Ein Neuanfang unter dem Motto 'Hard to beat'
Wenn der VfL Bochum am Freitagabend die neue Zweitliga-Saison gegen Hertha BSC eröffnet, beginnt für den Verein eine Phase der Neuorientierung. Nach einem Sommer, der von einem massiven Kaderumbruch geprägt war, hat Cheftrainer Uwe Rösler eine klare Marschrichtung ausgegeben. Das Team soll in dieser Spielzeit vor allem eines sein: schwer zu schlagen. Dieses Credo, das Rösler intern als „Hard to beat“ definiert hat, soll die Mannschaft durch den gesamten Saisonverlauf begleiten und eine neue Gewinner-Mentalität etablieren.
Die Ausgangslage vor dem Duell gegen die Berliner ist dabei historisch ambivalent. Während der VfL seit einem Jahrzehnt auf einen Sieg zum Auftakt wartet – eine Statistik, die an den schwierigen Start der vergangenen Saison erinnert, der letztlich zur Trennung von Dieter Hecking führte –, gibt es auch positive Vorzeichen. Rösler selbst feierte bei seinem Amtsantritt in Bochum ausgerechnet gegen Hertha BSC einen Einstand nach Maß und legte anschließend eine Serie von 14 ungeschlagenen Partien hin. Dennoch betont der Trainer, dass die Vergangenheit für das kommende Spiel keine Rolle spiele.
Großer Umbruch im Kader
Der VfL Bochum hat in der Sommerpause einen tiefgreifenden Wandel vollzogen. Insgesamt 17 Akteure verließen den Verein, während zwölf neue Spieler verpflichtet wurden. Auffällig ist dabei die strategische Abkehr von der bisherigen Praxis, vermehrt auf Leihspieler zu setzen. Rösler, der prinzipiell kein Befürworter solch großer Umbrüche ist, sieht sich durch die Abgänge zu diesem Schritt gezwungen. Er räumt ein, dass der Verein dadurch zunächst einen Schritt zurückgehen müsse, da die Kontinuität der vergangenen Saison nicht nahtlos fortgesetzt werden könne.
Dennoch zeigt sich der 57-Jährige mit der neuen Struktur zufrieden. Besonders die Altersstruktur habe sich verbessert, da man nun über mehr Akteure im sogenannten „besten Fußballer-Alter“ verfüge, nachdem das Team im Vorjahr sehr jung besetzt war. Zu den namhaften Verstärkungen zählen der erfahrene Innenverteidiger Karol Mets vom FC St. Pauli sowie Stürmer Daniel Hanslik vom 1. FC Kaiserslautern. Ergänzt wird der Kader durch Spieler wie Michael Steinwender und Enis Cokaj, die ihre Qualität nun im deutschen Unterhaus unter Beweis stellen sollen. Trotz dieser Neuzugänge sieht Rösler weiteren Bedarf, um den Konkurrenzkampf zu verschärfen und für mögliche Verletzungssorgen besser gewappnet zu sein.
Ambitionierte Ziele und Etappenplanung
Für die sportliche Ausrichtung hat der Trainer gemeinsam mit seinem Stab und der Mannschaft einen konkreten Etappenplan erarbeitet. Das erste Ziel ist klar definiert: Bis zur ersten Länderspielpause sollen mindestens zehn Punkte eingefahren und das Weiterkommen im DFB-Pokal gesichert werden. Rösler bezeichnet diese Vorgabe als ambitioniert, aber realistisch, um dem Team den nötigen Schwung für den Saisonstart zu verleihen.
Der langfristige Blick richtet sich auf die Winterpause. Bis dahin strebt der VfL einen einstelligen Tabellenplatz an, um sich in der zweiten Saisonhälfte in der Spitzengruppe festzusetzen. Rösler macht kein Geheimnis daraus, dass er den VfL Bochum langfristig in der erweiterten Aufstiegsdiskussion sieht. „Mit dem VfL Bochum aufzusteigen, wäre überragend“, so der Trainer. Ob dieses Ziel erreichbar ist, hängt auch davon ab, wie schnell sich die neu formierte Mannschaft findet und wie sie die Herausforderungen gegen Konkurrenten wie Hertha BSC meistert, die ihrerseits vor einem großen Umbruch stehen und ebenfalls ihre Identität neu finden müssen.
Kontinuität in der Führung
Trotz der vielen Veränderungen auf dem Platz setzt der VfL Bochum in einer zentralen Personalie auf Beständigkeit: Torwart Timo Horn wird auch in der kommenden Saison die Kapitänsbinde tragen. Diese Entscheidung unterstreicht den Wunsch des Trainers, trotz des Umbruchs eine stabile Hierarchie innerhalb des Teams zu wahren. Während die Startelf für den Saisonauftakt bereits seit einigen Tagen feststeht, bleibt abzuwarten, ob die neue „Hard to beat“-Mentalität ausreicht, um den VfL Bochum in der hart umkämpften 2. Bundesliga nachhaltig oben zu etablieren.