Ungewissheit in Brachttal: Wenn der Garten zum Suchgebiet wird
In der Gemeinde Brachttal im Main-Kinzig-Kreis herrscht derzeit eine angespannte Stimmung. Auslöser ist das Verschwinden einer Würgeschlange, die vermutlich aus einer Nachbarwohnung entkommen ist. Die Sorge der Anwohner wuchs, nachdem auf einem privaten Grundstück eine Schlangenhaut entdeckt wurde, die Experten zufolge höchstwahrscheinlich von einem Königspython stammt.
Für Jessica Riemenschneider, auf deren Grundstück der Fund gemacht wurde, hat sich der Alltag im eigenen Garten verändert. Ein mulmiges Gefühl begleitet sie bei jedem Gang nach draußen, besonders da sich in unmittelbarer Nähe ein Spielplatz befindet und die Familie zudem Kleintiere wie Hühner und Kaninchen hält. Die Ungewissheit darüber, wo sich das Tier derzeit aufhält, sorgt für eine erhöhte Wachsamkeit in der gesamten Nachbarschaft.
Der Weg in die Freiheit: Wie konnte das Tier entkommen?
Die Halterin der Schlange, Ayleen Schmitt, vermisst das Tier namens „Buddy“ bereits seit mehreren Wochen. Wie es dem Python gelang, aus der Erdgeschosswohnung zu entwischen, bleibt für sie bislang ein Rätsel. Nach einer mehrtägigen Abwesenheit stellte sie das Fehlen des Tieres fest. Als mögliche Fluchtroute zieht die Halterin ein gekipptes Badezimmerfenster in Betracht.
Die Halterin selbst versucht, die Wogen in der Nachbarschaft zu glätten. Sie betont, dass von dem Tier keine akute Bedrohung für Menschen oder Haustiere ausgehe. Da der Python ausschließlich an Frostfutter gewöhnt sei, halte sie es für unwahrscheinlich, dass das Tier in der freien Natur aktiv auf die Jagd nach lebenden Tieren gehe.
Einschätzung der Experten: Gefahr für Kleintiere?
Dennis Jenschke, Experte vom Frankfurter Zoo, ordnet die Situation differenzierter ein. Zwar bestätigt er, dass ein Königspython für den Menschen in der Regel nicht gefährlich ist, da das Tier nicht giftig ist. Dennoch warnt er vor einer Unterschätzung der körperlichen Kraft der Schlange. Die Tiere besitzen eine beachtliche Druckkraft, mit der sie ihre Beute erdrosseln können.
Bezüglich der Sorge um Haustiere gibt Jenschke eine teilweise Entwarnung: Katzen und Kaninchen passen laut dem Experten nicht in das typische Beutespektrum eines Königspythons. Anders verhält es sich jedoch bei kleineren Nagetieren. Ratten und Tiere in dieser Größenordnung könnten durchaus als Beute in Betracht kommen, was für Besitzer von Nagetieren eine relevante Information darstellt.
Vorsicht bei einer möglichen Sichtung
Die Polizei stuft einen Fund einer heimischen Schlangenart in dieser Größe und mit dieser spezifischen Musterung als unwahrscheinlich ein, was den Verdacht auf den entflohenen Königspython erhärtet. Die Behörden und Experten raten dazu, bei einer Entdeckung des Tieres keinesfalls selbst einzugreifen. Die Schlange sollte nicht angefasst werden; stattdessen ist es ratsam, Abstand zu halten und umgehend die Polizei zu verständigen.
Um das Tier ausfindig zu machen, greifen die betroffenen Anwohner nun zu technischen Hilfsmitteln. Familie Riemenschneider hat sich eine Wärmebildkamera geliehen, um das Gelände systematisch abzusuchen. Ob sich Buddy noch in der Nähe des Fundortes der Haut aufhält oder bereits weitergezogen ist, bleibt offen. Die Suche verdeutlicht jedoch, wie sehr der Vorfall den Alltag der Anwohner in Brachttal derzeit bestimmt.