News aus aller Welt
Start
Nasa: Nancy-Grace-Roman-Teleskop soll Sternenlicht blockieren, um 100.000 Exoplaneten zu finden
Technik · 27.08.2026 14:55

Nasa: Nancy-Grace-Roman-Teleskop soll Sternenlicht blockieren, um 100.000 Exoplaneten zu finden

Kurz: Das Nancy-Grace-Roman-Weltraumteleskop soll durch innovative Koronagrafie-Technik das Sternenlicht blockieren und so 100.000 Exoplaneten für die Forschung sicht

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Das Nancy-Grace-Roman-Weltraumteleskop steht kurz vor seinem entscheidenden Einsatz in der Weltraumforschung. Am Sonntag, den 30. August 2026, soll das 10,5 Tonnen schwere Observatorium vom Kennedy Space Center in Florida aus seine Reise in das All antreten. Der Transport erfolgt an Bord einer Falcon-Heavy-Rakete, wobei der Zeitplan laut den vorliegenden Informationen neun Monate früher als ursprünglich geplant umgesetzt wird. Das Ziel der Mission ist der Lagrange-Punkt 2, von dem aus das Teleskop den Weltraum untersuchen soll. Die zentrale technologische Neuerung an Bord ist ein sogenannter aktiver Koronagraf. Dieses Instrument ermöglicht es, das intensive Licht eines Sterns bei der Beobachtung gezielt auszublenden. Durch diese Methode können Astronomen erstmals Bilder von Planeten aufnehmen, die andere Sterne umkreisen und in ihrer Beschaffenheit unserem eigenen Sonnensystem ähneln. Die Mission verspricht, die Suche nach Exoplaneten auf ein neues Niveau zu heben und könnte den Weg für zukünftige Projekte ebnen, die direkt auf die Abbildung erdähnlicher Welten ausgerichtet sind. Das Projekt gilt als Meilenstein, um die Natur von dunkler Materie und dunkler Energie besser zu verstehen.

Die Einzelheiten der Mission

Das Teleskop ist nach Nancy Grace Roman benannt, der ersten Chefin der Astronomieabteilung der Nasa. Ausgestattet ist das Observatorium mit einer Wide-Field-Kamera, die über eine Auflösung von rund 300 Megapixel verfügt. Den Berichten zufolge sollen die Aufnahmen etwa 100 Mal größer sein als die Langzeitbelichtungsbilder des Hubble-Teleskops, bei gleichzeitig vergleichbarer Auflösung. Die Wissenschaftler erwarten, dass durch die neuen Kapazitäten rund 100.000 Exoplaneten entdeckt werden können. Die Existenz dieser Himmelskörper lässt sich dabei aus der Art und Weise ableiten, wie sie das Licht entfernter Sterne verzerren. Ein wesentliches technisches Merkmal ist die aktive Wellenfrontkontrolle. Hierbei kommen zwei verformbare Spiegel zum Einsatz, die mit einem Schachbrettmuster aus Aktuatoren versehen sind. Diese können die Oberfläche der Spiegel um bis zu 0,5 Mikrometer verformen, was etwa einem Viertel der Größe eines E.-coli-Bakteriums entspricht. Die Präzision der Bewegungen liegt bei etwa 10 Pikometern, was einem Zehntel des Durchmessers eines Wasserstoffatoms gleichkommt. Zudem nutzt das Teleskop spezielle Masken, darunter eine Struktur aus „Siliziumgras“, die einfallende Photonen effektiv einfängt und so verhindert, dass Streulicht die Aufnahmen beeinträchtigt.

Hintergrund und bisheriger Verlauf

Die Entwicklung der Koronagrafie im Weltraum ist kein völlig neues Feld, doch bisherige Ansätze stießen an ihre Grenzen. Sowohl das Hubble-Teleskop als auch das James-Webb-Weltraumteleskop nutzen stationäre Systeme, um Sternenlicht auszublenden. Dieser Prozess wird von Experten mit dem Versuch verglichen, eine Taschenlampe mit dem Daumen abzudecken, um in einem dunklen Raum ein Glühwürmchen zu finden. Zwar wird die Lichtquelle verdeckt, doch Streulicht kann an den Rändern entweichen oder durch Unvollkommenheiten in den Spiegeln und Beschichtungen entstehen. Dies macht kleine Planeten oft unsichtbar oder täuscht ihre Existenz vor. Das Roman-Teleskop geht einen anderen Weg: Es misst vor jeder Beobachtung das Restlicht und unterdrückt es aktiv. Diese Technik, die bisher als unbekannt galt, ist vergleichbar mit einem Kopfhörer, der Umgebungsgeräusche durch Gegenschall neutralisiert. Brandon Creager, leitender technischer Ingenieur am Jet Propulsion Laboratory (JPL) der Nasa, arbeitet bereits seit 2018 an diesem Instrument. Die Vorbereitungen für den Start sind nun abgeschlossen, nachdem das Teleskop erfolgreich im SpaceX-Hangar eingetroffen ist.

Die Beteiligten und ihre Rollen

An dem Projekt sind zahlreiche Wissenschaftler und Institutionen beteiligt. Brandon Creager vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der Nasa betont die Bedeutung des Projekts als Meilenstein für die Suche nach einer „Erde 2.0“. Ilya Poberezhskiy, ebenfalls Systemingenieur am JPL, erläutert die technischen Details der aktiven Wellenfrontkontrolle und die Funktionsweise der Lichtmasken. Auf akademischer Seite ist Javier Viaña von der Harvard-Universität involviert, dessen Projekte für das erste Beobachtungsjahr ausgewählt wurden. Er vergleicht den wissenschaftlichen Fortschritt mit dem Übergang von einer Stichprobe zu einer weltweiten Volkszählung. Meredith MacGregor, Professorin für Astronomie an der Johns Hopkins University, ist ebenfalls Teil des Beobachtungsprogramms. Sie weist darauf hin, dass die schiere Datenmenge eine Herausforderung für die Forschungsgemeinschaft darstellen wird, da die Auswertung der Informationen über Jahrzehnte hinweg andauern könnte. Das Projekt wird zudem durch die Expertise der Nasa Goddard Space Flight Center unterstützt, die für die Entwicklung der Instrumente verantwortlich zeichnen.

Einordnung der wissenschaftlichen Bedeutung

Einzuordnen ist das Vorhaben als ein technologischer Sprung in der direkten Abbildung von Exoplaneten. Bisher fotografierte Exoplaneten waren meist überdimensionale Himmelskörper, die ein Vielfaches der Masse des Jupiters aufwiesen und aufgrund ihrer Restwärme im Infrarotbereich leuchteten. Das Roman-Teleskop hingegen soll in der Lage sein, ein echtes Jupiter-Analogon direkt abzubilden – einen Planeten, der nach Milliarden von Jahren abgekühlt ist und vorwiegend das Licht seines Muttersterns reflektiert. Den Berichten zufolge ermöglicht dies eine Analyse der atmosphärischen Chemie des Planeten. Durch die Untersuchung der verschiedenen Wellenlängen des reflektierten Lichts können Astronomen Rückschlüsse auf die Oberfläche und die potenzielle Lebensfreundlichkeit ziehen. Dies verwandelt einen bloßen Lichtpunkt in eine echte Welt. Die Ergebnisse dieser Mission sollen zudem als Grundlage für das geplante „Habitable Worlds Observatory“ dienen, welches das Licht eines erdähnlichen Planeten von einem 10 Milliarden Mal helleren Stern trennen soll.

Offene Fragen zur Mission

Obwohl die technischen Spezifikationen und die Ziele des Teleskops detailliert beschrieben sind, bleiben einige Punkte offen. Der Quelltext macht keine expliziten Angaben darüber, wie die langfristige Datenverarbeitung konkret organisiert werden soll, abgesehen von der Erwartung, dass die Auswertung Jahrzehnte in Anspruch nehmen wird. Auch die genauen Kosten der Mission werden nicht thematisiert. Zudem bleibt abzuwarten, wie stabil das System unter den realen Bedingungen im Weltraum tatsächlich funktionieren wird, insbesondere wenn sich die Temperaturen während der Manöver aktiv ändern. Die Frage, ob die „Siliziumgras“-Strukturen in der Praxis so effizient arbeiten wie in den Simulationen, wird erst nach den ersten Beobachtungsmonaten abschließend beantwortet werden können. Auch die genaue Auswahl der Zielsterne für die ersten Beobachtungen wird nicht im Detail spezifiziert, ebenso wenig wie die spezifischen Kriterien für die Auswahl der Projekte, die in das erste Beobachtungsjahr aufgenommen wurden.

Wie es weitergeht

Nach dem Start am 30. August 2026 steht zunächst die Inbetriebnahme des Teleskops am Lagrange-Punkt 2 an. In der ersten Phase der Beobachtungen werden Wissenschaftler und Ingenieure prüfen, ob es gelingt, einen Stern präzise im Zentrum der Koronagrafen-Masken zu halten. Ein kritischer Punkt ist dabei die Ausrichtung der Spiegel und das „Graben“ des dunklen Bereichs, in dem die Exoplaneten gesucht werden sollen. Diese Stabilität muss auch bei Bewegungen des Raumfahrzeugs und temperaturbedingten Schwankungen gewährleistet bleiben. Sobald das Instrument einsatzbereit ist, beginnt die eigentliche wissenschaftliche Arbeit. Die Forschenden werden dann damit konfrontiert sein, die riesigen Datenmengen zu verarbeiten, die das Teleskop liefert. Die Ergebnisse dieser ersten Beobachtungsphase werden maßgeblich in die Konzeption des zukünftigen „Habitable Worlds Observatory“ einfließen, das als langfristiges Ziel der Exoplaneten-Forschung gilt. Termine für erste wissenschaftliche Publikationen oder die Veröffentlichung von Bilddaten wurden im vorliegenden Text nicht genannt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/wahrzeichen-fernrohr-fernglas-teleskop-11827206/ · Foto: Michael Goddard
Quelle: https://t3n.de/news/nasa-nancy-grace-roman-teleskop-exoplaneten-entdeckung-1754264/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed