News aus aller Welt
Start
Neues Ausbildungsjahr beginnt: Wie KI das Handwerk stärkt
Technik · 31.07.2026 11:12

Neues Ausbildungsjahr beginnt: Wie KI das Handwerk stärkt

Kurz: Das Handwerk verzeichnet einen Anstieg bei den Ausbildungszahlen. Viele junge Menschen setzen auf handwerkliche Berufe, da sie diese als krisensicher vor KI seh

Ein neuer Trend bei der Berufswahl

Mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres zeichnet sich eine bemerkenswerte Entwicklung ab: Das Handwerk gewinnt an Attraktivität. Während in vielen Wirtschaftsbereichen die Sorge vor einer Verdrängung durch Künstliche Intelligenz (KI) wächst, setzen immer mehr junge Menschen auf eine handwerkliche Ausbildung. Die Zahlen des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) bestätigen diesen Trend. In der ersten Jahreshälfte 2026 wurden 67.800 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Dies entspricht einem Zuwachs von fast fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und markiert den höchsten Stand an Neuverträgen seit beinahe einem Jahrzehnt.

Sicherheit vor technologischer Verdrängung

Für viele Berufseinsteiger ist die Entscheidung für das Handwerk eine bewusste Abkehr von digitalen Tätigkeitsfeldern, die als anfällig für eine Automatisierung durch KI gelten. Ein Beispiel ist der angehende Anlagenmechaniker Amin Houri, der nach einem Architekturstudium im Iran bewusst in eine handwerkliche Ausbildung wechselte. Er sieht in der KI eine Bedrohung für klassische Planungsberufe und bewertet das Handwerk als eine sicherere berufliche Perspektive.

Auch der Elektroniker-Azubi Leon Briegert betont die Unersetzbarkeit menschlicher Arbeit. Er verweist darauf, dass jede Baustelle und jede Wohnung individuelle Anforderungen stellt, die eine KI nicht eigenständig lösen kann. Die physische Präsenz und die manuelle Fertigkeit bleiben essenzielle Bestandteile, die nicht durch Algorithmen ersetzt werden können.

KI als Werkzeug, nicht als Konkurrenz

In der Praxis der Betriebe hat die Künstliche Intelligenz längst Einzug gehalten, allerdings in einer unterstützenden Rolle. Thomas Haun, Geschäftsführer der Haun Heizung und Sanitär GmbH, verdeutlicht, dass die Anforderungen an Auszubildende durch die Digitalisierung gestiegen sind. Aufgaben wie die Berechnung von Heizlasten erfolgen heute direkt auf dem Smartphone.

Die KI übernimmt dabei vermehrt administrative Aufgaben, die früher in Ingenieurbüros oder durch zeitaufwendige manuelle Arbeit erledigt wurden:

* Automatisierte Kundenbetreuung

* Erstellung von Bautagebüchern

* Verfassung von Montageberichten

* Simulation von Ergebnissen (z. B. Haarschnitte im Friseurhandwerk)

* Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten

Entlastung bei Fachkräftemangel

Jörg Dittrich, Präsident des ZDH, sieht in der KI eine große Chance, um den demografischen Wandel und den damit verbundenen Fachkräftemangel abzufedern. Da in der Branche Hunderttausende Fachkräfte fehlen, dient die Automatisierung dazu, die sogenannten umliegenden Tätigkeiten effizienter zu gestalten. Die Sorge, dass Roboter oder KI-Systeme den Menschen auf der Baustelle ersetzen könnten, hält der Verbandspräsident für unbegründet. Vielmehr helfe die Technologie dabei, die Arbeitsprozesse zu unterstützen und die Attraktivität der Berufe durch modernere Arbeitsweisen zu steigern.

Gesellschaftliche Wahrnehmung der KI

Die Trendstudie "Jugend in Deutschland 2026", an der die Universität Potsdam beteiligt war, untermauert die veränderte Einstellung der jungen Generation. Über die Hälfte der befragten Jugendlichen geht davon aus, dass KI die Arbeitswelt radikal verändern wird, wobei insbesondere einfache Tätigkeiten als gefährdet gelten. Diese Einschätzung scheint junge Menschen dazu zu bewegen, Berufe zu ergreifen, die auf komplexen, physischen Interaktionen basieren.

Obwohl die Digitalisierung im Handwerk – etwa durch die Nutzung von Faxgeräten in einigen Betrieben – noch Nachholbedarf aufweist, zeigt die aktuelle Entwicklung, dass die Branche technologisch aufrüstet. Die Kombination aus traditioneller Handfertigkeit und moderner digitaler Assistenz scheint für viele Schulabgänger ein zukunftsfähiges Modell zu sein, das Stabilität und technologischen Fortschritt miteinander verbindet.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/person-die-am-schreibtisch-mit-digitaler-stickerei-beschaftigt-ist-30695579/ · Foto: Josh Eleazar
Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/handwerk-kuenstliche-intelligenz-100.html