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Politik · 28.09.2026 19:14

Russland stellt Metros Vermögenswerte unter Zwangsverwaltung

Kurz: Russland stellt das lokale Geschäft der Metro AG unter staatliche Zwangsverwaltung. Das Unternehmen verliert damit die operative Kontrolle über 91 Standorte.

Ein schwerer Einschnitt für den deutschen Handelskonzern

Die russische Führung unter Präsident Wladimir Putin hat am 28. September 2026 eine weitreichende Entscheidung getroffen, die den deutschen Handelskonzern Metro AG massiv betrifft. Per Dekret wurden sämtliche Vermögenswerte des Unternehmens in Russland unter eine sogenannte temporäre staatliche Verwaltung gestellt. Diese Maßnahme bedeutet für den Konzern den faktischen Verlust der operativen Kontrolle über sein gesamtes Russland-Geschäft. Die Verwaltung der Vermögenswerte wurde dabei auf das russische Unternehmen UK Torg RUS übertragen. Dieser Schritt reiht sich in eine Serie ähnlicher Vorgehensweisen gegen westliche Unternehmen ein, die seit Beginn des Ukraine-Krieges in Russland tätig geblieben sind. Die Metro AG, die seit über zwei Jahrzehnten auf dem russischen Markt präsent ist, bestätigte den Vorgang gegenüber dem ARD-Studio Moskau. Die Auswirkungen dieser staatlichen Intervention sind gravierend, da sie die bisherige Unternehmensstruktur in der Region vollständig aushebelt und den deutschen Mutterkonzern vor vollendete Tatsachen stellt, während die Zukunft der dortigen Standorte und der Belegschaft nun in den Händen einer staatlich kontrollierten Instanz liegt.

Details zur Übernahme und den betroffenen Strukturen

Die offizielle Übertragung der Vermögenswerte erfolgte durch ein Dekret des russischen Präsidenten, das die Verwaltung an die Firma UK Torg RUS übergab. Interessanterweise wurde dieses Unternehmen laut Berichten russischer Medien erst Anfang September 2026 in Moskau gegründet, was auf eine gezielte Vorbereitung der Maßnahme hindeutet. Formal gehört dieses Unternehmen dem russischen Geschäftsführer der dortigen Metro-Tochter, doch die tatsächliche Macht liegt nun bei den staatlichen Stellen. Die Metro AG betreibt in Russland aktuell 91 Großhandelsgeschäfte und beschäftigt dort rund 9.000 Mitarbeiter. Finanziell ist der russische Markt für den Konzern von erheblicher Bedeutung: In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres trug Russland mit einem Umsatz von 2,14 Milliarden Euro fast 8,7 Prozent zum Gesamtumsatz der Metro AG bei. Zudem erwies sich das Russland-Geschäft als äußerst dynamisch, mit einem Umsatzanstieg von über zehn Prozent, was etwa einem Drittel des gesamten Konzernwachstums entsprach. Diese Zahlen unterstreichen, wie schwer der Verlust dieser Sparte für die Bilanz des Handelskonzerns wiegt.

Der Weg in die Isolation: Ein historischer Rückblick

Die Metro AG war im Jahr 2001 in den russischen Markt eingetreten und hatte diesen über die Jahre zu einem zentralen Pfeiler ihres Portfolios ausgebaut. Als der von Wladimir Putin befohlene Angriffskrieg gegen die Ukraine im Februar 2022 begann, stand die Konzernleitung vor einer schwierigen Entscheidung. Man entschied sich damals bewusst gegen einen Rückzug. Zur Begründung hieß es, man trage Verantwortung für die damals rund 10.000 Mitarbeiter vor Ort sowie für die zahlreichen Kunden, die auf die Lebensmittelversorgung durch Metro angewiesen seien. Zudem wurde das Russland-Geschäft als wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzerns bezeichnet, dessen Erhalt auch im Interesse der Aktionärinnen und Aktionäre liege. Diese Strategie des Verbleibs, die über Jahre hinweg aufrechterhalten wurde, endet nun in der erzwungenen staatlichen Übernahme. Während sich viele westliche Unternehmen unmittelbar nach Kriegsbeginn zurückzogen oder ihre Anteile verkauften, versuchte Metro, den Betrieb unter schwierigen politischen Rahmenbedingungen aufrechtzuerhalten, was nun in der Zwangsverwaltung gipfelt.

Akteure und Begründungen der russischen Führung

Die Entscheidung, die Metro AG unter Zwangsverwaltung zu stellen, ist kein isolierter Vorfall, sondern Teil einer systematischen Politik des Kremls. Zuvor waren bereits die Russland-Geschäfte anderer internationaler Konzerne wie Nestlé, Auchan, FM Logistic und Leroy Merlin unter staatliche Verwaltung gestellt worden. Auch der US-Konzern Aptar war erst am Montag vor dem Metro-Beschluss von einer ähnlichen Maßnahme betroffen. Die offizielle Begründung des Kremls für dieses Vorgehen ist stets dieselbe: Man zielt auf Unternehmen aus sogenannten unfreundlichen Ländern ab, deren Regierungen durch ihre Unterstützung für Kiew direkt in den Ukraine-Krieg verwickelt seien. Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte in der Vergangenheit argumentiert, dass die Militärhilfe aus westlichen Staaten aktiv von der Ukraine genutzt werde, um zivil-wirtschaftliche Infrastruktur in Russland anzugreifen. Diese Rhetorik dient der russischen Regierung als Rechtfertigung, um ausländisches Eigentum zu beschlagnahmen und unter die Kontrolle von Personen oder Firmen zu stellen, die dem Kreml nahestehen oder die staatliche Agenda stützen.

Einordnung der wirtschaftlichen und politischen Folgen

Einzuordnen ist diese Maßnahme als eine Form der schleichenden Enteignung. Experten und Marktbeobachter weisen darauf hin, dass die vorübergehende Übertragung der Verwaltung faktisch in eine dauerhafte staatliche Enteignung ohne jegliche Entschädigung münden könnte. Für die Metro AG bedeutet dies den vollständigen Verlust der operativen Kontrolle. Die wirtschaftliche Bedeutung für den Konzern ist immens, da Russland nicht nur einen signifikanten Umsatzanteil lieferte, sondern auch als Wachstumsmotor fungierte. Politisch gesehen ist der Schritt ein weiteres Signal an westliche Unternehmen, dass ein Verbleib im russischen Markt unter den aktuellen Bedingungen mit unkalkulierbaren Risiken verbunden ist. Die Entscheidung zeigt, dass der Kreml bereit ist, das Eigentumsrecht ausländischer Firmen als politisches Druckmittel in einem größeren geopolitischen Konflikt einzusetzen. Den Berichten zufolge ist die Lage für Metro nun prekär, da das Unternehmen kaum noch Möglichkeiten hat, Einfluss auf das operative Geschäft zu nehmen, während die russischen Behörden die volle Kontrolle über die Infrastruktur und die Belegschaft ausüben.

Offene Fragen und verbleibende Unsicherheiten

Der aktuelle Sachverhalt lässt eine Reihe von zentralen Fragen unbeantwortet, die für die Zukunft der Metro AG von entscheidender Bedeutung sind. Zunächst ist völlig unklar, ob der Konzern in irgendeiner Form rechtliche Schritte gegen die Zwangsverwaltung einleiten kann oder ob dies in der gegenwärtigen politischen Situation in Russland aussichtslos ist. Ebenso bleibt offen, wie die 9.000 Mitarbeiter in Russland unter der neuen Verwaltung behandelt werden und ob die Arbeitsverhältnisse langfristig gesichert sind. Es gibt keine Informationen darüber, ob die Metro AG trotz des Verlusts der operativen Kontrolle weiterhin finanzielle Erträge aus dem russischen Geschäft ziehen kann oder ob sämtliche Cashflows nun im Land verbleiben. Auch die Frage nach der Zukunft der 91 Standorte ist ungeklärt: Werden diese unter der neuen Verwaltung als Metro-Filialen weitergeführt oder ist eine Zerschlagung oder Umbenennung geplant? Der Quelltext liefert hierzu keine Details, und auch die genauen Bedingungen der Übertragung an die UK Torg RUS bleiben in Bezug auf die Eigentumsverhältnisse und die Dauer der Maßnahme vage.

Ausblick auf die kommenden Schritte

Die Metro AG hat offiziell erklärt, dass sie die weiteren Auswirkungen der staatlichen Entscheidung derzeit intern prüft. Es ist davon auszugehen, dass das Unternehmen in den nächsten Tagen und Wochen versuchen wird, die rechtlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen des Dekrets zu bewerten, um die Aktionäre über den tatsächlichen Schaden zu informieren. Da der Konzern die operative Kontrolle bereits verloren hat, ist der Spielraum für eigene Entscheidungen vor Ort praktisch auf Null gesunken. Es wird erwartet, dass die Geschäftsführung in den kommenden Quartalsberichten detaillierter auf die finanziellen Einbußen eingehen muss, die durch den Wegfall des russischen Marktes entstehen. Ob es diplomatische Bemühungen seitens der Bundesregierung geben wird, um auf die Enteignung deutscher Vermögenswerte zu reagieren, bleibt abzuwarten. Für die Metro AG beginnt nun eine Phase der Unsicherheit, in der sie gezwungen ist, ihre Strategie ohne den bisher so wichtigen russischen Markt neu auszurichten, während die Zukunft der dortigen Vermögenswerte vollständig der Willkür der russischen Behörden unterliegt.

Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/russland-metro-vermoegenswerte-100.html