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Palla bemängelt Pünktlichkeit und Leistung im Management
Schlagzeilen · 01.08.2026 09:39

Palla bemängelt Pünktlichkeit und Leistung im Management

Kurz: Bahn-Chefin Evelyn Palla übt deutliche Kritik an der Pünktlichkeit der Fernzüge und der Leistungskultur im Management des Konzerns.

Kritische Bilanz zur Pünktlichkeit

Die aktuelle Situation bei der Deutschen Bahn steht unter intensiver Beobachtung. Bahn-Chefin Evelyn Palla hat in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ eine ungeschönte Einschätzung der Lage abgegeben. Besonders die Pünktlichkeitswerte im Fernverkehr geben Anlass zur Sorge: Im ersten Halbjahr 2026 erreichten lediglich 58,7 Prozent der Fernzüge ihr Ziel pünktlich. Palla räumte offen ein, dass dies kein akzeptables Ergebnis sei.

Dennoch ordnete die Bahn-Chefin die Zahlen ein, um eine einseitige Betrachtung zu vermeiden. In etwa 75 Prozent der Fälle lagen die Verspätungen unter einer Marke von 15 Minuten. Palla mahnte dazu, das Unternehmen nicht schlechter darzustellen, als es in der Realität sei. Zur Einordnung: In der Statistik der Deutschen Bahn gilt ein Fernzug bereits ab einer Verspätung von sechs Minuten als unpünktlich. Zugausfälle fließen in diese spezifische Kennzahl der betrieblichen Pünktlichkeit hingegen nicht ein.

Zielvorgaben und Selbsteinschätzung

Für das laufende Jahr hatte sich der Konzern ein Pünktlichkeitsziel von mindestens 60 Prozent gesetzt. Aktuell hinkt die Bahn diesem Ziel hinterher. Auf die Frage nach einer Bewertung der Zuverlässigkeit vergab Palla die Schulnote „4 minus“. In einer Gesamtschau des Konzerns bewertete sie die Leistung jedoch mit einer „3“. Sie betonte, dass die öffentliche Wahrnehmung oft zu stark auf den Fernverkehr fokussiert sei, was jedoch nur einen Teil der komplexen Unternehmensleistung widerspiegele.

Aufarbeitung der Management-Kultur

Ein wesentlicher Punkt der Kritik von Evelyn Palla betrifft die interne Führungskultur. Sie sieht die Ursachen für die aktuellen Schwierigkeiten teilweise in einer mangelnden Leistungsbereitschaft des früheren Managements begründet. Palla sprach in diesem Zusammenhang von einer „organisierten Verantwortungslosigkeit“, die in der Vergangenheit geherrscht habe. Diese Strukturen müssten nun konsequent der Vergangenheit angehören.

Um diesen Wandel herbeizuführen, hat Palla seit ihrem Amtsantritt im vergangenen Jahr einen umfassenden Konzernumbau eingeleitet. Zu den zentralen Maßnahmen gehören:

* Die Verschlankung der Konzernzentrale.

* Die Verlagerung von mehr Verantwortung in die operative Fläche.

* Die Streichung zahlreicher Führungspositionen.

Die Bahn-Chefin unterstrich, dass der Anspruch an Leistung bei ihr selbst und dem Konzernvorstand beginne. Diese Führungsebene müsse als Vorbild für den gesamten Konzern fungieren.

Wirtschaftlicher Kontext und Ausblick

Die Kritik an den operativen Abläufen findet vor dem Hintergrund einer veränderten wirtschaftlichen Lage statt. Erstmals seit sieben Jahren konnte die Bahn im ersten Halbjahr wieder einen Gewinn ausweisen, der sich auf 150 Millionen Euro beläuft. Dieser Erfolg ist unter anderem auf Sparmaßnahmen zurückzuführen. Zudem profitiert das Unternehmen von einem gestiegenen Pendleraufkommen, da viele Reisende aufgrund hoher Kraftstoffpreise vom Auto auf die Schiene umgestiegen sind.

Dem positiven Ergebnis steht jedoch eine erhebliche finanzielle Belastung gegenüber: Der Schuldenberg des Konzerns beläuft sich auf 21,6 Milliarden Euro. Die nächsten Schritte der Bahn-Chefin zielen darauf ab, den eingeschlagenen Umbaukurs fortzusetzen, um sowohl die betriebliche Performance als auch die interne Unternehmenskultur nachhaltig zu stabilisieren.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-feld-sport-ball-9367718/ · Foto: Omar Ramadan
Quelle: https://www.zdfheute.de/wirtschaft/unternehmen/bahn-palla-management-puenktlichkeit-100.html