Ein Zeichen der Solidarität im Tiergarten
Etwa eine Woche nach dem verheerenden Terroranschlag am Rande des Christopher Street Days (CSD) in Berlin hat die queere Community ein deutliches Zeichen gegen Gewalt und Hass gesetzt. Im Großen Tiergarten, unmittelbar am Tatort am Ahornsteig, versammelten sich zahlreiche Menschen zu einer Mahnwache. Die Veranstaltung, zu der der Verband Queere Vielfalt Berlin-Brandenburg gemeinsam mit dem Bundesverband aufgerufen hatte, stand unter dem Motto der Solidarität und Menschlichkeit.
Die Teilnehmerzahlen variieren je nach Quelle deutlich: Während die Veranstalter von bis zu 4.000 Anwesenden berichteten, bezifferte die Polizei die Zahl der Teilnehmenden auf etwa 650 Personen. Trotz der unterschiedlichen Einschätzungen war die Stimmung von tiefer Trauer und dem Wunsch nach gemeinschaftlichem Zusammenhalt geprägt.
Verzicht auf politische Reden
Obwohl hochrangige Vertreter der Berliner Politik, darunter der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD), an der Mahnwache teilnahmen, blieb die Veranstaltung frei von politischen Ansprachen. Die Organisatoren hatten sich bewusst dazu entschieden, auf offizielle Redebeiträge der Politik zu verzichten. Florian Winkler-Schwarze vom Verband Queere Vielfalt betonte gegenüber dem rbb, dass es in diesem Rahmen vorrangig darum gegangen sei, der Community selbst eine Stimme zu geben.
Parallel zur Mahnwache im Tiergarten fand in Berlin-Mitte eine weitere Versammlung statt. Vor dem Roten Rathaus protestierten nach Polizeiangaben etwa 2.000 Menschen gegen Queerfeindlichkeit. Dieser Demonstrationszug bewegte sich im Anschluss weiter in Richtung Brandenburger Tor, um den Protest gegen die Tat in die Öffentlichkeit zu tragen.
Überregionale Anteilnahme
Das Gedenken beschränkte sich nicht nur auf das Berliner Stadtgebiet. Auch in Oranienburg versammelten sich rund 80 Menschen auf dem Schlossplatz, um den Opfern des Anschlags zu gedenken. Die dortige Bürgermeisterin Collin-Feeder unterstrich den Zusammenhalt der Gemeinschaft. In einem Redebeitrag wurde zudem der Wille betont, trotz der traumatischen Ereignisse aufrecht zu bleiben und sich nicht durch Gewalt einschüchtern zu lassen.
Unterstützung für Betroffene
Der Bundesopferbeauftragte Roland Weber hat bereits konkrete Schritte zur Unterstützung der Betroffenen eingeleitet. Um den Opfern und ihren Angehörigen in der akuten Phase beizustehen, wurde eine schnelle finanzielle Hilfe zugesichert. Diese erfolgt in einem abgestuften Verfahren, bei dem zunächst Beträge zwischen 3.000 und 5.000 Euro ausgezahlt werden. Je nach Schweregrad der Verletzungen und dem individuellen Einzelfall können in einem späteren Stadium weitere Entschädigungsleistungen aus verschiedenen Unterstützungsfonds hinzukommen.
Weber richtete zudem einen Appell an Augenzeugen und Ersthelfer. Da ein solches Ereignis eine erhebliche psychische Belastung darstellt, wurden Betroffene dazu aufgerufen, sich an die Zentrale Anlaufstelle für Opfer von Terroranschlägen in Berlin oder direkt an sein Büro zu wenden.
Hintergrund des Anschlags
Der Terroranschlag, der sich am 25. Juli ereignete, hat die Stadt erschüttert. Ein 21-jähriger Täter, der nach derzeitigen Ermittlungen islamistisch motiviert handelte, hatte im Tiergarten zunächst mehrere Passanten mit einem Auto angefahren und anschließend weitere Menschen mutmaßlich mit einer Machete attackiert. Bei dem Angriff kam eine Frau ums Leben; insgesamt wurden 31 Personen verletzt, sieben davon schwer. Der Täter wurde am Abend des Anschlags in einer Kleing einer Kleingartenkolonie von Polizeikräften gestellt und erschossen.