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Schiitische Wallfahrt in den Irak: Zwischen Glaube, Politik und Hitze
Schlagzeilen · 05.08.2026 12:18

Schiitische Wallfahrt in den Irak: Zwischen Glaube, Politik und Hitze

Kurz: Millionen Schiiten pilgern zum Arba’in-Fest nach Kerbela. Angesichts extremer Hitze und politischer Spannungen im Nahen Osten zeigt sich die Wallfahrt hochsensi

Ein religiöses Großereignis unter extremen Bedingungen

Jedes Jahr blicken Millionen gläubige Schiiten auf die irakische Stadt Kerbela. Das Arba’in-Fest, das den 40. Tag nach dem Märtyrertod von Imam Hussain – dem Enkel des Propheten Mohammed – markiert, gehört zu den größten religiösen Versammlungen der Welt. Die historische Schlacht von Kerbela im Jahr 680, in der Hussain gegen die übermächtigen Ummayaden unterlag, bleibt bis heute ein zentrales identitätsstiftendes Ereignis für die schiitische Glaubensgemeinschaft.

In diesem Jahr stellt das Fest die Beteiligten jedoch vor enorme logistische Herausforderungen. Bei Temperaturen von bis zu 45 Grad Celsius müssen die Organisatoren alles daransetzen, die Sicherheit und Gesundheit der Massen zu gewährleisten. Um den Pilgerstrom zu bewältigen, wurden großflächige Stoffbahnen als Schattenspender installiert und Sprühnebelanlagen in Betrieb genommen. Zudem stehen rund 2.000 Sanitäter bereit, um bei hitzebedingten Notfällen schnell reagieren zu können.

Zwischen Nächstenliebe und politischer Symbolik

Die Wallfahrt ist geprägt von einer Kultur der kostenlosen Versorgung. Freiwillige, wie der aus Teheran angereiste Abdulhossein Kalateh, verteilen täglich tausende Liter Zitronenlimonade oder bereiten im Akkord Fleischspieße zu. Diese Form der Gastfreundschaft wird von den Gläubigen als religiöser Dienst verstanden, dessen Lohn allein bei Gott gesucht wird.

Doch die religiöse Zusammenkunft ist untrennbar mit der aktuellen geopolitischen Lage verwoben. Besonders die Beziehungen zwischen dem Irak und dem Iran stehen im Fokus. Viele Pilger betonen die enge Verbundenheit der beiden Nachbarländer. Auf Bannern und Plakaten ist in diesem Jahr vermehrt das Konterfei des verstorbenen iranischen Führers Ali Chamenei zu sehen, der Ende Februar bei einem israelischen Luftangriff getötet wurde. Viele Teilnehmer widmen ihre diesjährige Pilgerreise seinem Gedenken sowie den Opfern der jüngsten militärischen Auseinandersetzungen.

Der Wunsch nach Souveränität und Frieden

Obwohl die religiösen und politischen Verbindungen zwischen Bagdad und Teheran historisch gewachsen sind, formiert sich innerhalb der irakischen Bevölkerung Widerstand gegen eine zu starke Einflussnahme von außen. Angesichts der US-Luftangriffe im Irak, bei denen seit März zahlreiche Kämpfer miliznaher Gruppen getötet wurden, wächst der Wunsch nach einem unabhängigen Staat.

Einige Pilger äußern offen ihre Sorge vor einer weiteren Eskalation. Die Haltung ist dabei eindeutig: Viele Iraker lehnen eine Einmischung durch internationale Supermächte oder den Iran gleichermaßen ab. Das Ziel sei ein stabiler, souveräner Irak, der nicht als Schauplatz für Stellvertreterkriege dient.

Appelle für Ordnung und nationale Würde

Auch der einflussreiche nationalistische Geistliche Moqtada Sadr nutzt die Aufmerksamkeit rund um Arba’in für politische Botschaften. Über soziale Medien rief er die Gläubigen dazu auf, den Irak vor äußeren Feindseligkeiten zu schützen. Gleichzeitig richtete er einen praktischen Appell an die Pilger: Sie mögen am Ende der Feierlichkeiten für Sauberkeit in der Stadt sorgen, um ein positives und würdevolles Bild ihres Landes zu vermitteln.

Die kommenden Tage werden zeigen, wie sich die Sicherheitslage entwickelt. Während die religiöse Bedeutung von Kerbela für die Pilger unvermindert hoch bleibt, bleibt die Veranstaltung ein Spiegelbild der komplexen politischen Spannungen, die die gesamte Region derzeit in Atem halten.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/menschen-menge-menschenmenge-menschenmasse-7152846/ · Foto: Ahmed akacha
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/asien/irak-wallfahrt-kerbela-100.html