Bürgerbeteiligung bei der Neugestaltung des Euro
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat einen Prozess eingeleitet, der die Gestaltung der künftigen Euro-Banknoten maßgeblich beeinflussen soll. Im Rahmen einer Online-Umfrage sind die Bürgerinnen und Bürger der Eurozone aufgerufen, ihre Präferenzen für das Design der nächsten Generation von Geldscheinen zu äußern. Die EZB hat hierfür zehn verschiedene Entwürfe präsentiert, die von Grafikdesignern entwickelt wurden.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte bei der Vorstellung der Vorschläge den symbolischen Wert der Währung. Banknoten seien weit mehr als bloße Zahlungsmittel; sie gehörten den Menschen, die sie täglich nutzen. Auch Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank, rief dazu auf, sich aktiv an diesem Prozess zu beteiligen. Eine breite Beteiligung sei wichtig, um sicherzustellen, dass die neuen Scheine die Vielfalt und die gemeinsamen Werte Europas authentisch widerspiegeln.
Zwei Themenwelten zur Auswahl
Die Auswahl der Motive basiert auf einer Vorauswahl, die bereits Anfang des vergangenen Jahres getroffen wurde. Die zehn Entwürfe verteilen sich auf zwei inhaltliche Schwerpunkte, für die jeweils fünf Gestaltungsvorschläge vorliegen:
* **Europäische Kultur:** Dieser Themenbereich stellt bedeutende Persönlichkeiten der europäischen Geschichte in den Mittelpunkt. Geplante Motive zeigen unter anderem Ludwig van Beethoven, Marie Curie und Leonardo da Vinci auf der Vorderseite. Die Rückseiten der Scheine widmen sich kulturellen Aspekten wie Straßenkünstlern oder dem Sängerfest.
* **Flüsse und Vögel:** Hier liegt der Fokus auf der natürlichen Vielfalt und der Widerstandskraft der europäischen Ökosysteme. Die Entwürfe zeigen heimische Arten wie den Eisvogel oder den Weißstorch. Auf den Rückseiten dieser Serie sind europäische Institutionen wie das Europäische Parlament, die Europäische Kommission und die EZB selbst abgebildet.
Hintergrund und technische Anforderungen
Der Prozess zur Neugestaltung wurde bereits Ende 2021 angestoßen. Die Entwicklung neuer Banknotenserien ist ein regelmäßiger Vorgang, der primär der Sicherheit dient. Durch den Einsatz innovativer Sicherheitsmerkmale soll es Kriminellen erschwert werden, Fälschungen herzustellen. Bundesbank-Präsident Nagel unterstrich, dass man den Fälschern stets einen Schritt voraus sein wolle.
Neben der Sicherheit verfolgt die EZB weitere strategische Ziele:
* **Nachhaltigkeit:** Die Produktion der Scheine soll umweltfreundlicher gestaltet werden, wobei eine längere Lebensdauer der Banknoten angestrebt wird.
* **Inklusion:** Ein wesentlicher Aspekt ist die verbesserte Erkennbarkeit der Banknoten für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen.
Zeitplan für die Einführung
Die Online-Umfrage läuft noch bis zum 21. September. Sobald die Ergebnisse der Bürgerbefragung vorliegen, wird der EZB-Rat voraussichtlich Ende 2026 eine Entscheidung über das finale Design treffen. Interessierte können sich bis zum Ende der Frist an der Abstimmung beteiligen, um die Gestaltung der gemeinsamen Währung mitzuprägen.
Es ist jedoch zu beachten, dass nach der Auswahl des Designs noch ein längerer Zeitraum bis zur tatsächlichen Ausgabe der neuen Banknoten vergehen wird. Der Euro, der seit dem 1. Januar 2002 als Bargeld im Umlauf ist, hat seitdem bereits eine zweite Generation von Scheinen erhalten, deren Einführung im Mai 2019 abgeschlossen wurde. Während die aktuellen Scheine eher abstrakte Bauwerke zeigen, die in der Realität nicht existieren, markiert die kommende Serie eine Rückkehr zu konkreten, gesellschaftlich relevanten Motiven.