Ein Überfall mit System: Die Ereignisse in Waizendorf
Im April 2024 wurde die Ruhe in dem kleinen Ort Stegaurach-Waizendorf, südlich von Bamberg, durch ein gewaltsames Verbrechen jäh unterbrochen. Zwei maskierte Täter verschafften sich am Vormittag des 24. April Zugang zu einem Mehrparteienhaus. Was folgte, war eine systematische Durchsuchung des Gebäudes, bei der die Täter vor körperlicher Gewalt gegen die Bewohner nicht zurückschreckten.
Brutales Vorgehen in drei Etappen
Der Überfall begann gegen 8:10 Uhr. Die Täter drangen zunächst durch ein Fenster in eine Erdgeschosswohnung ein. Dort überwältigten sie einen Bewohner, knebelten ihn und fesselten ihn an einen Stuhl. Um den Mann bewegungsunfähig zu machen, legten die Täter den Stuhl samt Opfer auf den Boden. Bei dieser Aktion zog sich der Bewohner leichte Verletzungen zu.
Doch die Täter ließen es nicht bei diesem ersten Angriff bewenden. Sie begaben sich in den ersten Stock des Hauses, wo sie eine weitere Wohnung aufbrachen. Auch hier trafen sie auf einen Bewohner. Um diesen Widerstand zu brechen, setzten die Angreifer einen Taser ein. Auch dieses zweite Opfer wurde gefesselt und auf einem umgekippten Stuhl zurückgelassen.
Beute erst im dritten Anlauf
Das eigentliche Ziel der Täter war offensichtlich die dritte Wohnung im Haus, in der ein Rentner lebte. Da dieser zum Tatzeitpunkt nicht anwesend war, konnten die Männer das Domizil in Ruhe durchsuchen. Hier wurden sie schließlich fündig: Sie entwendeten eine wertvolle Münzsammlung mit Silbermünzen, Bargeld sowie mehrere Armbanduhren. Um das Diebesgut abzutransportieren, nutzten sie einen schwarzen Eastpak-Rucksack sowie einen Trolley der Marke EPIC (Modell Jetstream SL, 66 cm), die sie direkt am Tatort entwendeten.
Die Flucht wurde vermutlich durch einen akustischen Reiz ausgelöst. Als ein Wecker im Haus zu klingeln begann, ergriffen die Täter die Flucht – möglicherweise in der Annahme, ein Alarm sei ausgelöst worden. Eines der Opfer konnte sich nach dem Verschwinden der Täter selbst befreien und den Rettungsdienst sowie die Polizei alarmieren.
Spurensuche und polizeiliche Ermittlungen
Die Kriminalpolizei Bamberg sicherte am Tatort wichtige Beweise. Besonders aufschlussreich war der Fund eines gelben Kunststoffteils, das sich als Abdeckung einer Taser-Patrone identifizieren ließ. Dieser Fund bestätigt den Einsatz der Elektroschockwaffe bei dem Überfall im ersten Stock.
Suchhunde führten die Ermittler nach der Tat zu einem Holzlager am Waldrand, nahe der Staatsstraße 2254. Die Polizei geht davon aus, dass die Täter dort ein Fluchtfahrzeug abgestellt hatten. An dieser Stelle verlor sich die Spur der beiden Männer jedoch.
Täterbeschreibung und Zeugenaufruf
Die Ermittler suchen weiterhin nach Hinweisen, die zur Identifizierung der Täter führen könnten. Die beiden Männer werden wie folgt beschrieben:
* **Alter:** Beide etwa 30 Jahre alt.
* **Erscheinungsbild:** Dunkel gekleidet und mit Sturmhauben maskiert.
* **Besonderheit:** Einer der Täter trug ein schwarzes Sweatshirt, das auf der Vorderseite mit einem weißen Schriftzug versehen war.
Die Kripo Bamberg bittet die Bevölkerung um Mithilfe. Insbesondere werden Informationen zum Verbleib des geraubten Trolleys (schwarzer Hartschalenkoffer EPIC Jetstream SL) und des Eastpak-Rucksacks gesucht. Wer am Morgen des 24. April 2024 im Bereich Waizendorf, im angrenzenden Wald oder speziell am Holzlager verdächtige Beobachtungen gemacht hat, wird gebeten, sich bei der Kriminalpolizei unter der Telefonnummer 0951 / 91 29 129 (bzw. ab dem 30. Juli unter 0951 / 91 29 0) zu melden.
Die Ermittlungen dauern an, da die Hintergründe der Tat und die Identität der Täter auch nach über zwei Jahren weiterhin ungeklärt sind. Der Fall wurde im Rahmen der Sendung "Aktenzeichen XY" erneut aufgegriffen, um durch die öffentliche Aufmerksamkeit neue Zeugenhinweise zu generieren.