Erdbeerchips im Test: Beliebter Snack enttäuscht
Gefriergetrocknete Erdbeerchips gelten bei vielen Konsumenten als gesunde Alternative zu herkömmlichen Süßigkeiten. Doch eine aktuelle Untersuchung von Öko-Test zeichnet ein deutlich kritischeres Bild. Von 21 geprüften Produkten, die häufig gezielt für Kinder vermarktet werden, konnte keines die Bestnote erzielen. Acht der getesteten Artikel fielen sogar komplett durch, während lediglich fünf Bio-Produkte mit einem „gut“ bewertet wurden.
Pestizid-Belastung und Mehrfachrückstände
Ein zentraler Kritikpunkt der Tester ist die Belastung mit Pflanzenschutzmitteln. Mehr als die Hälfte der untersuchten Produkte wies Rückstände verschiedener Pestizide auf. Besonders problematisch bewerten die Experten sogenannte Mehrfachrückstände. Bereits ab zwei verschiedenen Pestizidspuren wertete Öko-Test die Produkte ab, bei 15 oder mehr Rückständen wurde die Note „mangelhaft“ vergeben.
Ein Beispiel für die Problematik ist ein Produkt aus China, bei dem bis zu 34 verschiedene Pestizidspuren nachgewiesen wurden. Obwohl die Hersteller argumentieren, dass die gesetzlichen Grenzwerte bei einer Umrechnung auf das Frischgewicht eingehalten werden, betonen die Tester, dass für den Verbraucherschutz die Konzentration im Endprodukt entscheidend sei. Besonders bedenkliche Stoffe wie das als krebsverdächtig geltende Captan oder das hormonell wirksame Cyprodinil führten zu weiteren Abwertungen.
Zuckergehalt und Nährwerte
Neben den Schadstoffen steht der Zuckergehalt in der Kritik. Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Trockenobst einen Richtwert von 12,5 Prozent Zucker vorsieht, liegen die Erdbeerchips im Test meist bei etwa 50 Prozent. Zudem wiesen neun Produkte auf der Verpackung deutlich niedrigere Werte aus, als die Laboranalysen ergaben. Die Hersteller begründen dies mit natürlichen Schwankungen bei Reifegrad und Sorte, doch Öko-Test sieht hier eine notwendige Nachbesserung bei der Kennzeichnungspflicht.
Auch der Mythos, dass beim Gefriertrocknen alle Vitamine erhalten bleiben, wurde durch die Untersuchung relativiert. Im Vergleich zu frischen Erdbeeren wiesen die gefriergetrockneten Varianten einen deutlich geringeren Vitamin-C-Gehalt auf.
Schwermetallbelastung durch Böden
Ein weiteres Gesundheitsrisiko stellt das Schwermetall Cadmium dar, das in fünf Bio-Produkten gefunden wurde. Cadmium gelangt über belastete Böden in die Früchte und reichert sich im menschlichen Körper an. Eine langfristige Aufnahme kann laut Experten zu Nieren- und Knochenschäden führen. Öko-Test bewertete Produkte ab, bei denen die Rückrechnung auf das Frischgewicht ergab, dass der gesetzliche Grenzwert für Kleinobst bereits zu mehr als der Hälfte ausgeschöpft war.
Hintergrund und Ausblick
Die Ergebnisse verdeutlichen die Herausforderungen bei der Produktion von global gehandelten Snacks. Der ganzjährige Wunsch der Konsumenten nach Erdbeeren führt zu einer intensiven landwirtschaftlichen Nutzung, die ökologische und gesundheitliche Folgen haben kann. Verbraucher sollten bei der Auswahl von Trockenfrüchten künftig genauer auf die Herkunft und die Deklaration achten. Da die Auswirkungen von Mehrfachrückständen auf die langfristige Gesundheit noch nicht abschließend geklärt sind, bleibt der vorsorgende Verbraucherschutz ein zentraler Aspekt bei der Bewertung solcher Lebensmittel.