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Lizenzen trotz US-Sanktionen: HP und Huawei tauschen Patente um Wi-Fi 7 aus
Technik · 26.08.2026 10:53

Lizenzen trotz US-Sanktionen: HP und Huawei tauschen Patente um Wi-Fi 7 aus

Kurz: Trotz bestehender US-Sanktionen haben HP und Huawei ein globales Patent-Cross-Licensing-Abkommen für WLAN-Technologien, inklusive Wi-Fi 7, geschlossen.

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

Am 26. August 2026 wurde ein bedeutendes Abkommen zwischen dem US-amerikanischen Technologiekonzern HP Inc. und dem chinesischen Unternehmen Huawei bekannt gegeben. Die beiden Parteien haben einen globalen Vertrag zur gegenseitigen Patentlizenzierung, ein sogenanntes Cross-Licensing-Abkommen, unterzeichnet. Dieser Vertrag konzentriert sich explizit auf WLAN-Technologien. Im Zentrum der Vereinbarung steht der aktuelle Standard Wi-Fi 7. Durch diesen Schritt sichert sich HP die notwendigen Lizenzen für standardessenzielle Patente (SEPs), die im Besitz von Huawei sind. Im Gegenzug erhält Huawei Zugriff auf das Patentportfolio von HP. Die Bekanntgabe erfolgte durch HP selbst und markiert den Abschluss eines längeren Prozesses, der unter anderem durch juristische Auseinandersetzungen in Europa geprägt war. Trotz der komplexen geopolitischen Lage und der bestehenden Sanktionen gegen Huawei durch das US-Handelsministerium, die seit 2019 in Kraft sind, wurde dieses Abkommen als rein lizenzrechtliche Angelegenheit eingestuft. Es handelt sich dabei um eine gängige Praxis in der Technologiebranche, um die Nutzung internationaler Standards rechtssicher zu gestalten, ohne dass dies eine weitergehende strategische Partnerschaft zwischen den beiden Unternehmen impliziert.

Die Einzelheiten der Vereinbarung

Die Details des Abkommens verdeutlichen den Umfang der getroffenen Regelungen. HP Inc. hat sich durch die Unterzeichnung den Zugang zu essenziellen WLAN-Schutzrechten gesichert, die für moderne drahtlose Kommunikation unverzichtbar sind. Besonders hervorzuheben ist dabei die Einbindung des neuesten Wi-Fi-7-Standards, der für die zukünftige Produktpalette von HP von hoher Relevanz ist. Huawei seinerseits profitiert von der gegenseitigen Öffnung der Patentportfolios, da das Unternehmen nun ebenfalls Lizenzen an den geistigen Eigentumsrechten von HP halten darf. Die Einigung ist das Resultat einer Entwicklung, die im August 2025 ihren Anfang nahm, als Huawei vor dem Einheitspatentgericht (UPC) in Europa Klage gegen HP einreichte. Der Vorwurf lautete auf Verletzung von Wi-Fi-6-Patenten. Ein entscheidender Wendepunkt in diesem Rechtsstreit war der Beitritt von HP zum Sisvel-WLAN-Patentpool im November 2025. Dieser Schritt ebnete den Weg für die nun finalisierte, breiter angelegte Vereinbarung, die über den ursprünglichen Streitpunkt hinausgeht und nun auch den Wi-Fi-7-Standard umfasst. Huawei betont dabei die eigene Innovationskraft und die Bereitschaft, die Branche an technologischen Fortschritten teilhaben zu lassen.

Hintergrund und bisheriger Verlauf

Die Vorgeschichte dieses Abkommens ist eng mit der rechtlichen Absicherung von Technologiestandards verknüpft. Huawei ist als einer der weltweit führenden Anbieter in der Entwicklung von WLAN-Standards bekannt und hält eine Vielzahl an standardessenziellen Patenten. Dass es zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung vor dem Einheitspatentgericht kam, unterstreicht die Komplexität der Lizenzierung solcher Schutzrechte. Die Klage von Huawei im August 2025 war dabei kein Einzelfall, sondern ein Instrument, um die Einhaltung der sogenannten FRAND-Bedingungen (Fair, Reasonable, and Non-Discriminatory) durchzusetzen. Diese Bedingungen stellen sicher, dass standardessenzielle Patente zu fairen und diskriminierungsfreien Konditionen lizenziert werden. HP reagierte auf den Druck durch den Beitritt zum Sisvel-WLAN-Patentpool, einer Organisation, die Patentinhaber und Lizenznehmer zusammenbringt, um die Lizenzierung von WLAN-Technologien zu vereinfachen. Dieser strategische Beitritt im November 2025 war essenziell, um die rechtliche Basis für die nun verkündete globale Einigung zu schaffen. Die Entwicklung zeigt, wie internationale Konzerne trotz politischer Spannungen gezwungen sind, pragmatische Lösungen für die Nutzung globaler Standards zu finden, um ihre Produkte weiterhin in wichtigen Märkten wie Europa vertreiben zu können.

Die Beteiligten und ihre Positionen

Die Hauptakteure in diesem Prozess sind HP Inc. als US-amerikanischer Hardwarehersteller und Huawei als chinesischer Technologiekonzern. Auf Seiten von HP wird betont, dass es sich bei dem Abkommen um eine rein operative Notwendigkeit handelt. HP stellt klar, dass diese Vereinbarung keine strategische oder kommerzielle Partnerschaft darstellt. Vielmehr sei die Lizenzierung von standardessenziellen Patenten eine branchenweit verbreitete und gängige Praxis für Unternehmen, deren Produkte WLAN-fähig sind. Huawei äußert sich durch Alan Fan, den Chief Intellectual Property Officer des Unternehmens. Er betont, dass Huawei durch die Patentlizenzierung die Branche an seinen Innovationen teilhaben lässt, insbesondere bei standardisierten Technologien. Diese Haltung verdeutlicht das Selbstverständnis von Huawei als zentraler Innovator im Bereich der drahtlosen Kommunikation. Institutionell ist zudem das Einheitspatentgericht (UPC) als Schauplatz des vorangegangenen Rechtsstreits sowie der Sisvel-WLAN-Patentpool als Vermittler und Plattform für die Lizenzierung zu nennen. Diese Akteure bilden das rechtliche und organisatorische Gerüst, innerhalb dessen sich der Austausch vollzieht.

Einordnung der Situation

Einzuordnen ist das Abkommen vor allem als notwendiger Schritt zur Risikominimierung. Dass Huawei seit 2019 auf der Blacklist des US-Handelsministeriums steht, führt zu massiven Exportkontrollen für Hardware, Software und Halbleiter. Den Berichten zufolge fallen reine IP-Lizenzen für internationale Standards jedoch nicht unter diese restriktiven Sanktionen. Die rechtlichen Regelungen verbieten standardbezogene Patent-Cross-Licensing-Verträge in der Regel nicht. Würden US-Firmen solche Standardpatente nicht mehr einsetzen dürfen, stünden sie vor dem Problem, Patentrechtsstreitigkeiten in Europa zu verlieren, was den Vertrieb ihrer Produkte in diesem Markt gefährden würde. Dass Huawei und US-Konzerne weiterhin gemeinsam in internationalen Standardisierungsgremien sitzen, zeigt, dass die technologische Zusammenarbeit auf der Ebene der Standardisierung trotz politischer Handelskonflikte unumgänglich bleibt. Die Einigung ist somit ein Beispiel für die Trennung von politisch motivierten Handelsbeschränkungen und der notwendigen rechtlichen Basis für den globalen Technologiemarkt. Es ist eine pragmatische Lösung, um den Zugang zu essenziellen Technologien wie Wi-Fi 7 zu gewährleisten.

Offene Fragen und Lücken im Quelltext

Der Quelltext lässt einige Aspekte der Vereinbarung offen, die für eine vollständige Analyse von Interesse wären. So werden keine finanziellen Details des Abkommens genannt. Es bleibt unklar, ob und in welcher Höhe Lizenzgebühren fließen oder ob es sich um ein reines Tauschgeschäft der Schutzrechte handelt. Auch die genaue Laufzeit des Vertrages wird nicht spezifiziert. Ebenso bleibt offen, welche spezifischen Patente aus dem Portfolio von HP für Huawei von besonderem Interesse sind, da der Fokus des Berichts stark auf den WLAN-Patenten von Huawei liegt. Zudem wird nicht detailliert erläutert, wie sich die US-Sanktionen in der Zukunft auf die Auslegung solcher Verträge auswirken könnten, sollte sich die politische Lage weiter verschärfen. Die genaue Abgrenzung zwischen dem, was als erlaubte Lizenzierung gilt, und dem, was unter die Exportkontrollen fallen könnte, bleibt in der Praxis ein komplexes Feld, das der Text nur oberflächlich streift. Auch die genaue Anzahl der betroffenen Patente oder die spezifische Reichweite des Schutzes in verschiedenen Jurisdiktionen wird nicht weiter ausgeführt, was Raum für Spekulationen über die tatsächliche Tragweite des Abkommens lässt.

Wie es weitergeht

Mit der Unterzeichnung des Abkommens ist der Rechtsstreit vor dem Einheitspatentgericht beigelegt. Die Parteien haben damit die rechtliche Grundlage geschaffen, um ihre Produkte, die auf WLAN-Standards basieren, ohne die Gefahr weiterer Klagen auf den Märkten anzubieten. Für HP bedeutet dies Planungssicherheit bei der Integration von Wi-Fi 7 in zukünftige Gerätegenerationen. Huawei festigt durch die Vereinbarung seine Position als Lizenzgeber für essenzielle Technologien. Es sind keine weiteren juristischen Schritte zwischen den beiden Unternehmen in dieser Angelegenheit angekündigt. Die Zusammenarbeit beschränkt sich auf die lizenzrechtliche Ebene, wie von HP ausdrücklich betont wurde. Der Markt kann nun davon ausgehen, dass die Produkte beider Unternehmen auf Basis der lizenzierten Standards störungsfrei vertrieben werden können. Weitere Entwicklungen werden sich vermutlich auf die Einhaltung der vereinbarten Lizenzbedingungen und die fortlaufende Standardisierung in den entsprechenden Gremien konzentrieren, in denen beide Unternehmen weiterhin als Akteure präsent sind. Damit endet die Phase der gerichtlichen Auseinandersetzung und geht in eine Phase der vertraglich geregelten, standardisierten Koexistenz über.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/dual-smartphone-display-auf-lebendigem-hintergrund-33092501/ · Foto: Andrey Matveev
Quelle: https://www.golem.de/news/lizenzen-trotz-us-sanktionen-hp-und-huawei-tauschen-patente-um-wi-fi-7-aus-2608-212308.html