News aus aller Welt
Start
„Rienzi“ in Bayreuth: Hitlers Liebling? Das ist eine Friedensoper!
Schlagzeilen · 25.07.2026 08:08

„Rienzi“ in Bayreuth: Hitlers Liebling? Das ist eine Friedensoper!

Kurz: Nathalie Stutzmann bringt erstmals Wagners „Rienzi“ nach Bayreuth. Die Dirigentin widerspricht der historischen Belastung des Werks und setzt auf Belcanto-Leich

Eine Premiere auf dem Grünen Hügel

Die 150. Bayreuther Festspiele markieren einen historischen Moment in der Geschichte des Festspielhauses: Zum ersten Mal überhaupt steht Richard Wagners frühe Oper „Rienzi“ auf dem Spielplan. Die musikalische Leitung übernimmt die französische Dirigentin Nathalie Stutzmann. Das Werk, das Wagner in den späten 1830er-Jahren als „große tragische Oper in fünf Aufzügen“ konzipierte, gilt als eine der anspruchsvollsten Herausforderungen für das Festspielorchester, da für die Musiker kaum auf etablierte Aufführungstraditionen zurückgegriffen werden kann.

Zwischen Friedensbotschaft und historischer Last

Das Werk ist historisch durch die vermeintliche Vorliebe Adolf Hitlers belastet. Stutzmann distanziert sich jedoch entschieden von dieser Rezeption. Für die Dirigentin ist „Rienzi“ zweifelsfrei eine „Friedensoper“. Besonders eine Stelle im dritten Akt dient ihr als Beleg: Während die Frauen Roms in einem fast kirchenmusikalischen Gebet um den Schutz ihrer Söhne flehen, kündigen martialische Blechbläser den herannahenden Krieg an. Dieser Kontrast zwischen menschlicher Sehnsucht nach Frieden und der zerstörerischen Gewalt des Krieges steht im Zentrum ihrer Deutung.

Der Klang des Belcanto

Stutzmanns künstlerischer Ansatz unterscheidet sich deutlich von einer schweren, monumentalen Wagner-Tradition. Sie sucht die Nähe zum Belcanto, insbesondere zu Bellini, den Wagner während der Entstehungszeit des „Rienzi“ bewunderte. Ihr Ziel ist ein „atmender“ und „singender“ Orchesterklang, der schlank, farbenreich und leicht wirken soll. Dabei profitiert sie von ihrer langjährigen Erfahrung als international gefeierte Kontra-Altistin. Ihre Dirigierweise basiert weniger auf starren Vorgaben in den Noten, sondern auf instinktiver Kommunikation: „Jede Geste, jeder Ausdruck des Gesichts, jede Bewegung der Hand formt den Klang“, so Stutzmann.

Der Weg zur musikalischen Magie

Die Dirigentin beschreibt ihre Probenarbeit als einen Prozess, der Sicherheit vermitteln soll, um letztlich „die Tür zur Freiheit zu öffnen“. Sie sucht bewusst die Balance zwischen Risiko und Präzision, denn für sie entsteht die wahre Magie der Musik „am Rande der Katastrophe“. Diese Herangehensweise brachte ihr bereits hymnische Kritiken für ihren Bayreuther „Tannhäuser“ im Jahr 2023 ein.

Herausforderungen im Führungsstil

Trotz ihrer künstlerischen Erfolge – etwa als Musikdirektorin des Atlanta Symphony Orchestra – ist Stutzmann nicht unumstritten. Berichte deuten auf Spannungen in verschiedenen Orchestern hin. Kritiker bemängeln teils ihren Umgang mit Musikern, etwa wenn sie die Arbeit im Orchestergraben als „boring“ bezeichnete. Stutzmann selbst betont hingegen, dass die besten Musiker jene seien, die dem Werk und nicht dem eigenen Ego dienen. Die Zusammenarbeit mit dem Bayreuther Festspielorchester beschreibt sie als „fantastisch“ und von großer Freude geprägt, da das Fehlen einer zementierten Tradition einen frischen, gemeinsamen Gestaltungsprozess ermöglicht habe.

Die Premiere am 26. Juli im Festspielhaus wird zeigen, ob es der Dirigentin gelingt, ihre Vision einer „atmenden“ Partitur vor dem Bayreuther Publikum zu entfalten und das Werk erfolgreich in den Kanon der Festspiele zu integrieren.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/natur-park-herbst-monument-8259157/ · Foto: Julia Filirovska
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/musik-und-buehne/oper/nathalie-stutzmann-dirigiert-erstmal-den-rienzi-in-bayreuth-accg-201046302.html