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Nach Anschlag auf CSD Berlin: Wie sicher sind Pride-Paraden in Hessen?
Regional · 28.07.2026 11:06

Nach Anschlag auf CSD Berlin: Wie sicher sind Pride-Paraden in Hessen?

Kurz: Nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin wächst die Sorge bei queeren Menschen. Wie ist die Sicherheitslage bei Pride-Paraden in Hessen?

Sicherheit bei Pride-Paraden in Hessen

Der Christopher Street Day (CSD) steht für Sichtbarkeit, politische Teilhabe und ein sicheres Umfeld für die queere Community. Doch nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag in Berlin, bei dem ein Mensch getötet und mehrere Personen verletzt wurden, hat sich das Sicherheitsgefühl vieler Teilnehmer verändert. Auch in Hessen stehen in den kommenden Wochen zahlreiche Pride-Veranstaltungen an, was die Frage nach dem Schutz dieser Großveranstaltungen in den Fokus rückt.

Einschätzung der Sicherheitsbehörden

Das hessische Innenministerium unter Leitung von Roman Poseck (CDU) betont, dass aktuell keine konkreten Hinweise auf eine Gefährdung der anstehenden CSD-Umzüge in Hessen vorliegen. Eine generelle Verschärfung der Sicherheitskonzepte ist daher derzeit nicht geplant. Dennoch wurden alle Polizeipräsidien sensibilisiert, bei öffentlichen Großveranstaltungen erhöhte Aufmerksamkeit walten zu lassen. Poseck unterstrich dabei die Schutzfunktion der Polizei für queeres Leben.

Vor Ort zeigt sich ein Bild der Kooperation. In Schlüchtern, wo am kommenden Wochenende ein CSD stattfindet, berichten Mitorganisatoren von einem engen und vertrauensvollen Austausch mit den lokalen Ordnungsbehörden und der Polizei, was zu einem Gefühl der Sicherheit beitrage.

Die Bedrohungslage durch islamistische Gefährder

Die Debatte über die Sicherheit wird durch die Präsenz islamistischer Gefährder in Hessen verschärft. Nach Angaben des Innenministeriums werden derzeit etwa 20 Personen als Gefährder eingestuft, denen die Sicherheitsbehörden jederzeit schwere Gewalttaten zutrauen.

Der Umgang mit diesem Personenkreis gestaltet sich komplex:

* **Rechtliche Maßnahmen:** Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit werden ausgewiesen und erhalten Einreise- sowie Aufenthaltsverbote. Ein Teil der Gefährder befindet sich in Abschiebe- oder Untersuchungshaft.

* **Überwachung:** Bei Gefährdern mit deutschem Pass setzen die Behörden auf intensive Beobachtung. Hierbei kommen moderne Mittel wie elektronische Fußfesseln und Künstliche Intelligenz bei Überwachungskameras zum Einsatz.

* **Personelle Grenzen:** Trotz der technischen Möglichkeiten weist die Deutsche Polizeigewerkschaft Hessen darauf hin, dass eine lückenlose Überwachung aller Gefährder aufgrund des hohen Personalbedarfs kaum möglich ist. Die Kontrolle erfolge oft nur sporadisch.

Prävention und politische Debatten

Neben repressiven Maßnahmen setzt Hessen auf Deradikalisierung. Mit jährlich über einer Million Euro fördert das Land Beratungsangebote, darunter das Violence Prevention Network. Dieses unterstützt Ausstiegswillige aus der islamistisch-salafistischen Szene. Experten betonen jedoch, dass eine Deradikalisierung an ihre Grenzen stößt, wenn die betroffenen Personen nicht zugänglich sind. In solchen Fällen liege die Verantwortung allein bei den Sicherheitsbehörden.

Der Berliner Anschlag hat zudem eine politische Diskussion über das Jugendstrafrecht ausgelöst. Da der mutmaßliche Täter trotz einer Vorstrafe wegen staatsgefährdender Gewalttaten auf freiem Fuß war, fordern Politiker wie Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Hessens Innenminister Poseck strengere Regeln, um zu verhindern, dass bekannte Gefährder von Bewährungsregelungen profitieren.

Zunahme queerfeindlicher Straftaten

Die Sorge der queeren Community speist sich nicht allein aus der islamistischen Gefahr. Im vergangenen Jahr wurden in Hessen 141 queerfeindliche Straftaten registriert – ein historischer Höchststand. Seit 2022 hat sich die Fallzahl mehr als vervierfacht. Das Demokratiezentrum Hessen warnt, dass Queerfeindlichkeit kein Randphänomen mehr sei.

Neben persönlichen Anfeindungen beobachten die Behörden eine zunehmende politische Mobilisierung gegen CSD-Veranstaltungen, unter anderem durch rechtsextreme Gruppierungen. Da viele Betroffene aus Sorge vor fehlender Anerkennung durch die Polizei keine Anzeige erstatten, gehen Fachstellen von einer erheblichen Dunkelziffer aus.

Geplante Pride-Termine in Hessen

Die kommenden Veranstaltungen finden in verschiedenen Städten statt:

* **1. August:** Schlüchtern

* **15. August:** Darmstadt, Eschwege

* **22. August:** Bensheim, Bad Hersfeld, Friedberg

* **29. August:** Fulda, Groß-Gerau

* **5. September:** Michelstadt

* **19. September:** Offenbach

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/tourist-im-reichstagsgebaude-in-berlin-30071430/ · Foto: Hamdi Kılınç
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-nach-anschlag-auf-berliner-csd-wie-sicher-sind-pride-paraden-in-hessen-100.html