Strategische Allianz in Spanien
Der US-amerikanische Automobilhersteller Ford und der chinesische Konzern Geely Auto haben eine weitreichende Zusammenarbeit angekündigt. Ziel der Partnerschaft ist die gemeinsame Produktion von Fahrzeugen im Ford-Werk Almussafes bei Valencia. Das Vorhaben sieht vor, dass ab dem Jahr 2028 insgesamt fünf verschiedene Pkw-Modelle beider Marken in Spanien gefertigt werden. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus batterieelektrischen Fahrzeugen, Plug-in-Hybriden sowie Modellen mit Range-Extender-Technologie.
Die neue Gesellschaft wird mehrheitlich von Ford kontrolliert, das einen Anteil von 66 Prozent hält, während Geely die restlichen 34 Prozent übernimmt. Der operative Start des Joint Ventures ist für die erste Jahreshälfte 2027 terminiert, sofern die notwendigen kartellrechtlichen Genehmigungen auf nationaler und EU-Ebene sowie weitere formale Schritte rechtzeitig abgeschlossen werden können.
Kapazitätsauslastung und Modellvielfalt
Das Werk in Valencia galt einst als Fords größter Produktionsstandort außerhalb der USA. In den vergangenen Jahren sah sich die Fabrik jedoch mit einer sinkenden Auslastung konfrontiert, da mehrere Modellreihen ausliefen und eine starke Abhängigkeit vom Ford Kuga bestand. Aktuell ist die Kapazität von rund 500.000 Fahrzeugen pro Jahr nur zu einem Bruchteil ausgeschöpft; Teile der Fertigungsanlagen, darunter Montagebänder, ruhen derzeit.
Mit dem Einstieg von Geely soll sich dies ändern. Ford plant die Einführung einer europäischen Variante des Geländewagens Bronco sowie eines neuen Crossover-SUV. Letzterer wird in einer gemeinsamen Entwicklungsarbeit beider Unternehmen konzipiert. Geely seinerseits beabsichtigt, zwei eigene elektrische SUVs in Valencia zu produzieren, darunter den bereits in Europa eingeführten EX5. Damit etabliert Geely erstmals eine eigene Fertigungsstätte innerhalb der Europäischen Union.
Reaktion auf EU-Handelspolitik und Klimaziele
Die Kooperation findet vor dem Hintergrund einer verschärften EU-Handelspolitik gegenüber chinesischen Elektroauto-Importen statt. Durch die Produktion vor Ort können Hersteller die sogenannten Local-Content-Regeln erfüllen und drohende EU-Zölle auf importierte Fahrzeuge umgehen. Für Geely bietet das Werk in Valencia somit eine direkte Lösung, um den europäischen Markt effizienter zu bedienen.
Zusätzlich spielen die strengen CO₂-Flottenziele der EU eine zentrale Rolle. Die Automobilhersteller stehen unter Druck, ihr Angebot an elektrifizierten Antrieben zügig auszubauen. Ford hat in diesem Zusammenhang eine Produktoffensive angekündigt, die bis 2029 fünf neue „Multi-Energy“-Pkw für den europäischen Markt vorsieht. Die Neuausrichtung des Standorts Valencia als Zentrum für emissionsarme Mobilität ist eine direkte Antwort auf diese regulatorischen Anforderungen.
Synergieeffekte und wirtschaftliche Perspektiven
Durch die Bündelung der Produktionskapazitäten beider Hersteller sollen signifikante Skaleneffekte erzielt werden. Ford profitiert von einer besseren Auslastung des Werks und einer Reduzierung der Fixkosten, während Geely den kostspieligen Aufbau eines eigenen europäischen Werks vermeidet. Zudem planen die Partner eine Zusammenarbeit bei der Fahrzeugsoftware und vernetzten Diensten, wenngleich technische Details zur zugrunde liegenden Architektur noch nicht kommuniziert wurden.
Für die Region Valencia und die spanische Automobilindustrie ist das Projekt von hoher Bedeutung, da das Land seine Position als einer der führenden Produktionsstandorte in Europa im Zeitalter der Elektromobilität sichern möchte. Zwar wurden keine konkreten Zahlen zu den Auswirkungen auf die Beschäftigung genannt, doch die Unternehmen betonen das Potenzial für das Wachstum hochqualifizierter Arbeitsplätze am Standort.