Ein Neuanfang für eine VR-Ikone
Die Welt der Social-Virtual-Reality erlebt eine überraschende Wendung: Die Plattform AltspaceVR, die lange Zeit als Pionier in diesem Bereich galt, kehrt zurück. Nachdem Microsoft den Dienst im Jahr 2023 im Zuge von Umstrukturierungen eingestellt hatte, sicherte sich nun Shane Harris, bekannt als Gründer der alternativen App-Plattform SideQuest, die Namensrechte. Ziel ist es, noch in diesem Jahr einen Nachfolger zu etablieren, der die Tradition des Originals fortführt.
Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass es sich hierbei nicht um eine bloße Wiederinbetriebnahme der alten Microsoft-Software handelt. Harris spricht explizit von einem „spirituellen Nachfolger“. Das Projekt wird von Grund auf neu entwickelt, um den Anforderungen eines modernen Publikums gerecht zu werden. Zum Start soll die Plattform einen Funktionsumfang bieten, der sich an der Ära von 2016 bis 2017 orientiert – einer Zeit, in der AltspaceVR seine größte Relevanz als Treffpunkt für Comedy-Shows, Seminare und soziale Interaktionen hatte.
Zusammenarbeit mit dem ursprünglichen Team
Um den Geist des Originals einzufangen, setzt Harris auf Expertise aus den eigenen Reihen. Er arbeitet eng mit ehemaligen Mitgliedern des ursprünglichen Altspace-Teams zusammen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der visuellen Identität: Der einstige Konzeptdesigner des Projekts ist an Bord, um die charakteristischen Avatare behutsam zu modernisieren. Zusätzlich soll das neue System eine deutlich höhere Flexibilität bieten, indem es die Nutzung individueller Avatare ermöglicht.
Hintergrund: Vom Sideloading zum eigenen Metaverse
Shane Harris ist tief in der VR-Community verwurzelt. Seine Verbindung zu AltspaceVR reicht weit zurück; er entwickelte einst „Shane's Editor“, ein beliebtes Werkzeug für die Community, mit dem sich eigene Räume gestalten ließen. Als Meta die Veröffentlichung dieses Tools für die erste Oculus Quest ablehnte, reagierte Harris mit der Gründung von SideQuest. Die Plattform ermöglichte es Entwicklern, ihre Anwendungen per Sideloading bereitzustellen und so die strengen Store-Richtlinien von Meta zu umgehen.
SideQuest entwickelte sich über die Jahre zu einer essenziellen Anlaufstelle mit Millionen von Nutzern. Trotz dieses Erfolgs blieb das Unternehmen nicht von wirtschaftlichen Herausforderungen verschont, was sich unter anderem in Stellenstreichungen im Februar 2025 widerspiegelte. Mit Projekten wie der eigenen Social-VR-Plattform „Banter“ und der Kooperation mit der Khronos Group zur Förderung von OpenXR zeigt sich jedoch, dass das Team weiterhin aktiv an der Gestaltung offener VR-Standards arbeitet.
Die wechselvolle Geschichte von AltspaceVR
Die Geschichte von AltspaceVR ist ein Spiegelbild der volatilen VR-Branche. Gegründet 2013 von Eric Romo und gestartet im Jahr 2015, war die Plattform ihrer Zeit voraus. Während Meta das Konzept des „Metaverse“ erst Jahre später massiv bewarb, bot AltspaceVR bereits früh eine funktionierende Infrastruktur für virtuelle Zusammenkünfte. Als 2017 eine Finanzierungsrunde scheiterte, rettete Microsoft das Start-up durch eine Übernahme.
Sechs Jahre lang war die Plattform Teil der Windows Mixed-Reality-Sparte, bevor Microsoft sie schließlich abschaltete. Die offizielle Begründung lautete, man wolle sich auf „Microsoft Mesh“ konzentrieren – ein Projekt, das jedoch Ende 2025 in seiner eigenständigen Form ebenfalls eingestellt wurde.
Ausblick und Marktumfeld
Ob ein solches Vorhaben in der heutigen Zeit bestehen kann, bleibt abzuwarten. Das Marktumfeld für Social-VR-Apps ist schwierig; selbst milliardenschwere Projekte wie Metas „Horizon Worlds“ hatten mit erheblichen Akzeptanzproblemen zu kämpfen. Harris plant, die Community in den kommenden Monaten regelmäßig über den Fortschritt des Projekts auf dem Laufenden zu halten. Die Entwicklung eines spirituellen Nachfolgers unter Einbeziehung der ursprünglichen Community-DNA könnte jedoch ein entscheidender Vorteil sein, um jene Nutzer zurückzugewinnen, die den Pioniergeist der frühen VR-Jahre vermissen.