Ein neuer Ansatz für die Rasenpflege
Auf der IFA in Berlin hat das Unternehmen Segway Navimow am 2. September 2026 ein neues Modell vorgestellt, das die Art und Weise, wie Mähroboter mit Rasenkanten umgehen, grundlegend verändern könnte. Der neue Mähroboter trägt die Bezeichnung H5 Pro und wurde gezielt für eine Schwachstelle entwickelt, die bisherige Geräte – einschließlich der eigenen Vorgängermodelle – nicht zufriedenstellend lösen konnten: das präzise Mähen bis unmittelbar an die Rasenkante. Bisher mussten Gartenbesitzer nach dem Einsatz des Roboters oft selbst zum Rasentrimmer greifen, um stehengebliebene Grasbüschel an Mauern, Zäunen oder Beeteinfassungen zu entfernen. Segway Navimow verspricht nun, dass diese manuelle Nacharbeit mit dem H5 Pro der Vergangenheit angehört. Die Kerninnovation ist ein mechanisch ausfahrbarer Arm, der das Schneidwerk direkt an die Grenze des Mähbereichs führt. Damit adressiert der Hersteller ein technisches Problem, das bei konventionellen Mährobotern aufgrund ihrer mittig platzierten Schneidwerke systemimmanent war. Die Vorstellung auf der IFA unterstreicht den Anspruch des Unternehmens, technologisch an der Spitze des Marktes für automatisierte Gartenpflegegeräte zu agieren und den Komfort für die Nutzer spürbar zu erhöhen.
Technische Details und Funktionsweise
Das Herzstück des neuen Navimow H5 Pro ist der sogenannte Edgemaestro-Arm. Laut Herstellerangaben kann dieser Arm das Schneidwerk um 7,7 Zentimeter ausfahren, um auch Randbereiche zu erreichen, die für das Gehäuse des Roboters selbst unzugänglich wären. Gesteuert wird dieser Vorgang durch eine eigens entwickelte Software namens Edgesense, die die Ausfahrbewegung präzise koordiniert. Ein zusätzliches Modul sorgt dafür, dass das Schnittgut aktiv in Richtung des Messers gezogen wird, um eine saubere Kante zu gewährleisten. Neben der Mechanik des Arms überzeugt das Gerät durch seine Arbeitsweise: Mit einem Geräuschpegel von 58 dB(A) beim Kantenmähen arbeitet der Roboter äußerst leise, was den hohen Standard der Vorgängermodelle fortsetzt. Eine weitere technische Neuerung ist der Xero-Turn Allradantrieb (AWD), der an allen vier Rädern durch ein Einzelrad-Radnabenmotorsystem realisiert wird. Diese Konstruktion ermöglicht es dem Gerät, Steigungen von bis zu 80 Prozent, was einem Winkel von 38,6 Grad entspricht, zu bewältigen. Die Navigation erfolgt über ein komplexes System, das Lidar, optische Sicht und NRTK-Technologie kombiniert. Das Visionfence 360°-System nutzt dabei drei Kameras in Verbindung mit Lidar und thermischer Infrarotsensorik, um Hindernisse oder Kleintiere auch bei widrigen Lichtverhältnissen oder in der Dunkelheit zuverlässig zu identifizieren.
Der Weg zur Neuentwicklung
Die Entwicklung des H5 Pro ist eine direkte Reaktion auf die Erfahrungen mit den bisherigen Modellen der Navimow-Serie. Insbesondere das Topmodell Navimow i210 Lidar Pro, das erst kürzlich in Tests unter die Lupe genommen wurde, offenbarte die Grenzen der bisherigen Technologie. Auch bei diesem Gerät blieben nach dem automatischen Mähvorgang unschöne Ränder zurück, die eine manuelle Nachbearbeitung erforderten. Versuche, dieses Problem rein softwareseitig durch das Deaktivieren von Randbegrenzungen zu lösen, führten im Praxistest zu unerwünschten Nebeneffekten: Das Schneidwerk setzte gefährlich laut und potenziell beschädigend auf Rasenkantensteinen auf. Diese Erkenntnisse flossen direkt in die Konzeption des H5 Pro ein. Segway Navimow hat sich somit bewusst dazu entschieden, das Problem nicht nur über Algorithmen, sondern durch eine physische Erweiterung der Hardware zu lösen. Die Entwicklung zeigt den iterativen Prozess, bei dem der Hersteller auf Kundenrückmeldungen und Testergebnisse reagiert, um die Lücke zwischen dem Versprechen eines vollautomatischen Mähvorgangs und der tatsächlichen Notwendigkeit manueller Eingriffe zu schließen. Das Design des Roboters bricht dabei zudem mit der Tradition: Statt des klassischen, eher funktionalen Gardena-Designs mit grauen und orangen Elementen setzt der H5 Pro auf eine aggressive, futuristische Optik, die an die Ästhetik von Ridley Scotts Alien-Filmen erinnert.
Sicherheit und ökologische Verantwortung
Ein wesentlicher Aspekt bei der Entwicklung moderner Mähroboter ist der Tierschutz. Segway Navimow integriert hierfür spezielle Funktionen, um die Gefährdung von Kleintieren, die sich im Garten aufhalten, zu minimieren. Das Visionfence 360°-System ist darauf ausgelegt, Lebewesen auch nachts zu erkennen. Dennoch gibt es physikalische Grenzen: Die thermische Infrarotsensorik stößt an ihre Grenzen, wenn Tiere ihre Körpertemperatur extrem absenken, wie es beispielsweise beim arktischen Ziesel im Winterschlaf der Fall ist, dessen Temperatur auf bis zu -2,9 Grad Celsius sinken kann. Da der arktische Ziesel jedoch nicht in deutschen Kleingärten heimisch ist, bleibt diese Einschränkung für den hiesigen Einsatzbereich ohne praktische Relevanz. Zudem unterstützt der Hersteller aktiv Nachtfahrverbote, um den Schutz nachtaktiver Tiere zu gewährleisten. In der Navimow-App ist ein entsprechender Modus implementiert, der es Nutzern ermöglicht, den Betrieb zu bestimmten Zeiten zu untersagen, wie es beispielsweise in einigen Regionen wie Brandenburg bereits regulatorisch gefordert oder empfohlen wird. Diese Kombination aus technischer Sensorik und softwareseitigen Beschränkungen spiegelt das Bestreben wider, den Komfort der automatisierten Rasenpflege mit ökologischen Anforderungen in Einklang zu bringen.
Einordnung der neuen Technologie
Einzuordnen ist das neue Modell als konsequente Weiterentwicklung im Premiumsegment der Mähroboter. Der ausfahrbare Arm stellt eine signifikante mechanische Lösung für ein bisher ungelöstes Problem dar. Den Berichten zufolge ist die größte Herausforderung für den H5 Pro jedoch nicht die theoretische Funktion, sondern die Zuverlässigkeit im Alltag. Kritiker und Experten weisen darauf hin, dass die Mechanik des ausfahrbaren Arms eine potenzielle Schwachstelle darstellen könnte. Es bleibt abzuwarten, ob sich der Arm im dichten Unterholz, an Wurzeln oder bei unebenem Gelände verfängt, was zu einem Stillstand des Roboters führen könnte. Die bisherige Erfahrung mit Mährobotern zeigt, dass eine hohe Komplexität der Hardware oft auch eine höhere Fehleranfälligkeit mit sich bringt. Die Kombination aus AWD-Antrieb und dem Edgemaestro-Arm positioniert den H5 Pro als eine Maschine, die für anspruchsvolle Gärten mit starken Steigungen und komplexen Kantenstrukturen konzipiert wurde. Die optische Neugestaltung unterstreicht zudem den Wunsch des Herstellers, sich von der Masse der eher konservativ gestalteten Gartenhelfer abzuheben und ein Statement in Sachen Design zu setzen.
Offene Fragen und Ausblick
Trotz der detaillierten Vorstellung auf der IFA bleiben einige wesentliche Fragen offen. Der Hersteller hat bisher weder einen offiziellen Preis noch ein verbindliches Datum für die Markteinführung kommuniziert. Informierte Kreise spekulieren zwar über einen Preis von über 2.000 Euro, eine offizielle Bestätigung hierfür steht jedoch aus. Auch der Zeitplan für den Verkaufsstart bleibt vage; als wahrscheinlich gilt derzeit die zweite Januarwoche 2027, passend zur CES in Las Vegas. Zudem ist noch nicht geklärt, wie wartungsintensiv der Edgemaestro-Arm im Langzeitbetrieb ist, insbesondere wenn er mit Erde, Feuchtigkeit und Pflanzensäften in Kontakt kommt. Die kommenden Praxistests durch unabhängige Medien werden zeigen müssen, ob die Edgesense-Software die Bewegung des Arms in jeder Situation so steuert, dass Kollisionen mit Hindernissen vermieden werden. Bis dahin bleibt der H5 Pro ein vielversprechendes Konzept, das den Markt für Mähroboter bereichern könnte, sofern die versprochene Präzision in der täglichen Anwendung hält, was die IFA-Präsentation suggeriert.