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Passwort-Hashes auslesbar: 20 Jahre alte BMC-Lücke gefährdet über 24.000 Server
Technik · 29.07.2026 11:42

Passwort-Hashes auslesbar: 20 Jahre alte BMC-Lücke gefährdet über 24.000 Server

Kurz: Eine zwei Jahrzehnte alte Sicherheitslücke in BMC-Controllern gefährdet weltweit über 24.000 Server. Auch deutsche Systeme sind massiv betroffen.

Ein tief verwurzeltes Sicherheitsproblem in der Server-Infrastruktur

IT-Sicherheitsexperten haben eine alarmierende Entdeckung gemacht: Zehntausende Serversysteme weltweit sind über das Internet angreifbar. Der Grund liegt in einer Schwachstelle, die bereits seit über zwei Jahrzehnten existiert. Im Zentrum der Bedrohung stehen die sogenannten Baseboard Management Controller (BMC), die für die Fernverwaltung von Hardware unerlässlich sind. Sicherheitsforscher des Unternehmens Lava identifizierten insgesamt 24.650 Systeme, die aufgrund eines veralteten Protokoll-Designs Passwort-Hashes preisgeben.

Die technische Ursache: CVE-2013-4786

Die Schwachstelle, die unter der Kennung CVE-2013-4786 geführt wird, betrifft das Intelligent Platform Management Interface (IPMI) in der Version 2.0. Obwohl die Sicherheitslücke bereits 2013 offiziell dokumentiert wurde, reicht ihr Ursprung bis in das Jahr 2004 zurück. Das Protokoll erlaubt es, den BMC aus der Ferne über den UDP-Port 623 anzusprechen.

Das kritische Sicherheitsrisiko besteht darin, dass der Controller bei einem Anmeldeversuch einen HMAC-SHA1-Authentifizierungscode zurückgibt. Dieser Code basiert auf dem Passwort des jeweiligen Kontos sowie spezifischen Sitzungswerten. Ein Angreifer, der keine gültigen Zugangsdaten besitzt, kann diese Antwort gezielt anfordern. Die erhaltenen Hashes lassen sich anschließend auf externen Systemen mittels Brute-Force-Methoden entschlüsseln. Da viele Passwörter in der Praxis nicht ausreichend komplex sind, gelingt es Angreifern oft, die Zugangsdaten in kurzer Zeit zu knacken und so die vollständige Kontrolle über den Server zu erlangen.

Globale Verbreitung und deutsche Betroffenheit

Die Ausmaße der Sicherheitslücke sind signifikant. Die Untersuchungen von Lava zeigen, dass weltweit knapp 37.000 Server-BMCs über das IPMI-Protokoll direkt aus dem Internet erreichbar sind. Von diesen sind mehr als 24.000 Systeme direkt durch die beschriebene Schwachstelle gefährdet.

Ein Blick auf die geografische Verteilung verdeutlicht die Relevanz für den deutschen Markt:

* **USA:** Mit 14.303 Systemen führen die Vereinigten Staaten die Liste der betroffenen Server an.

* **Deutschland:** Mit 3.281 anfälligen Systemen belegt Deutschland den zweiten Platz im Ländervergleich.

* **China:** Auf dem dritten Platz folgen 3.052 Systeme.

* **Niederlande und Vereinigtes Königreich:** Auch hier sind mit 2.025 beziehungsweise 1.356 Servern nennenswerte Bestände gefährdet.

Hintergründe und Konsequenzen

Dass eine Sicherheitslücke aus dem Jahr 2004 noch immer eine solche Gefahr darstellt, unterstreicht die Herausforderungen bei der Wartung von Server-Hardware. Viele BMCs sind in Rechenzentren verbaut und werden nach der Inbetriebnahme nur selten aktualisiert. Die Tatsache, dass diese Schnittstellen überhaupt direkt aus dem Internet erreichbar sind, verschärft die Lage massiv.

Die Folgen einer erfolgreichen Kompromittierung sind schwerwiegend. Ein Angreifer, der Zugriff auf den BMC erlangt, kann das System nicht nur aus der Ferne steuern, sondern hat oft tiefgreifende Rechte auf Hardware-Ebene. Dies kann zur Installation von Schadsoftware, zum Diebstahl sensibler Daten oder zur dauerhaften Sabotage der Infrastruktur führen.

Für Administratoren und IT-Verantwortliche ergibt sich daraus die dringende Notwendigkeit, die Sichtbarkeit von IPMI-Schnittstellen zu prüfen. Die Empfehlung lautet, solche Management-Schnittstellen niemals direkt im öffentlichen Internet zu betreiben, sondern den Zugriff ausschließlich über gesicherte VPN-Verbindungen oder isolierte Management-Netzwerke zu ermöglichen. Die aktuelle Datenlage verdeutlicht, dass die technische Altlast der IPMI-Architektur auch nach über 20 Jahren ein Einfallstor bleibt, das bei mangelnder Absicherung ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-sitzung-sitzen-computer-8885034/ · Foto: MART PRODUCTION
Quelle: https://www.golem.de/news/passwort-hashes-auslesbar-20-jahre-alte-bmc-luecke-gefaehrdet-ueber-24-000-server-2607-211397.html