Strategische Neuerung bei der Ladeinfrastruktur
Der Energieversorger LichtBlick hat einen bedeutenden Schritt in der Entwicklung seiner Ladeinfrastruktur vollzogen. An zwei neuen Standorten seines sogenannten QuickCharge-Netzes, die sich in den norddeutschen Städten Stralsund und Heiligenhafen befinden, setzt das Unternehmen erstmals Batteriespeicher ein. Diese technologische Ergänzung dient dazu, die Ladeleistung an den Standorten auch dann auf einem hohen Niveau zu halten, wenn der direkte Netzanschluss für die anfallende Last nicht ausreicht. Das Vorgehen markiert einen wichtigen Wendepunkt für den Betreiber, der damit auf die steigenden Anforderungen an die Schnellladeinfrastruktur reagiert. Indem die Speicher als Puffer fungieren, wird die Abhängigkeit von der unmittelbaren Kapazität des Stromnetzes vor Ort verringert. Dies ermöglicht es dem Unternehmen, seinen Kunden auch in Regionen, in denen die lokale Netzinfrastruktur noch nicht vollständig für extreme Lastspitzen ausgelegt ist, ein komfortables und schnelles Ladeerlebnis zu bieten. Die Implementierung dieser Speicherlösungen ist somit eine direkte Antwort auf die Herausforderungen, die mit der zunehmenden Verbreitung von Elektrofahrzeugen und dem damit einhergehenden Bedarf an leistungsstarken Ladepunkten verbunden sind.
Technische Details und Funktionsweise der Speicher
Die in Stralsund und Heiligenhafen installierten Batteriespeicher verfügen über eine Leistung von jeweils 330 Kilowatt. In Bezug auf die Kapazität können sie rechnerisch rund 660 Kilowattstunden Energie abgeben. Die Funktionsweise orientiert sich an dem in der Branche etablierten Prinzip des sogenannten Peak Shaving. Dabei wird die Batterie in Zeiträumen, in denen die Nachfrage nach Ladevorgängen gering ist, kontinuierlich über den vorhandenen Netzanschluss aufgeladen. Sobald die Nachfrage an den Schnellladesäulen steigt und die Kapazität des Netzanschlusses überschritten würde, speist das System die zwischengespeicherte Energie zusätzlich ein. Auf diese Weise können Lastspitzen effektiv abgefangen werden, ohne dass die Ladeleistung für den Nutzer gedrosselt werden muss. Diese Pufferfunktion stellt sicher, dass die Schnellladeinfrastruktur ihre volle Leistungsfähigkeit beibehält, selbst wenn die lokale Stromversorgung temporär an ihre Grenzen stößt. Die technische Auslegung der Speicher ist präzise darauf abgestimmt, die zeitliche Diskrepanz zwischen der Netzverfügbarkeit und dem tatsächlichen Ladebedarf der Nutzer an diesen spezifischen Standorten auszugleichen.
Der Netzanschluss als limitierender Faktor
Die Entscheidung für den Einsatz von Batteriespeichern ist vor dem Hintergrund einer branchenweiten Problematik zu sehen. Mit der wachsenden Anzahl an Schnellladepunkten in Deutschland wird der Netzanschluss zunehmend zum kritischen Flaschenhals beim Ausbau der Ladeinfrastruktur. Nach Angaben der Bundesnetzagentur gab es zum Stichtag 1. Juli 2026 mehr als 54.000 Schnellladepunkte in Deutschland, was einer Steigerung um das Neunfache im Vergleich zum Jahr 2020 entspricht. Diese rasante Zunahme führt dazu, dass die vorhandenen Netzkapazitäten bei einer hohen, gleichzeitigen Auslastung der Ladepunkte zunehmend an ihre Grenzen stoßen. In der Konsequenz müssen Betreiber bei hoher Auslastung die Gesamtleistung, die auf alle genutzten Ladepunkte verteilt wird, drosseln, was die Ladezeit für die Nutzer verlängert. Um diesem Trend entgegenzuwirken, werden moderne Ladeparks zunehmend unter Einbeziehung von Lastmanagement-Systemen und zusätzlicher Speichertechnik geplant. Die Speicher dienen hierbei als notwendige Ergänzung, um die Diskrepanz zwischen der notwendigen Ladeleistung und der physisch verfügbaren Netzleistung zu überbrücken und somit die Effizienz der gesamten Anlage zu sichern.
Akteure und betriebliche Ausrichtung
Simon Schröder, der als Leiter des Projektmanagements bei LichtBlick Emobility fungiert, unterstreicht die Bedeutung dieser Entwicklung. Er betont, dass Batteriespeicher insbesondere in Regionen mit begrenzten Netzkapazitäten dazu beitragen können, dass Nutzer ihre Fahrzeuge komfortabel und schnell laden können. Das Unternehmen prüft den Einsatz solcher Speicher konsequent überall dort, wo sie den Aufbau einer neuen Ladeinfrastruktur sinnvoll ergänzen oder erst ermöglichen. Aktuell betreibt LichtBlick sein QuickCharge-Netz an 27 Standorten, die sich vorwiegend auf dem Gelände von Einzelhandelsketten wie Famila, Markant und Edeka in Norddeutschland befinden. Die Wachstumspläne sind ambitioniert: Bis März 2027 soll die Anzahl der Schnellladeparks auf 68 Standorte anwachsen. Darüber hinaus investiert das Unternehmen massiv in die Zukunft der Mobilität. Bis zum Jahr 2030 plant LichtBlick Investitionen in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro ausschließlich im Bereich der E-Mobilität. Ein weiterer strategischer Pfeiler ist der Einstieg in den Markt für das Laden von Schwerlastverkehr, für den das Unternehmen bereits den Zuschlag für 14 öffentliche Standorte in Baden-Württemberg erhalten hat.
Einordnung der technologischen Entwicklung
Einzuordnen ist das Vorgehen von LichtBlick als Teil eines breiteren Branchentrends. Da der Ausbau der Stromnetze oft mit langen Wartezeiten verbunden ist, entwickeln sich lokale Pufferspeicher zu einer pragmatischen und notwendigen Lösung für Ladeparkbetreiber. Die Branche reagiert damit auf die steigende Leistung von DC-Ladesäulen, die das Problem der Netzüberlastung weiter verschärfen. Den Berichten zufolge werden bereits in verschiedenen Projekten auch ausgemusterte Akkus aus Elektroautos als stationäre Speicher genutzt, um Lastspitzen abzufangen. Die Strategie von LichtBlick beschränkt sich dabei nicht nur auf die Ladeparks selbst. Parallel dazu realisiert das Unternehmen einen Großbatteriespeicher in Röhrsdorf bei Chemnitz mit einer Kapazität von über 400 Megawattstunden. Dieses Projekt, das in Zusammenarbeit mit dem Technologiepartner Fluence umgesetzt wird, umfasst 84 Speicher-Container mit je 5,6 Megawattstunden Kapazität. Mit einem Investitionsvolumen von rund 100 Millionen Euro verfolgt das Unternehmen das Ziel, die Stromnetze insgesamt zu entlasten und notwendige Flexibilitäten für ein System bereitzustellen, das zunehmend auf erneuerbaren Energien basiert.
Offene Fragen und operative Unwägbarkeiten
Obwohl die Inbetriebnahme der Speicher an den Standorten in Stralsund und Heiligenhafen ein klares Signal für die technologische Ausrichtung von LichtBlick darstellt, bleiben einige Aspekte im vorliegenden Quelltext unbeantwortet. So wird nicht explizit dargelegt, wie hoch die Kosten für die spezifische Installation an den beiden Ladeparks ausfallen. Auch die Frage nach der Lebensdauer der eingesetzten Batteriespeicher unter den spezifischen Bedingungen der Schnellladeparks wird nicht thematisiert. Zudem bleibt offen, ob bei der Wahl der Speichertechnologie auf neue Batterien oder auf ein Second-Life-Konzept mit gebrauchten E-Auto-Akkus zurückgegriffen wurde, wie es in anderen Teilen der Branche bereits praktiziert wird. Ebenso fehlen detaillierte Informationen darüber, welche spezifischen Kriterien bei der Auswahl der Standorte für den Einsatz der Speicher neben der bloßen Netzkapazität eine Rolle spielen. Diese Details könnten Aufschluss darüber geben, wie skalierbar das Modell für weitere Standorte in der Zukunft tatsächlich ist und welche wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für eine flächendeckende Umsetzung erforderlich sind.
Ausblick auf die weitere Entwicklung
Die nächsten Schritte für LichtBlick sind klar definiert. Bis zum März 2027 soll das QuickCharge-Netz auf insgesamt 68 Schnellladeparks erweitert werden, wobei die Erfahrungen aus Stralsund und Heiligenhafen in die Planung der weiteren Standorte einfließen dürften. Ein wesentlicher Meilenstein ist zudem die Inbetriebnahme des Großbatteriespeichers in Röhrsdorf bei Chemnitz, die für das erste Quartal des Jahres 2027 vorgesehen ist. Dieses Projekt stellt mit seiner Kapazität von über 400 Megawattstunden eine deutlich größere Dimension dar als die lokalen Speicher an den Ladeparks. Die langfristige Strategie sieht vor, bis 2030 über 100 Millionen Euro in die E-Mobilität zu investieren. Zudem wird die Entwicklung im Bereich des Schwerlastverkehrs in Baden-Württemberg weiter vorangetrieben, wo LichtBlick im Rahmen eines Konsortiums den Zuschlag für 14 öffentliche Standorte erhalten hat. Die Kombination aus lokaler Speichertechnik an den Ladeparks und großskaligen Speichersystemen zur Netzstabilisierung bildet somit das Fundament für die zukünftige Wachstumsstrategie des Unternehmens im Bereich der Energiewende und Elektromobilität.