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Ölkonzerne jubeln über Riesengewinne
Schlagzeilen · 04.08.2026 14:46

Ölkonzerne jubeln über Riesengewinne

Kurz: Die Ölbranche verzeichnet infolge des Iran-Kriegs Rekordgewinne. Während Investoren profitieren, leiden Verbraucher unter steigenden Spritpreisen und Inflation.

Rekordbilanzen in der Ölbranche

Die internationale Mineralölindustrie erlebt derzeit eine Phase beispielloser finanzieller Erfolge. Ausgelöst durch den Iran-Krieg und die damit verbundenen Versorgungsengpässe an der Straße von Hormus, sind die Rohölpreise massiv gestiegen. Dies hat für die großen Energiekonzerne zu einer Vervielfachung ihrer Nettogewinne geführt. Der britische Konzern BP meldete für das zweite Quartal einen bereinigten Nettogewinn von rund 5,7 Milliarden Dollar, während der Umsatz um 47 Prozent auf 70,1 Milliarden Dollar zulegte.

Auch die Konkurrenz verzeichnete ähnliche Entwicklungen: Shell konnte seinen Gewinn auf 10,8 Milliarden Dollar verdreifachen, ExxonMobil verdoppelte das Ergebnis auf 14,5 Milliarden Dollar, und Chevron erzielte mit 12,1 Milliarden Dollar sogar eine Verfünffachung des Vorjahreswerts.

Strategiewechsel bei BP

Die hohen Gewinne führen bei BP zu einer strategischen Neuausrichtung. Unter der seit April amtierenden Konzernchefin Meg O'Neill zeichnet sich eine deutliche Abkehr von den bisherigen Investitionen in erneuerbare Energien ab. Ein Beispiel hierfür ist die Einleitung des Verkaufs des US-Biogas-Geschäfts Archaea, das erst 2022 für 4,1 Milliarden Dollar erworben wurde. Diese Entscheidung unterstreicht eine Rückbesinnung auf das fossile Kerngeschäft in Zeiten hoher Marktpreise.

Belastung für Verbraucher und Politik

Während die Bilanzen der Konzerne die Investoren erfreuen, wächst der Druck auf die Endverbraucher. Die Preise für Raffinerieprodukte wie Diesel und Kerosin sind stark gestiegen. In Deutschland hat der ADAC für den Juli einen drastischen Preisanstieg an den Zapfsäulen konstatiert. Kritisch wird dabei angemerkt, dass die Spritpreise selbst dann nicht im gleichen Maße sanken, als der Rohölpreis pro Barrel zeitweise wieder unter die 90-Dollar-Marke fiel.

Das Bundeskartellamt prüft derzeit die Preisgestaltung der Raffinerien. Die Behörde betonte jedoch, dass sie kein Instrument zur direkten staatlichen Preisregulierung darstelle und somit keine unmittelbare Senkung der Kraftstoffpreise herbeiführen könne.

Auch auf politischer Ebene sorgt die Entwicklung für Unmut. US-Präsident Donald Trump äußerte sich kritisch über die hohen Gewinne der Ölindustrie. Da die Spritpreise in den USA um mehr als 37 Prozent gestiegen sind, fürchtet die republikanische Partei negative Auswirkungen auf die anstehenden Kongresswahlen im November.

Inflation und wirtschaftliche Folgen

Die Energiekrise strahlt weit über die Tankstellen hinaus aus. Höhere Transport- und Produktionskosten treiben die allgemeine Inflation an. In Deutschland stieg die Teuerungsrate laut Statistischem Bundesamt im Juli auf 2,8 Prozent. Ökonomen führen dies primär auf das Auslaufen des Tankrabatts und die anhaltenden Auswirkungen des Iran-Kriegs zurück.

Analysten der Investmentgesellschaft PIMCO warnen vor einer dynamischen Lage. Da rund 20 Prozent der weltweiten Ölproduktion aus der betroffenen Region stammen, sei eine Normalisierung der Energieversorgung langfristig zwingend erforderlich. Ohne eine solche Stabilisierung müsse sich die Weltwirtschaft auf dauerhafte Versorgungsrisiken und die damit verbundenen ökonomischen Konsequenzen einstellen. Trotz dieser gesamtwirtschaftlichen Sorgen bleibt die Stimmung an den Aktienmärkten vorerst optimistisch; der DAX markierte zuletzt mit 26.266 Punkten einen neuen Rekordstand.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/frachtschiff-legt-am-hamburger-containerterminal-an-30932273/ · Foto: Wolfgang Weiser
Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/bp-oelkonzerne-oelpreis-gewinn-bilanz-inflation-100.html