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Milliarden-Investitionen: Oracle und die riskanteste Wette der KI-Branche
Technik · 30.07.2026 08:22

Milliarden-Investitionen: Oracle und die riskanteste Wette der KI-Branche

Kurz: Oracle setzt Milliarden auf KI-Rechenzentren in Partnerschaft mit OpenAI. Doch Verzögerungen und finanzielle Risiken lassen Experten an der Strategie zweifeln.

Eine riskante Wette auf die KI-Zukunft

Oracle, lange Zeit als einer der großen Profiteure des KI-Booms gefeiert, sieht sich zunehmend mit kritischen Warnsignalen konfrontiert. Während das Unternehmen massiv in den Ausbau von Rechenzentren und Hardware investiert, mehren sich die Zweifel an der Rentabilität dieser Strategie. Die S&P-Herabstufung auf BBB- sowie Warnungen von Marktanalysten unterstreichen die wachsende Skepsis gegenüber der milliardenschweren KI-Offensive des IT-Konzerns.

Der Kern der Problematik liegt in einer einseitigen Abhängigkeit: Oracle hat sich auf Jahrzehnte verpflichtet, Rechenkapazitäten bereitzustellen, in der festen Erwartung, dass OpenAI diese über einen langen Zeitraum hinweg vollständig auslastet. Sollte diese Annahme nicht eintreten, drohen dem Unternehmen aufgrund der hohen Verschuldung für den Infrastrukturausbau weitreichende finanzielle Konsequenzen.

Das Stargate-Projekt unter Druck

Im Zentrum der Kritik steht das sogenannte Stargate-Programm. In dieser Kooperation zwischen OpenAI, Softbank, Oracle und der Investmentfirma MGX sollen Hunderte Milliarden US-Dollar in den Aufbau gigantischer Rechenzentren fließen. Ein prominentes Beispiel ist der Standort Abilene in Texas. Hier ist ein Rechenzentrum geplant, das im Endausbau eine Leistung von über einem Gigawatt verbrauchen soll – eine Energiemenge, die dem Bedarf von etwa 750.000 US-Haushalten entspricht.

Doch die Realität hinkt den ambitionierten Plänen weit hinterher. Ursprünglich für 2024 oder 2025 vorgesehen, zeigen aktuelle Beobachtungen, dass der Bau nur schleppend vorankommt. Analysten wie der KI-Kritiker Ed Zitron bezweifeln sogar, dass bis zum Jahr 2029 ein einziges Rechenzentrum dieser Größenordnung vollständig einsatzbereit sein wird. Die Diskrepanz zwischen angekündigter Kapazität und tatsächlichem Fortschritt wirft ein Schlaglicht auf die intransparente Kommunikation der gesamten Branche.

Intransparenz bei der Leistungsfähigkeit

Die Beurteilung der tatsächlichen KI-Rechenleistung gestaltet sich für Außenstehende als äußerst schwierig. Betreiber halten sich mit konkreten Zahlen oft zurück, was Experten dazu zwingt, auf alternative Methoden der Aufklärung zurückzugreifen. Dazu gehören Satellitenbilder, Wärmekameras oder die Analyse von Infrastrukturdaten wie Stromleitungen, Wasserverbrauch und Abwärme.

Ein Beispiel für diese Diskrepanz zeigte sich im Januar 2026 in Tennessee: Während Google dort eine Kapazität von über einem Gigawatt angab, deuten Recherchen darauf hin, dass tatsächlich lediglich 350 Megawatt in Betrieb waren. Weltweit gibt es nach bisherigen Erkenntnissen vermutlich weniger als zehn große KI-Rechenzentren, die in einem einzelnen Gebäude mehr als 200 Megawatt Leistung erbringen. Die Branche befindet sich damit in einer Phase, in der viele Projekte zwar angekündigt oder im Bau sind, ihre tatsächliche Leistungsfähigkeit jedoch noch unter Beweis stellen müssen.

Systemische Risiken für die Wirtschaft

Die aktuelle Lage wird von Finanzexperten als eine der wackeligsten Karten im sogenannten KI-Kartenhaus bezeichnet. Die Verflechtungen zwischen Oracle, OpenAI und anderen Akteuren könnten bei einem Scheitern der KI-Wette zu einem systemischen Risiko werden. Da Oracle sich auf Jahrzehnte festgelegt hat und die Projekte mit massiven Schulden finanziert, ist der Spielraum für Fehler gering.

Zusätzlich zum Druck auf die Infrastrukturbetreiber zeigt sich an den Börsen eine erhöhte Volatilität bei Unternehmen, die stark auf KI setzen. Ob OpenAI oder andere Akteure ihre Börsengänge erfolgreich gestalten können, bleibt angesichts der unsicheren Marktlage fraglich. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die massiven Investitionen in die zentrale KI-Infrastruktur Früchte tragen oder ob sich der Trend in Richtung effizienterer, dezentraler Edge-Lösungen verschiebt, die weniger kapitalintensiv sind.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/hande-laptop-arbeiten-computer-6771432/ · Foto: Alesia Kozik
Quelle: https://www.golem.de/news/milliarden-investitionen-oracle-und-die-riskanteste-wette-der-ki-branche-2607-211411.html