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Messner: Ein Steinschlag ist "russisches Roulette"
Schlagzeilen · 28.07.2026 10:18

Messner: Ein Steinschlag ist "russisches Roulette"

Kurz: Ein Jahr nach dem tödlichen Unglück von Laura Dahlmeier spricht Bergsteiger Simon Messner über die steigenden Gefahren durch den Klimawandel in den Bergen.

Eine Leidenschaft mit tödlichem Risiko

Der Tod der ehemaligen Biathlon-Weltklasseathletin Laura Dahlmeier hat die Sportwelt tief erschüttert. Ein Jahr nach dem tragischen Unfall, bei dem die Alpinistin durch einen massiven Steinschlag ums Leben kam, erinnert sich der Bergsteiger Simon Messner an eine Sportlerin, die mit großer Hingabe und fachlicher Expertise ihren Weg in den Extrembergsport gefunden hatte. Dahlmeier, die ihre Profikarriere früh beendete, um sich ihrer Passion für die Berge zu widmen, galt als besonnene und bodenständige Alpinistin.

Die Unberechenbarkeit der Hochgebirge

Simon Messner, Sohn der Bergsteigerlegende Reinhold Messner, ordnet das Unglück in einen größeren Kontext ein. Auf die Frage, ob ein solcher Vorfall jeden treffen könne, findet er eine klare Antwort: Ja. Ein Steinschlag, der aus der Wand bricht, entziehe sich jeder Kontrolle. Messner vergleicht dieses Risiko mit einem „russischen Roulette“, das in den letzten Jahrzehnten durch klimatische Veränderungen an Intensität gewonnen habe.

Besonders in extremen Höhenlagen, wie etwa im Karakorum oder im Himalaya – Regionen, in denen Gipfel regelmäßig die 6.000-Meter-Marke überschreiten –, seien die Auswirkungen des Klimawandels deutlich spürbar. Instabile Felsformationen und veränderte Bedingungen machen das Bergsteigen in diesen Zonen zunehmend unberechenbarer. Während Alpinisten durch akribische Vorbereitung und Erfahrung viele Gefahren minimieren können, bleiben Naturereignisse wie Steinschläge oder Lawinen Faktoren, die sich einer menschlichen Steuerung entziehen.

Der Übergang vom Profisport zum Alpinismus

Laura Dahlmeier zeichnete sich laut Messner dadurch aus, dass sie ihre im Biathlon gesammelten Erfahrungen und ihre mentale Stärke gezielt auf das Bergsteigen übertrug. Sie suchte den traditionellen Alpinismus, bei dem Erfahrung und eine realistische Einschätzung der eigenen Möglichkeiten über der reinen sportlichen Schwierigkeit stehen. Vor ihrer letzten Expedition in das pakistanische Karakorum-Gebirge tauschte sie sich mit Messner aus, um Informationen über unbestiegene Gipfel zu sammeln. Dieser Austausch unterstrich ihre methodische Herangehensweise an neue Herausforderungen.

Die Frage nach dem Warum

Die Motivation, sich trotz der offensichtlichen Gefahren in lebensbedrohliche Situationen zu begeben, bleibt für Außenstehende oft schwer greifbar. Messner beschreibt dies als eine „Urfrage“, für die es keine einzelne Antwort gibt. Das Empfinden für das Risiko wandelt sich im Laufe eines Lebens: Während jüngere Bergsteiger dazu neigen, Gefahren stärker zu verdrängen, setzt mit zunehmendem Alter – und oft mit der Gründung einer eigenen Familie – eine kritische Reflexion ein. Die Abwägung, ob das Risiko noch in einem vertretbaren Verhältnis zur Leidenschaft steht, wird zu einem ständigen Begleiter.

Für Dahlmeier war das Bergsteigen ein zentraler Teil ihres Lebens nach dem Leistungssport. Freunde und Weggefährten betonen, dass sie sich der Gefahren bewusst war, das Bergsteigen jedoch als ihr großes Glück empfand. Der Verlust von Freunden und Partnern in den Bergen, den sowohl Dahlmeier als auch Messner in ihrem Umfeld erleben mussten, verdeutlicht die Schattenseiten dieser Lebensform. Das Unglück vor einem Jahr bleibt eine schmerzhafte Mahnung an die Grenzen, die die Natur dem Menschen selbst bei höchster Kompetenz und bester Vorbereitung setzt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-frau-alkohol-kasino-6664199/ · Foto: Anna Shvets
Quelle: https://www.zdfheute.de/panorama/laura-dahlmeier-bergsteigen-simon-messner-100.html