News aus aller Welt
Start
Neuer INvestor: Steidl Verlag vorerst gerettet?
Schlagzeilen · 25.07.2026 16:14

Neuer INvestor: Steidl Verlag vorerst gerettet?

Kurz: Der Göttinger Steidl Verlag hat das vorläufige Insolvenzverfahren hinter sich gelassen. Verlagschef Gerhard Steidl sieht das Unternehmen auf einem guten Weg.

Ein Aufatmen in Göttingen

Der renommierte Steidl Verlag aus Göttingen hat eine kritische Phase überstanden. Wie das Amtsgericht Göttingen bekannt gab, wurde das vorläufige Insolvenzverfahren, das erst Anfang Juli eröffnet worden war, offiziell beendet. Die Gläubiger haben bestätigt, dass sämtliche offenen Forderungen beglichen wurden, was den Weg für eine Fortführung des Geschäftsbetriebs ebnet.

Hintergründe der finanziellen Schieflage

Verlagschef Gerhard Steidl ordnete die Ereignisse der vergangenen Wochen ein. Nach seinen Angaben waren es primär Mahnbescheide von zwei Krankenversicherungen über vergleichsweise geringe Beträge, die das Verfahren ausgelöst hatten. Dennoch verdeutlichte dieser Vorfall die angespannte wirtschaftliche Gesamtlage, in der sich viele Akteure der Verlagsbranche derzeit befinden.

Steidl verwies in diesem Zusammenhang auf externe Belastungsfaktoren, die das internationale Geschäft erschweren. Dazu zählen unter anderem US-amerikanische Zölle sowie restriktive Maßnahmen durch die Zensurbehörden in China, die den Absatz und die Planungssicherheit beeinträchtigen. Trotz dieser Herausforderungen betonte der Verleger, dass sich sein Unternehmen nun wieder auf einem sehr guten Kurs befinde.

Arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen

Neben den Forderungen der Krankenversicherungen gab es zuletzt auch Unruhe innerhalb der Belegschaft. Der Göttinger Arbeitsrechtler Sascha John, der nach eigenen Angaben den Großteil der Mitarbeiter vertritt, hatte Anfang Juli darauf hingewiesen, dass noch mehrere Klagen aufgrund von ausstehenden oder verspäteten Gehaltszahlungen anhängig waren. Mit der Begleichung der Forderungen und der Beendigung des vorläufigen Verfahrens dürfte nun eine Phase der Stabilisierung für die Angestellten folgen.

Ende der Zusammenarbeit mit der Grass-Stiftung

Ein weiterer Einschnitt in der jüngeren Verlagsgeschichte ist der Verlust der Rechte am Werk von Günter Grass. Seit 1993 hielt der Verlag die weltweiten Rechte, doch die Günter und Ute Grass Stiftung beendete diese Kooperation im Mai dieses Jahres. Als Grund nannte eine Sprecherin der Stiftung wiederholte Zahlungsrückstände seitens des Verlags.

Gerhard Steidl räumte ein, dass es nach dem Tod von Günter und Ute Grass zu einer Entfremdung zwischen ihm und der Stiftung gekommen sei. Er ordnete den wirtschaftlichen Verlust jedoch als überschaubar ein: Die Umsätze, die durch die Grass-Titel generiert wurden, machten zuletzt nur noch einen Anteil von etwa zwei Prozent am Gesamtumsatz des Verlags aus.

Ausblick: Strategische Neuausrichtung

Um die Zukunft des Hauses langfristig zu sichern, setzt der Verlag auf eine neue strategische Partnerschaft. Wie Steidl mitteilte, befinden sich die Verhandlungen mit einem Schweizer Investor in der finalen Phase. Ein Abschluss der Vereinbarung stehe unmittelbar bevor. Mit diesem neuen Kapitalgeber im Rücken soll der Verlag, der international vor allem für seine Fotobücher bekannt ist, wieder in ruhigeres Fahrwasser gelangen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/geschaft-business-dokument-papier-7873561/ · Foto: Leeloo The First
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/sachbuch/steidl-verlag-verlaesst-das-vorlaeufige-insolvenzverfahren-accg-201064830.html