News aus aller Welt
Start
Ransomware-Angriffe: Über die Hälfte der Opfer zahlt – warum das keine gute Idee ist
Technik · 24.07.2026 21:17

Ransomware-Angriffe: Über die Hälfte der Opfer zahlt – warum das keine gute Idee ist

Kurz: Ransomware-Angriffe nehmen zu, und viele Opfer zahlen das Lösegeld. Eine neue Studie zeigt jedoch: Das ist oft ein Fehler, der zu weiteren Forderungen führt.

Ein Teufelskreis der Erpressung

Wenn Unternehmen oder Privatpersonen Opfer einer Ransomware-Attacke werden, stehen sie unter enormem Druck. Cyberkriminelle verschlüsseln kritische Daten oder drohen damit, sensible Informationen im Dark Web zu veröffentlichen. Die Hoffnung vieler Betroffener ist es, durch eine Lösegeldzahlung den Zugriff auf ihre Systeme wiederzuerlangen oder einen Datenskandal abzuwenden. Doch Sicherheitsbehörden und Experten warnen seit Jahren eindringlich vor diesem Schritt.

Die Gründe für diese Warnung sind vielfältig: Zum einen motiviert jede Zahlung die Angreifer dazu, ihre Aktivitäten fortzusetzen. Zum anderen fließen die Gelder häufig in die Finanzierung neuer, noch komplexerer Angriffe. Ein aktueller Bericht des Sicherheitsunternehmens Proofpoint liefert nun ein weiteres, alarmierendes Argument gegen die Zahlung: Die Erpresser halten sich in vielen Fällen nicht an ihre Zusagen.

Wenn die Zahlung nur der Anfang ist

Laut der Studie, für die knapp 1.000 Sicherheitsexpertinnen und -experten in zwölf verschiedenen Märkten befragt wurden, ist die Bereitschaft zu zahlen erschreckend hoch. 54 Prozent der Unternehmen, die erfolgreich angegriffen wurden, gaben an, das geforderte Lösegeld tatsächlich beglichen zu haben. Die bittere Konsequenz: Bei 37 Prozent dieser Firmen – also mehr als jedem dritten zahlenden Opfer – forderten die Kriminellen nach der ersten Überweisung erneut Geld.

Die Dynamik der Angriffe hat sich damit grundlegend gewandelt. Was früher oft als einmaliges Ereignis wahrgenommen wurde, bei dem nach der Zahlung die Daten wieder freigegeben wurden, entwickelt sich zunehmend zu einem langwierigen Verhandlungsprozess. Die Angreifer nutzen ihre verschiedenen Druckmittel – die anhaltende Verschlüsselung, die gestohlenen Daten und die Drohung mit deren Veröffentlichung – taktisch aus, um ihre Profite zu maximieren.

Phishing bleibt das Haupteinfallstor

Die Basis für diese Angriffe bildet meist eine Schwachstelle im menschlichen Verhalten oder in der IT-Hygiene. Die Auswertung zeigt, dass 47 Prozent der Ransomware-Vorfälle ihren Ursprung in bösartigen Links haben. Diese führen die Opfer entweder auf präparierte Phishing-Seiten oder lösen direkt den Download von Schadsoftware aus.

Die Bedrohungslage verschärft sich zudem durch den Einsatz neuer Technologien. 65 Prozent der befragten Sicherheitsexperten berichten, dass Künstliche Intelligenz (KI) die Angriffe deutlich effektiver gemacht hat. KI-gestützte Methoden ermöglichen es den Tätern, Phishing-Mails und Identitätsdiebstähle so zu gestalten, dass sie überzeugender und gezielter wirken. Die Unterscheidung zwischen echter Kommunikation und betrügerischen Nachrichten fällt dadurch zunehmend schwerer.

Strategien zur Prävention

Angesichts dieser Entwicklung gewinnen präventive Maßnahmen massiv an Bedeutung. Da der Faktor Mensch bei Phishing-Attacken eine zentrale Rolle spielt, ist die regelmäßige Schulung der Mitarbeitenden eine der effektivsten Verteidigungslinien. Ein geschultes Team kann verdächtige E-Mails oder Links eher identifizieren und so den ersten Schritt der Infektionskette unterbrechen.

Ergänzend dazu sind technische Sicherheitsvorkehrungen unerlässlich. Dazu gehören:

* Regelmäßige Backups, die zwingend offline gespeichert werden sollten, um sie vor Verschlüsselung zu schützen.

* Der Einsatz von KI-gestützten Cyberabwehr-Diensten, die in der Lage sind, Anomalien in der IT-Infrastruktur in Echtzeit zu erkennen.

Die Erkenntnisse unterstreichen, dass eine Lösegeldzahlung keine Sicherheit bietet, sondern die Betroffenen oft tiefer in die Abhängigkeit der Kriminellen treibt. Ein proaktiver Schutzansatz bleibt daher die einzige verlässliche Methode, um sich gegen die wachsende Professionalisierung der Ransomware-Szene zu wappnen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/klassischer-amerikanischer-muscle-car-auf-einer-europaischen-strasse-38623482/ · Foto: Hert Niks
Quelle: https://t3n.de/news/ransomware-opfer-zahlen-1754772/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed