News aus aller Welt
Start
Netanjahu erteilt US-Plan für Gaza klare Absage
Politik · 09.08.2026 19:04

Netanjahu erteilt US-Plan für Gaza klare Absage

Kurz: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu weist den US-Friedensplan für den Gazastreifen entschieden zurück und fordert eine vollständige Entwaffnung der Ham

Ein deutliches Nein aus Jerusalem

Die diplomatischen Bemühungen um eine Befriedung des Gazastreifens haben einen erheblichen Rückschlag erlitten. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat den von den USA unterstützten 15-Punkte-Friedensplan offiziell abgelehnt. Während die US-Regierung unter Donald Trump das Vorhaben als wegweisenden Meilenstein für die Region bezeichnet, sieht die israelische Führung darin keine tragfähige Grundlage für die Sicherheit des Landes.

Der Kern des Konflikts liegt in der zeitlichen Abfolge der Sicherheitsgarantien. Während der US-Plan eine schrittweise Entwaffnung der Hamas vorsieht, an die sich ein Rückzug der israelischen Streitkräfte anschließen soll, beharrt Netanjahu auf einer strikten Bedingung: Die israelische Armee werde den Gazastreifen erst dann verlassen, wenn die Hamas tatsächlich und vollständig entwaffnet sei. Von einer bloßen „Schein-Entwaffnung“ distanzierte sich der Regierungschef in einer Kabinettssitzung ausdrücklich.

Die unterschiedlichen Positionen

Der US-Vorschlag sieht vor, dass die islamistische Miliz ihre Waffen schrittweise abgibt. Im Anschluss daran sollen internationale Stabilisierungskräfte sowie eine neu formierte palästinensische Polizei die Kontrolle übernehmen. Die Hamas hat ihrerseits ihre Bereitschaft zu einer Entwaffnung zwar grundsätzlich signalisiert, knüpft diese jedoch an den vorzeitigen Abzug der israelischen Truppen. Diese gegensätzlichen Forderungen blockieren derzeit jeden Fortschritt.

Netanjahu begründet seine Haltung mit der anhaltenden militärischen Kapazität der Hamas, die nach seiner Einschätzung weiterhin in der Lage sei, Angriffe auf israelisches Staatsgebiet und die dortigen Streitkräfte auszuführen. Er betonte, dass Israel zwar im Austausch mit Washington stehe, aber in Sicherheitsfragen standhaft bleiben werde, auch wenn einige US-Vorschläge als akzeptabel eingestuft würden.

Innenpolitischer Druck und strategische Herausforderungen

Die Ablehnung des US-Plans findet vor dem Hintergrund einer angespannten innenpolitischen Lage in Israel statt. In etwa zweieinhalb Monaten stehen Parlamentswahlen an, bei denen die Likud-Partei des Ministerpräsidenten in aktuellen Umfragen hinter der Opposition liegt. Netanjahu sieht sich zudem mit dem Vorwurf konfrontiert, seine politische Agenda zu stark an den Vorgaben aus Washington auszurichten, was in Teilen der israelischen Öffentlichkeit auf Widerstand stößt.

Besonders kritisch ist die Haltung seiner eigenen Wählerbasis. Große Teile der rechten Wählerschaft sowie rechtsextreme Kabinettsmitglieder lehnen den 15-Punkte-Plan entschieden ab und drängen auf eine formelle Abstimmung, um das Vorhaben endgültig zu Fall zu bringen. Diese Dynamik schränkt den Spielraum für diplomatische Kompromisse erheblich ein.

Internationale Reaktionen und die Rolle der Vermittler

Auch auf internationaler Ebene wächst die Sorge vor einer weiteren Eskalation. Ägypten, das als Vermittler fungiert, hat beide Konfliktparteien eindringlich dazu aufgerufen, ihre eingegangenen Verpflichtungen einzuhalten. Der ägyptische Außenminister Badr Abdelatty warnte davor, die bisher mühsam erzielten Fortschritte durch ein Scheitern des Prozesses aufs Spiel zu setzen. Auch innerhalb des von Trump initiierten „Friedensrates“ gibt es Stimmen, die das Ziel einer vollständigen Entwaffnung der Hamas als unrealistisch einstufen.

Die Hamas hat unterdessen die USA und die Vermittler dazu aufgefordert, den Druck auf Netanjahu zu erhöhen. Ein Sprecher der Organisation warf der israelischen Regierung vor, den Friedensprozess aus rein wahlkampftaktischen Gründen zu blockieren. Während die diplomatischen Gespräche hinter den Kulissen weitergehen, bleibt die Lage vor Ort für die palästinensische Bevölkerung durch die fortgesetzten militärischen Aktionen Israels weiterhin katastrophal. Die nächsten Schritte hängen nun davon ab, ob Washington bereit ist, den Druck auf Jerusalem zu erhöhen, oder ob die israelische Regierung an ihrem harten Kurs gegen den US-Plan festhält.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/kriegsgeschadigte-strassen-von-damaskus-syrien-36798299/ · Foto: Baraa Obied
Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/ausland/israel-netanjahu-gaza-plan-absage-100.html