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PayPal-Alternative: dm führt Wero im Onlineshop ein
Technik · 20.08.2026 17:32

PayPal-Alternative: dm führt Wero im Onlineshop ein

Kurz: Die Drogeriekette dm setzt auf den europäischen Bezahldienst Wero. Ab Ende August können Kunden im Onlineshop damit bezahlen – ein wichtiger Schritt für das Sys

Ein strategischer Schritt für den digitalen Zahlungsverkehr

Die deutsche Drogeriekette dm setzt ein deutliches Zeichen im Bereich des digitalen Zahlungsverkehrs. Wie aus aktuellen Berichten hervorgeht, erweitert das Unternehmen sein Portfolio an Bezahlmethoden im eigenen Onlineshop um den europäischen Dienst Wero. Dieser Schritt markiert eine wichtige Weichenstellung, da dm damit aktiv eine Alternative zu den bisher dominierenden US-amerikanischen Anbietern wie PayPal in sein System integriert. Der offizielle Startschuss für die Implementierung ist für den 25. August terminiert. Ab diesem Zeitpunkt erhalten Nutzer die Möglichkeit, ihre Einkäufe bei der Drogeriekette über die europäische Lösung abzuwickeln. Die Entscheidung, auf Wero zu setzen, ist dabei nicht nur eine rein technische Erweiterung, sondern unterstreicht den Willen des Unternehmens, bei innovativen Zahlungsformen eine Vorreiterrolle einzunehmen. Die Integration erfolgt in einem Marktumfeld, das nach wie vor stark durch internationale Akteure geprägt ist, jedoch zunehmend den Wunsch nach souveränen europäischen Lösungen äußert. Mit der Anbindung an den Onlineshop von dm gewinnt Wero einen der umsatzstärksten Partner im deutschen Einzelhandel, was für die Verbreitung des Dienstes von entscheidender Bedeutung sein könnte.

Details zur Implementierung und den Erwartungen

Die Verantwortlichen bei dm haben sich im Vorfeld intensiv mit der Integration von Wero auseinandergesetzt. Martin Dallmeier, der Finanzchef der Drogeriekette, äußerte sich gegenüber dem Manager Magazin positiv über das Potenzial des Dienstes. Er betonte, dass man bei dm davon überzeugt sei, dass Wero ein relevantes Zahlungsmittel im deutschen E-Commerce werden könne. Aus diesem Grund habe man sich dazu entschieden, als einer der ersten großen Händler die technische Anbindung vorzunehmen. Dallmeier nannte zudem konkrete Zielmarken für den Erfolg der neuen Bezahlart. Ein gelungener Start und eine positive Entwicklung wären aus Sicht des Finanzchefs erreicht, wenn Wero innerhalb der ersten sechs bis zwölf Monate einen Anteil von etwa fünf Prozent am gesamten Transaktionsvolumen im Onlineshop erzielen könnte. Die technische Stärke von Wero liegt laut Einschätzungen vor allem in der unkomplizierten Verknüpfung mit dem persönlichen Bankkonto der Kunden. Dies ermöglicht nach Angaben des Unternehmens eine schnelle sowie sichere Abwicklung von Zahlungen, was für die Nutzererfahrung im Onlinehandel von zentraler Bedeutung ist. Zudem spielt die Kostenstruktur eine Rolle, da Wero für Händler wie dm voraussichtlich deutlich kostengünstiger ist als etablierte Dienste wie PayPal, für die laut Daten des EHI Retail Institute im Schnitt Gebühren in Höhe von 1,94 Prozent des Umsatzes anfallen.

Der Hintergrund der europäischen Bezahllösung

Die Entstehung von Wero ist eng mit der European Payments Initiative (EPI) verknüpft. Dabei handelt es sich um einen Verbund europäischer Banken, der sich zum Ziel gesetzt hat, ein starkes Gegengewicht zu den US-amerikanischen Zahlungsanbietern zu schaffen. Der Dienst ging Anfang Juli 2024 an den Start und ist mittlerweile in mehreren europäischen Ländern verfügbar, darunter Deutschland, Frankreich und die Niederlande. Ursprünglich fokussierte sich das System auf direkte mobile Überweisungen zwischen Privatpersonen, ähnlich dem Prinzip von PayPal. Seit November 2025 ist die Nutzung von Wero auch im Onlinehandel möglich. Die Initiative kämpft dabei gegen das klassische Henne-Ei-Problem: Kunden nutzen einen Bezahldienst nur dann, wenn er bei einer Vielzahl von Händlern akzeptiert wird, während Händler die Implementierung erst dann vornehmen, wenn eine ausreichende Nutzerbasis vorhanden ist. An diesem Dilemma scheiterte in der Vergangenheit bereits das Projekt Paydirekt, mit dem die deutsche Kreditwirtschaft ebenfalls versuchte, PayPal Konkurrenz zu machen. Wero soll nun durch eine breitere europäische Aufstellung und eine modernere technische Basis erfolgreicher sein als seine Vorgänger.

Die Akteure und das Marktumfeld

Neben dm beteiligen sich bereits rund 600 Händler in Deutschland und Belgien an der Nutzung von Wero. Zu den prominenten Anwendern zählen unter anderem der Veranstaltungskarten-Dienstleister Eventim sowie die Onlineshops von Lidl und Decathlon. Auch weitere Handelsketten wie Mediamarkt, Rossmann, Cewe und Hornbach arbeiten den Berichten zufolge an einer Einführung des Systems. Auf der Seite der Finanzinstitute wächst ebenfalls die Unterstützung: Zuletzt hat sich beispielsweise die Direktbank ING dem Kreis der Wero-unterstützenden Banken angeschlossen. Die strategische Entscheidung von dm ist dabei vor dem Hintergrund einer hohen Nachfrage nach europäischen Alternativen zu sehen. Laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom wünschen sich 53 Prozent der deutschen Verbraucher mehr europäische Angebote für digitales Bezahlen. Zudem äußern 46 Prozent der Befragten Sorgen darüber, dass viele kritische Zahlungsdienste von Unternehmen außerhalb Europas kontrolliert werden. Diese Zahlen belegen, dass das Marktumfeld für Wero grundsätzlich bereit ist, auch wenn der Dienst noch mit einer geringen Bekanntheit zu kämpfen hat.

Einordnung der Marktsituation

Einzuordnen ist das Engagement von dm als ein wichtiger Vertrauensbeweis für die europäische Initiative. Der dm-Onlineshop, der Schätzungen der Lebensmittelzeitung zufolge in zwölf Monaten bis Mitte 2025 einen Umsatz von rund 820 Millionen Euro generierte und auf dem Weg zur Umsatzmilliarde ist, bietet Wero eine enorme Sichtbarkeit. Den Berichten zufolge ist Wero für viele deutsche Verbraucher noch weitgehend unbekannt; eine Umfrage des Vergleichsportals Verivox ergab, dass fast zwei Drittel der Deutschen den Dienst bisher nicht kennen. Die Integration bei einem so reichweitenstarken Händler wie dm könnte daher die notwendige Aufmerksamkeit erzeugen, um die kritische Masse an Nutzern zu erreichen. Dass 37 Prozent der Verbraucher bereit wären, bei einem europäischen Dienst Abstriche beim Leistungsumfang in Kauf zu nehmen, deutet auf eine hohe ideelle Bereitschaft hin, das System zu unterstützen. Dennoch bleibt die Konkurrenz zu PayPal, das sich über Jahre als Standard etabliert hat, eine enorme Herausforderung. Die Gebührenvorteile könnten für Händler ein entscheidendes Argument sein, um Wero langfristig im Checkout-Prozess zu priorisieren.

Offene Fragen zur weiteren Entwicklung

Trotz der klaren Ankündigung durch die Drogeriekette dm bleiben einige Aspekte der Einführung und der langfristigen Strategie unbeantwortet. Der Quelltext macht keine expliziten Angaben dazu, wie die technische Integration im Detail für den Endnutzer gestaltet sein wird und ob es zum Start spezielle Anreize oder Rabatte für Kunden geben wird, die sich für die Zahlung mit Wero entscheiden. Ebenso bleibt offen, welche spezifischen Marketingmaßnahmen dm ergreifen wird, um die Bekanntheit von Wero bei seiner Kundschaft aktiv zu fördern. Auch die genauen vertraglichen Rahmenbedingungen zwischen der European Payments Initiative und dm sind nicht öffentlich bekannt. Es bleibt zudem abzuwarten, wie schnell die angekündigten weiteren Händler ihre Systeme tatsächlich auf Wero umstellen werden und ob es zu einer flächendeckenden Akzeptanz in der gesamten deutschen Handelslandschaft kommen wird. Auch die Frage, ob Wero langfristig die gleiche Funktionsvielfalt wie etablierte internationale Anbieter erreichen kann, ohne dabei die Einfachheit des Dienstes zu verlieren, wird in den vorliegenden Informationen nicht abschließend geklärt.

Ausblick und nächste Schritte

Der Zeitplan für die kommenden Monate ist klar definiert. Ab dem 25. August wird Wero für Kunden im Onlineshop von dm freigeschaltet. Sollte sich die Bezahlmethode dort erfolgreich etablieren, hat Finanzchef Martin Dallmeier bereits eine Ausweitung in Aussicht gestellt. Wenn die Akzeptanz im Onlinehandel die Erwartungen erfüllt, spricht aus Sicht des Unternehmens vieles dafür, Wero auch im stationären Handel anzubieten. Dies wäre ein entscheidender Schritt, um den Dienst vom reinen E-Commerce-Tool zu einer umfassenden Bezahloption für den Alltag zu machen. Die weitere Entwicklung hängt maßgeblich davon ab, ob die EPI es schafft, die Anzahl der teilnehmenden Banken und Händler kontinuierlich zu steigern. Mit dem Erreichen der Umsatzmilliarde im Onlineshop von dm bietet sich für Wero eine ideale Bühne, um seine Praxistauglichkeit unter Beweis zu stellen. Die kommenden sechs bis zwölf Monate werden zeigen, ob das Ziel eines Marktanteils von fünf Prozent realistisch ist und ob Wero das Potenzial hat, sich dauerhaft als europäische Alternative zu etablieren.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/e-commerce-shopping-mit-mobile-payment-29502364/ · Foto: Julio Lopez
Quelle: https://www.heise.de/news/PayPal-Alternative-dm-fuehrt-Wero-im-Onlineshop-ein-11421070.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag