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Open-Source-Office: Libre Office 26.8 verzichtet bewusst auf KI
Technik · 27.08.2026 12:25

Open-Source-Office: Libre Office 26.8 verzichtet bewusst auf KI

Kurz: Libre Office 26.8 ist erschienen. Die neue Hauptversion setzt auf Typografie und Kompatibilität, verzichtet jedoch bewusst auf generative KI-Funktionen.

Ein bedeutendes Update für die Open-Source-Suite

Die Document Foundation hat mit der Veröffentlichung von Libre Office 26.8 einen wichtigen Meilenstein für ihre bekannte Office-Suite erreicht. Die neue Hauptversion, die ab sofort für die Betriebssysteme Windows, MacOS und Linux zur Verfügung steht, bringt eine Vielzahl an technischen Verbesserungen mit sich. Während viele kommerzielle Konkurrenzprodukte derzeit massiv in die Integration generativer Künstlicher Intelligenz investieren, schlägt die Document Foundation mit diesem Release einen anderen Weg ein. Im Zentrum der Aktualisierungen stehen die Optimierung der Typografie, eine verbesserte Unterstützung internationaler Schriftsysteme sowie eine deutlich verlässlichere Kompatibilität beim Austausch von Dokumenten mit Microsoft-Office-Formaten. Die Entwickler haben dabei gezielt an der Benutzererfahrung im Textverarbeitungsprogramm Writer gearbeitet, um die Qualität des Satzbildes signifikant zu erhöhen. Damit unterstreicht die Organisation ihren Anspruch, eine leistungsfähige und datenschutzfreundliche Alternative für Anwender weltweit bereitzustellen, die ohne die Abhängigkeit von Cloud-Diensten oder KI-gestützten Automatismen auskommt.

Detailverbesserungen bei Writer und Schriftsystemen

Ein technisches Highlight der Version 26.8 ist der neue Paragraph Composer in Writer. Im Gegensatz zu herkömmlichen Methoden, bei denen der Blocksatz zeilenweise optimiert wird, betrachtet dieser Algorithmus mehrere aufeinanderfolgende Zeilen eines Absatzes gleichzeitig. Dies führt zu einem harmonischeren Schriftbild, da stark schwankende Wortabstände effektiv vermieden werden. Zudem wurde die native Unterstützung für Opentype Variable Fonts implementiert, was Designern mehr Flexibilität bietet. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Internationalisierung: Die Software erkennt nun automatisch die Schreibrichtung von Absätzen. Dies verbessert die Handhabung von Rechts-nach-links-Schriften (RTL) sowie vertikalen Layouts, wie sie in chinesischen, koreanischen oder japanischen Schriftsystemen üblich sind. Auch in Calc gibt es Fortschritte: Die Zellausrichtung passt sich bei RTL-Texten nun automatisch an. Math wurde um zusätzliche Operatoren für westafrikanische Sprachen erweitert, und neue Dokumente nutzen standardmäßig eine sprachrichtungsabhängige Startausrichtung statt einer starren Linksausrichtung, was die Arbeit mit globalen Dokumenten erheblich erleichtert.

Die Strategie der bewussten KI-Abstinenz

Während Microsoft 365 und Google Workspace ihre Suiten zunehmend mit generativen KI-Funktionen ausstatten, hat sich die Document Foundation explizit gegen diesen Trend entschieden. Dies ist keine technische Unzulänglichkeit, sondern eine bewusste Designentscheidung. Die Entwickler betonen, dass Libre Office keine Dokumente zur Verarbeitung an externe Server oder KI-Dienste überträgt. Ein wesentlicher Vorteil dieser Architektur ist, dass für die grundlegenden Funktionen der Office-Suite kein Netzwerkzugriff erforderlich ist. Damit bleibt die Souveränität über die Daten vollständig beim Anwender. Diese Entscheidung spiegelt die Philosophie der Document Foundation wider, die Privatsphäre und Datensicherheit in den Vordergrund stellt. Statt auf KI-gestützte Texterstellung oder Analyse zu setzen, konzentriert sich die Entwicklung weiterhin auf die Kernfunktionalitäten einer Office-Suite, die stabil, sicher und lokal auf dem Rechner des Nutzers funktioniert. Diese klare Positionierung dürfte vor allem Anwender ansprechen, die Wert auf Datensparsamkeit und eine werbefreie Arbeitsumgebung legen.

Kompatibilität und der Austausch mit Microsoft-Formaten

Ein kritischer Punkt bei der Nutzung von Libre Office ist seit jeher die Interoperabilität mit Microsoft-Office-Dateien. Mit der Version 26.8 wurde hier ein weiterer Schritt nach vorne gemacht. Zwar können bestimmte neuere OOXML-Diagrammtypen wie Box-Plot, Trichter, Pareto, Sunburst, Treemap oder Wasserfall weiterhin nicht direkt in Libre Office bearbeitet oder gerendert werden, doch die Document Foundation hat die Handhabung dieser Objekte verbessert. Beim Öffnen und erneuten Speichern der Dokumente bleiben die Daten dieser Diagramme nun erhalten, was die Zusammenarbeit in gemischten Umgebungen deutlich zuverlässiger macht. Ein Dokument, das in Libre Office bearbeitet wurde, soll somit auch nach dem erneuten Öffnen in Microsoft Office korrekt funktionieren. Eine Ausnahme bilden lediglich Region-Map-Diagramme, bei denen die Kompatibilität weiterhin nur eingeschränkt gegeben ist. Diese Verbesserungen sind essenziell für Nutzer, die in professionellen Umgebungen auf den Austausch von Dateien mit Kollegen angewiesen sind, die ausschließlich Microsoft-Produkte einsetzen.

Transparenz und Finanzierung der Entwicklung

Neben den funktionalen Neuerungen gibt es auch Änderungen in der Benutzeroberfläche und der Finanzierungskommunikation. Im Startcenter der Suite wurde ein neues Spendenbanner integriert. Die Document Foundation betont, dass dieses Banner nur gelegentlich eingeblendet wird, etwa monatlich oder nach einem erfolgreichen Update-Vorgang, um auf die Spendenseite der Stiftung hinzuweisen. Damit bleibt die Software weiterhin frei von klassischer Werbung. Die Organisation hält zudem an ihrem Versprechen fest, dass es keine Telemetriedatenübertragung gibt. Auch eine Konto- oder Abopflicht, wie sie bei vielen kommerziellen Anbietern heute Standard ist, existiert bei Libre Office nicht. Die Finanzierung erfolgt somit weiterhin über die Unterstützung der Community und Spenden, was die Unabhängigkeit der Software sichert. Diese Transparenz ist ein zentrales Element der Open-Source-Strategie, die sicherstellt, dass die Interessen der Nutzer vor kommerziellen Verwertungsinteressen stehen. Das Projekt bleibt damit ein Gegenentwurf zu den datenhungrigen Geschäftsmodellen der großen Tech-Konzerne.

Ausblick auf kommende Versionen und Empfehlungen

Für Anwender stellt sich nun die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für ein Update. Die Document Foundation empfiehlt für produktive Umgebungen, in denen Stabilität oberste Priorität hat, weiterhin die Nutzung der 26.2-Reihe. Aktuell ist hier die Version 26.2.5 verfügbar, während die nächste Wartungsversion 26.2.6 für den 3. September 2026 angekündigt ist. Libre Office 26.8 richtet sich hingegen an Nutzer, die von den neuesten Funktionen und den Verbesserungen bei der Typografie profitieren möchten. Offen bleibt, wie sich die Entwicklung der KI-Integration in der Branche weiter auf die Marktanteile von Libre Office auswirken wird und ob die Document Foundation langfristig bei ihrer strikten Ablehnung bleibt, falls KI-Funktionen zu einem unumgänglichen Industriestandard werden sollten. Auch die vollständige Unterstützung komplexer Diagrammtypen bleibt ein Bereich, in dem noch Entwicklungsarbeit geleistet werden muss. Nutzer, die auf die neuen Funktionen angewiesen sind, können die Version 26.8 ab sofort von der offiziellen Webseite herunterladen und in ihre Arbeitsabläufe integrieren.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/person-die-dell-laptop-benutzt-wahrend-sie-auf-sofa-im-raum-sitzt-1785893/ · Foto: Lisa Fotios
Quelle: https://www.golem.de/news/open-source-office-libre-office-26-8-verzichtet-bewusst-auf-ki-2608-212356.html