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Rüstungspolitik - Pistorius: "Denken über Raketen-Startplatz für Bundeswehr nach"
Politik · 24.07.2026 06:11

Rüstungspolitik - Pistorius: "Denken über Raketen-Startplatz für Bundeswehr nach"

Kurz: Verteidigungsminister Pistorius prüft den Bau eines eigenen deutschen Raketen-Startplatzes, um die militärische Satellitenkapazität der Bundeswehr zu sichern.

Strategische Unabhängigkeit im Weltraum

Die Bundesregierung befasst sich aktuell mit der Frage, wie die militärische Raumfahrtkapazität Deutschlands langfristig gesichert werden kann. Verteidigungsminister Boris Pistorius hat bei einem Besuch des Raketenherstellers Isar Aerospace bei München bestätigt, dass das Verteidigungsministerium den Bau einer eigenen Startbasis für Trägerraketen in Erwägung zieht. Ziel dieses Vorhabens ist es, die Bundeswehr in die Lage zu versetzen, eigene militärische Satelliten autark in den Orbit zu befördern.

Warum eine eigene Startbasis notwendig ist

Die Bedeutung von Satelliten für moderne Streitkräfte ist in den letzten Jahren massiv gestiegen. Nach Angaben von Pistorius ist eine gesicherte Kommunikation für die Bundeswehr ohne eine funktionierende Weltrauminfrastruktur nicht mehr denkbar. Satelliten bilden das Rückgrat für Aufklärung, Navigation und den Informationsaustausch innerhalb der Truppe.

Derzeit ist Deutschland bei der Beförderung von Satelliten in die Erdumlaufbahn auf externe Partner angewiesen. Ein Großteil der europäischen Satelliten wird seit Jahren durch das US-Unternehmen SpaceX in den Weltraum transportiert. Der Verteidigungsminister betonte, dass die bestehenden Kapazitäten an internationalen Startplätzen, etwa in Norwegen oder Großbritannien, künftig nicht mehr ausreichen werden, um den steigenden Bedarf der Streitkräfte zu decken.

Herausforderungen bei der Standortwahl

Obwohl die Pläne für eine eigene Startbasis konkretisiert werden, befindet sich das Projekt laut Pistorius noch in einem sehr frühen Stadium. Einen konkreten Standort für eine solche Anlage nannte der Minister nicht. Dies ist vor allem auf die geographischen und infrastrukturellen Besonderheiten Deutschlands zurückzuführen.

Innerhalb der Raumfahrtbranche gilt die Bundesrepublik aufgrund ihrer hohen Bevölkerungsdichte als schwierig für den Betrieb von Raketenstartplätzen. Die Sicherheitsanforderungen und die notwendigen Sperrgebiete für den Start von Trägerraketen lassen sich in einem dicht besiedelten Land nur schwer mit den Interessen der Zivilbevölkerung und der Luftfahrt in Einklang bringen. Die Prüfung möglicher Standorte steht daher erst am Anfang.

Kontext und zukünftige Entwicklungen

Die Debatte um eine eigene Startkapazität unterstreicht den wachsenden Stellenwert der Raumfahrt in der deutschen Rüstungspolitik. Während die Abhängigkeit von kommerziellen US-Anbietern derzeit noch die Regel ist, zielt die Überlegung der Bundesregierung auf eine strategische Souveränität ab.

Die nächsten Schritte werden nun darin bestehen, technische Machbarkeitsstudien durchzuführen und zu bewerten, ob und wo ein solcher Startplatz unter den gegebenen räumlichen Bedingungen in Deutschland überhaupt realisierbar wäre. Die Kooperation mit Unternehmen wie Isar Aerospace zeigt dabei den Willen der Regierung, die heimische Raumfahrtindustrie stärker in die militärischen Planungen einzubeziehen. Ob das Projekt über eine reine Konzeptphase hinausgeht, hängt maßgeblich von den Ergebnissen dieser ersten Prüfungen ab.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/27292151/ · Foto: Михаил Крамор
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/pistorius-denken-ueber-raketen-startplatz-fuer-bundeswehr-nach-108.html