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Milliardenlast für Europas Netze: Der teure Abschied von Huawei und ZTE
Technik · 23.07.2026 16:17

Milliardenlast für Europas Netze: Der teure Abschied von Huawei und ZTE

Kurz: Ein geplantes EU-Verbot für Huawei und ZTE könnte europäische Netzbetreiber bis zu 40 Milliarden Euro kosten. Experten warnen vor massiven Investitionslücken.

Ein milliardenschweres Sicherheitsrisiko für Europas Infrastruktur

Die Europäische Union plant im Rahmen einer Novelle des EU Cybersecurity Act (CSA2) strengere Vorgaben für die Cybersicherheit. Im Zentrum stehen dabei Netzkomponenten von Herstellern, die als Hochrisiko-Anbieter eingestuft werden. Dies betrifft in erster Linie die chinesischen Unternehmen Huawei und ZTE. Während Brüssel die Kosten für einen Austausch der betroffenen Technik auf 10 bis 13 Milliarden Euro schätzt, zeichnet eine aktuelle Studie der GSMA ein deutlich düstereres Bild.

Massive Diskrepanz bei den Kostenprognosen

Die von GSMA Intelligence erstellte Analyse wurde durch sieben führende europäische Netzbetreiber in Auftrag gegeben, darunter die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die direkten Kosten für den Austausch der Infrastruktur zwischen 30 und 40 Milliarden Euro liegen könnten – das Vierfache der offiziellen Schätzungen der EU-Kommission.

Die Kosten verteilen sich dabei auf verschiedene technologische Bereiche:

* **Mobilfunk:** Der Austausch von Basisstationen und Kernnetzkomponenten schlägt mit 16 bis 22 Milliarden Euro zu Buche.

* **Transportnetze:** Für den Ersatz von optischen Schaltern und Richtfunktechnik werden 9 bis 12 Milliarden Euro veranschlagt.

* **Festnetze:** Hier werden Kosten von bis zu 5 Milliarden Euro erwartet.

Methodische Kritik und die Rolle der Zeitvorgaben

Die hohen Zahlen der GSMA-Studie sind Gegenstand einer fachlichen Debatte. Kritiker wie Hosuk Lee-Makiyama, Direktor der Denkfabrik ECIPE, bemängeln, dass es sich bei den genannten Beträgen um Bruttowerte handele. Würde man die ohnehin anfallenden Kosten für reguläre Wartungs- und Modernisierungszyklen abziehen, käme man laut Lee-Makiyama zu Ergebnissen, die sich mit den Schätzungen der Kommission decken würden.

Die Studienautoren halten dagegen, dass der politische Zeitplan der EU-Kommission einen Ausstieg innerhalb von nur drei Jahren vorsieht. Dieser Rahmen sei zu eng, um einen geordneten Austausch entlang der natürlichen Lebenszyklen der Hardware zu ermöglichen. Die Unternehmen seien gezwungen, funktionstüchtige Technik vorzeitig zu entsorgen, was den massiven Investitionsbedarf erst auslöse.

Langfristige Folgen für den Wettbewerb

Neben den unmittelbaren Umrüstungskosten warnen die Netzbetreiber vor einer dauerhaften Verteuerung. Durch den Ausschluss wichtiger Anbieter verringert sich die Auswahl auf dem Markt. Dies könnte zu einer stärkeren Marktkonzentration führen, die laut GSMA-Prognosen die Preise für Mobilfunkausrüstung um etwa 24 Prozent, für Festnetztechnik um 19 Prozent und für Transportnetze um 10 Prozent in die Höhe treiben könnte. Bis 2035 könnte dies die Branche mit weiteren 24 Milliarden Euro belasten.

Operative Risiken und ökologische Bedenken

Die Netzbetreiber weisen zudem auf erhebliche operative Gefahren hin. Ein überstürzter Austausch könnte zu Engpässen bei Dienstleistern führen, was die Stabilität der europäischen Netze gefährden könnte. Auch ökologische Aspekte spielen eine Rolle: Die Entsorgung großer Mengen funktionierender Hardware sowie die potenzielle geringere Energieeffizienz von Ersatzsystemen werden kritisch gesehen.

Auswirkungen auf die digitale Wettbewerbsfähigkeit

Die finanzielle Belastung trifft die Branche in einer Phase, in der ohnehin eine Investitionslücke von rund 205 Milliarden Euro besteht, um die EU-Digitalisierungsziele für 2030 zu erreichen. Sollten zweistellige Milliardenbeträge in den vorgezogenen Austausch der Infrastruktur fließen, befürchten Experten eine Verzögerung beim Glasfaserausbau und bei der 5G-Standalone-Technologie. Damit könnte das Ziel, die digitale Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken, in weite Ferne rücken.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/person-die-macbook-pro-verwendet-574077/ · Foto: Lukas Blazek
Quelle: https://www.heise.de/news/Milliardenlast-fuer-Europas-Netze-Der-teure-Abschied-von-Huawei-und-ZTE-11376401.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag