über Jahre hinweg blieb ein ungewöhnlicher Lichtblitz aus den Tiefen des Weltraums ein ungelöstes Geheimnis für die astronomische Forschung. Erst durch die Kombination aus historischen Himmelsdurchmusterungen und modernen Computersimulationen konnten Wissenschaftler das Phänomen nun entschlüsseln. Die Ergebnisse liefern nicht nur eine Erklärung für das verzögerte Eintreffen von Radiosignalen, sondern schließen auch eine bedeutende Lücke im Verständnis der kosmischen Evolution.

Die Suche nach dem fehlenden Bindeglied

Im Zentrum der Untersuchung steht die Entdeckung eines mittelschweren Schwarzen Lochs in einer Zwerggalaxie, die rund 3,4 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt liegt. In der Astrophysik gelten diese Objekte als das „fehlende Bindeglied“. Während stellare Schwarze Löcher aus kollabierenden Sternen hervorgehen und supermassereiche Exemplare in den Zentren großer Galaxien thronen, liegt die Masse der mittelschweren Objekte dazwischen – typischerweise zwischen 100 und 100.000 Sonnenmassen.

Da diese mittelschweren Schwarzen Löcher nur selten direkt mit ihrer Umgebung interagieren, sind sie extrem schwer aufzuspüren. Der Nachweis gelang nun durch das Ereignis mit der Bezeichnung AT2019ijn: Ein vorbeiziehender Stern geriet in den gravitativen Einflussbereich des Schwarzen Lochs und wurde gewaltsam zerrissen. Dieser Prozess erzeugte eine heiße Akkretionsscheibe sowie einen relativistischen Jet – einen Materiestrahl, der mit nahezu Lichtgeschwindigkeit in den Weltraum geschleudert wurde.

Warum das Signal erst Jahre später eintraf

Die Beobachtungsgeschichte von AT2019ijn ist ein Paradebeispiel für die Herausforderungen der modernen Astronomie. Im Jahr 2019 registrierten optische Teleskope zunächst einen schnellen, blauen Lichtblitz. Die Helligkeit nahm rasch zu, fiel danach jedoch untypisch langsam ab. Die entscheidende Radiostrahlung des Jets blieb zunächst aus.

Erst knapp zwei Jahre später, im Jahr 2021, erreichte das Radiosignal die Instrumente des Very Large Array in New Mexico. Die Erklärung der Forscher: Der Materiestrahl war nicht direkt auf die Erde gerichtet. Erst als das ausgeworfene Material an Geschwindigkeit verlor und sich die Strahlung in Richtung unserer Sichtlinie ausbreitete, wurde das Ereignis für die Teleskope messbar. Durch den Einsatz von Hochleistungsrechnern und Daten weiterer Observatorien, wie dem Australian Square Kilometer Array Pathfinder, konnten alternative Erklärungen – etwa die Explosion eines magnetischen Neutronensterns – mathematisch ausgeschlossen werden.

Herausforderungen für die künftige Forschung

Die Entdeckung unterstreicht, wie komplex die Suche nach solchen astrophysikalischen Ereignissen ist. Da die entscheidenden Signale oft mit einer Verzögerung von mehreren Jahren eintreffen, sind langfristige Überwachungsprogramme unerlässlich.

Die Wissenschaft steht nun vor einer gewaltigen Aufgabe: In den gigantischen Datenarchiven weltweiter Radioteleskope dürften sich noch weitere, bisher unerkannte Signale ähnlicher Ereignisse verbergen. Die systematische Aufarbeitung dieser historischen Datenmengen stellt jedoch eine immense technische Hürde dar. Es bleibt abzuwarten, ob die Kapazitäten der verfügbaren Rechenzentren ausreichen, um diese verborgenen kosmischen Prozesse in absehbarer Zeit vollständig zu kartieren und so die Klasse der mittelschweren Schwarzen Löcher besser zu verstehen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/person-frau-sitzung-sitzen-8720593/ · Foto: cottonbro studio
Quelle: https://t3n.de/news/schwarzes-loch-sterntod-radiosignal-verzoegerung-1753013/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed