Ein historischer Triumph in Montreal
Am 31. Juli 1976 erreichte der DDR-Fußball seinen Zenit. Während Vereine wie der 1. FC Magdeburg oder Dynamo Dresden in den 1970er Jahren international für Aufsehen sorgten, gelang der Nationalmannschaft in Kanada der wohl bedeutendste Coup der ostdeutschen Fußballgeschichte. Mit dem Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Sommerspielen in Montreal schrieb das Team um Trainer Georg Buschner Sportgeschichte – bis heute ist es der einzige Olympiasieg einer deutschen Männer-Auswahl im Fußball.
Vom „Anschiss“ zum Goldrausch
Der Weg zum Titel war jedoch von hohem Druck geprägt. Nach einem torlosen Remis zum Auftakt gegen Brasilien sah sich die Mannschaft massiver Kritik ausgesetzt. Manfred Ewald, der damalige DDR-Sportverbandschef, soll das Team und den Trainerstab laut Berichten scharf angegriffen haben. Die Spieler wurden als „Schande der Nation“ bezeichnet, und es fielen Drohungen, man hätte sie mit der nächsten Maschine nach Hause schicken sollen.
Trainer Georg Buschner reagierte auf den Wutausbruch mit bemerkenswerter Gelassenheit. Anstatt sich von der Kritik lähmen zu lassen, forderte er seine Spieler auf, den Zusammenhalt zu stärken. Diese Reaktion markierte einen Wendepunkt: Die Mannschaft wandelte den Druck in sportliche Energie um.
Der Weg ins Finale
Nach dem holprigen Start zeigte das Team eine beeindruckende Leistungssteigerung. Siege gegen Spanien (1:0) und Frankreich (4:0) – letzteres Team angeführt vom späteren Weltstar Michel Platini – ebneten den Weg. Im Halbfinale setzte sich die DDR-Auswahl gegen die Sowjetunion mit 2:1 durch. Mit einer Bilanz von 7:1 Toren zog die Mannschaft ungeschlagen in das Endspiel ein.
Eine Demonstration im Finale
Das Finale gegen den Titelverteidiger Polen vor 72.000 Zuschauern gilt als eine der besten Leistungen in der Geschichte der DDR-Auswahl. Bereits nach 14 Minuten führte das Team durch Tore von Hartmut Schade und Martin Hoffmann mit 2:0. Trotz des Anschlusstreffers von Grzegorz Lato in der zweiten Halbzeit blieb die Defensive stabil. Torwart Jürgen Croy, der als „Granate“ beschrieben wurde, vereitelte zahlreiche Chancen der Polen. Reinhard Häfner sorgte in der 84. Minute mit dem Treffer zum 3:1 für die Entscheidung.
Ein besonderes Kapitel der Sportgeschichte
Der Stellenwert dieses Erfolgs wird auch heute noch diskutiert. Da bis 1988 bei Olympia lediglich Amateurfußballer zugelassen waren – wobei die Spieler aus dem Ostblock als sogenannte Staatsamateure unter Profibedingungen trainierten –, ist der Titel nicht direkt mit einer Welt- oder Europameisterschaft vergleichbar. Dennoch bleibt der Sieg eine außergewöhnliche Leistung.
Die Bedeutung des Erfolgs spiegelte sich auch in der Reaktion der Offiziellen wider: Nach dem Sieg war von der anfänglichen Kritik keine Rede mehr. Selbst Sportboss Ewald erkannte die historische Tragweite des Erfolgs an, als er den Fußball in einem Atemzug mit der Goldmedaille des Marathonläufers Waldemar Cierpinski nannte.
Die Gold-Mannschaft von 1976
Der Erfolg basierte auf einem starken Kollektiv, das maßgeblich von Spielern der DDR-Spitzenclubs geprägt war. Zum Kader gehörten unter anderem:
* **Tor:** Jürgen Croy, Hans-Ulrich Grapenthin
* **Abwehr:** Bernd Bransch, Hans-Jürgen Dörner, Wilfried Gröbner, Gerd Kische, Lothar Kurbjuweit, Konrad Weise
* **Mittelfeld/Angriff:** Reinhard Häfner, Reinhard Lauck, Hartmut Schade, Gerd Weber, Gert Heidler, Martin Hoffmann, Wolfram Löwe, Dieter Riedel, Hans-Jürgen Riediger
Der Zusammenhalt, der nach der anfänglichen Kritik beschworen wurde, trug die Mannschaft durch das gesamte Turnier und sicherte ihr einen festen Platz in den Geschichtsbüchern des Sports.