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Richard Carapaz: Der Fahrer mit Herz fährt seine Traumtour
Sport · 25.07.2026 21:01

Richard Carapaz: Der Fahrer mit Herz fährt seine Traumtour

Kurz: Richard Carapaz krönt seine Tour de France mit dem Bergtrikot und zwei Etappensiegen. Ein Blick auf die emotionale Reise des ecuadorianischen Radprofis.

Ein Triumph des Willens in den Alpen

Die 20. Etappe der Tour de France in Alpe d'Huez wird als jener Tag in die Geschichte eingehen, an dem Richard Carapaz seine Ausnahmestellung in den Bergen endgültig zementierte. Mit einem weiteren Etappensieg und der vorzeitigen Sicherung des gepunkteten Bergtrikots krönte der Ecuadorianer eine Woche, die ihn zur prägenden Figur des Rennens machte. Sein Erfolg auf dem legendären Anstieg war dabei nicht nur das Ergebnis taktischer Finesse, sondern auch einer enormen mentalen Stärke.

Der Rennverlauf wurde maßgeblich durch ein Missgeschick des US-Amerikaners Sepp Kuss beeinflusst. Dieser stürzte in der Abfahrt vom Col de Sarenne, als er die Kurvenführung falsch einschätzte und kurz vor einem steilen Abhang zum Stehen kam. Carapaz, der die Situation aufmerksam verfolgte, nutzte den Moment, zog an seinem Konkurrenten vorbei und verteidigte die Führung bis ins Ziel. Trotz der harten Schlussmeter durch den Ort Alpe d'Huez brachte er den Sieg souverän ins Ziel.

Vom Rückschlag zur Dominanz

Der Weg zu diesem Erfolg war für den 33-Jährigen alles andere als vorgezeichnet. Ursprünglich hatte Carapaz den Giro d'Italia als Saisonhöhepunkt anvisiert, musste jedoch aufgrund einer verzögerten Heilung nach einer Operation kurzfristig absagen. Hinzu kam der schmerzhafte Verlust seiner Mutter zu Beginn des Jahres, was den Profi sowohl menschlich als auch sportlich stark forderte.

Charles Wegelius, Sportlicher Leiter des Teams EF Education First, betonte in diesem Zusammenhang die emotionale Komponente: Carapaz agiere nicht wie ein Roboter, sondern fahre mit dem Herzen. Diese Einstellung zahlte sich in der letzten Tour-Woche aus. Anstatt auf eine vordere Platzierung im Gesamtklassement zu schielen, fokussierte sich das Team darauf, die Kräfte für die entscheidende Phase in den Alpen zu bündeln. Diese Strategie ging voll auf, nachdem Carapaz in den Vorjahren – etwa bei seinem Sturz in Bilbao 2023 – oft vom Pech verfolgt war.

Ein Team mit Ambitionen

Die Leistung von Carapaz strahlt auf das gesamte Team EF Education First aus. Teamchef Jonathan Vaughters unterstrich nach den Erfolgen, dass man eindrucksvoll bewiesen habe, zu den besten Mannschaften der Welt zu gehören. Die Frage, welches Potenzial in Carapaz steckt, wenn er mit einer hundertprozentigen Formvorbereitung in eine Grand Tour startet, bleibt ein spannender Ausblick für die Zukunft.

Für den Moment bleibt jedoch die Bilanz einer "Traumtour". Neben den zwei Etappensiegen und dem Bergtrikot wird der Ecuadorianer das Rennen in Paris voraussichtlich auf einem soliden achten Platz im Gesamtklassement beenden. Nach den turbulenten Monaten und den Rückschlägen der letzten Jahre stellt dieses Ergebnis eine bemerkenswerte Rehabilitation dar. Carapaz hat gezeigt, dass er trotz komplexer Ausgangslagen in der Lage ist, das Renngeschehen maßgeblich zu beeinflussen und seine Ziele mit Entschlossenheit zu erreichen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/feld-sport-lauf-sportbekleidung-17955716/ · Foto: Israel Torres
Quelle: https://www.sportschau.de/radsport/tourdefrance/der-fahrer-mit-herz-faehrt-seine-traumtour,tour-de-france-20-etappe-analyse-100.html