Was geschehen ist – die Kernmeldung
In der dänischen Hauptstadt Kopenhagen trafen sich am Dienstag, dem 29. September 2026, die führenden Köpfe des europäischen Fußballs zur Generalversammlung der European Football Clubs (EFC). Im Zentrum der Zusammenkunft stand die anhaltende Kritik an FIFA-Präsident Gianni Infantino und die Suche nach einer Alternative für die bevorstehende Präsidentschaftswahl des Weltverbandes. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin nutzte das Forum, um seine Ablehnung gegenüber Infantino in drastischen Worten zu formulieren. Trotz der lautstarken Opposition aus Europa und der intensiven Bemühungen, den Amtsinhaber zum Verzicht auf eine erneute Kandidatur zu bewegen, zeichnet sich bislang kein Erfolg ab. Die zentrale Frage, ob und wer gegen den amtierenden FIFA-Chef antreten könnte, blieb auch in Kopenhagen unbeantwortet. Die Zeit drängt, da die offizielle Frist für die Einreichung von Gegenkandidaturen bereits am 18. November 2026 abläuft. Die Wahl selbst ist für den 18. März 2027 in Marokko terminiert, doch die politische Blockade innerhalb der internationalen Fußballgremien scheint derzeit unüberwindbar.
Die Einzelheiten der Versammlung
Während der EFC-Versammlung in Kopenhagen fand Aleksander Ceferin deutliche Worte für den FIFA-Präsidenten. Mit dem Zitat „Der Kaiser ist nackt“ bezog er sich direkt auf das Scheitern eines Investorendeals, den Infantino zuvor forciert hatte. Ceferin forderte ein Ende der Ära Infantino und betonte, dass es für den Fußball an der Zeit sei, ein deutliches Zeichen zu setzen. Nasser Al-Khelaifi, der sowohl als EFC-Vorsitzender als auch als Präsident von Paris Saint-Germain fungiert, wurde in den Medien oft als möglicher Gegenkandidat gehandelt. In Kopenhagen erteilte er diesen Spekulationen jedoch eine klare Absage. Er betonte, keinerlei Ambitionen für das Amt zu hegen und nicht die richtige Person für diese Aufgabe zu sein. Al-Khelaifi, der zudem Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees ist und als enger Verbündeter Ceferins gilt, kritisierte die aktuelle Situation als traurig und von Streitigkeiten geprägt. Er brachte stattdessen die Idee einer globalen Klub-Vereinigung ins Spiel, die als neues Machtzentrum gegen die FIFA fungieren könnte, blieb aber vage hinsichtlich einer persönlichen Rolle in diesem Prozess.
Hintergrund des Machtkampfes
Die Spannungen zwischen der UEFA und der FIFA haben eine lange Vorgeschichte. Gianni Infantino steht seit geraumer Zeit in der Kritik, insbesondere wegen seiner Investorenpläne, die er zwar zurückzog, die jedoch das Vertrauensverhältnis zu den europäischen Spitzenklubs nachhaltig beschädigten. Ein wesentlicher Faktor in diesem Machtgefüge ist die Rolle Katars. Das Emirat gilt als einer der wichtigsten Geldgeber des Weltverbandes. Infantino hat das Land wiederholt gegen internationale Kritik verteidigt, die insbesondere im Rahmen der Weltmeisterschaft 2022 laut wurde. Als Zeichen der engen Verbundenheit nutzt der FIFA-Präsident bis heute ein Flugzeug der staatlichen Fluggesellschaft Qatar Airways für seine Reisen. Während in Kopenhagen über seine Zukunft debattiert wurde, befand sich Infantino in Lettland, um dort in einem dieser Flugzeuge Kontaktpflege für seinen Wahlkampf zu betreiben. Diese enge Bindung zu Katar erschwert es der Opposition, den nötigen Druck aufzubauen, da der katarische Fußballverband sich bislang öffentlich hinter den amtierenden FIFA-Präsidenten stellt.
Die Beteiligten im Überblick
Die Akteure in diesem Machtkampf sind vielfältig und ihre Interessen oft gegensätzlich. Auf der einen Seite steht die UEFA unter der Führung von Aleksander Ceferin, die den Rückzug Infantinos fordert. Auf der anderen Seite steht Gianni Infantino, der sich auf Verbände in Asien, Nordamerika, Mittelamerika und der Karibik stützt. Der FIFA-Vizepräsident Victor Montagliani aus Kanada wurde lange als aussichtsreichster Herausforderer gehandelt, hat jedoch nach über acht Wochen Krise keine Kandidatur bestätigt. Er steht zudem vor der Herausforderung, im Februar 2027 in seinem eigenen Kontinentalverband CONCACAF wiedergewählt zu werden. Auch der asiatische Konföderationschef Scheich Salman bin Ibrahim Al Chalifa aus Bahrain, der 2016 gegen Infantino verlor, bleibt in seiner Haltung unklar. Unterstützt wird Infantino in Asien weiterhin von einflussreichen Verbänden aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Auf europäischer Ebene hat DFB-Präsident Bernd Neuendorf Infantinos Gesprächsangebote als „durchschaubares Manöver“ bezeichnet und ihm die Glaubwürdigkeit abgesprochen.
Einordnung der Situation
Einzuordnen ist die aktuelle Lage als eine tiefgreifende Krise der Governance im Weltfußball. Den Berichten zufolge ist die UEFA zwar die lauteste Stimme der Opposition, doch es mangelt ihr an einer tragfähigen Alternative. Die Strategie, Infantino durch juristischen Druck in den USA zum Rückzug zu bewegen, wird von der FIFA als „Schikane“ und Versuch der Manipulation der Wahl durch Fehlinformationen abgetan. Der Umstand, dass selbst prominente Funktionäre wie Al-Khelaifi eine Kandidatur kategorisch ausschließen, verdeutlicht die Schwierigkeit, ein Gegenmodell zu etablieren, das über die europäischen Interessen hinausgeht. Es zeigt sich ein Riss zwischen den europäischen Spitzenklubs und einer Vielzahl kleinerer Verbände, insbesondere in der Karibik, die Infantino weiterhin die Treue halten. Die politische Architektur der FIFA, die auf einem System von Abhängigkeiten und finanziellen Zuwendungen basiert, scheint derzeit stabiler zu sein als die Versuche der UEFA, einen personellen Wechsel herbeizuführen. Die Kritik an Infantino bleibt somit bisher wirkungslos, da die notwendige Mehrheit für eine Abwahl oder einen Machtwechsel nicht in Sicht ist.
Offene Fragen zur Zukunft
Der Quelltext lässt zahlreiche Fragen unbeantwortet, die für den Ausgang der Wahl entscheidend sein könnten. Es bleibt völlig offen, ob sich in den verbleibenden Wochen bis zum 18. November 2026 noch eine Persönlichkeit findet, die bereit ist, gegen den Amtsinhaber anzutreten. Ebenso unklar ist, ob die juristischen Schritte der UEFA in den USA tatsächlich eine rechtliche Relevanz für die Wahl in Marokko entfalten können oder ob sie lediglich als politisches Druckmittel dienen. Es ist zudem nicht bekannt, welche konkreten Gegenleistungen Infantino den Verbänden in Aussicht gestellt hat, um seine Wiederwahl zu sichern, abgesehen von den allgemeinen Versprechen auf mehr Geld. Auch die Rolle von Scheich Salman bleibt eine große Unbekannte; es ist nicht geklärt, ob er seine Ambitionen endgültig begraben hat oder lediglich abwartet. Schließlich bleibt offen, wie die europäischen Verbände reagieren werden, sollte bis zum Ablauf der Frist kein Gegenkandidat präsentiert werden können – ob sie dann Infantino akzeptieren oder den Kongress in Marokko auf andere Weise zu beeinflussen versuchen werden.
Wie es weitergeht
Die nächsten Schritte sind bereits terminiert. Am 8. Oktober 2026 werden sich die europäischen Verbände in Berlin treffen, um die weitere Strategie zu beraten und die Lage neu zu bewerten. Dieses Treffen wird als wegweisend für die Frage angesehen, ob Europa geschlossen als Block agieren kann oder ob die internen Differenzen überwiegen. Das entscheidende Datum ist der 18. November 2026, an dem die offizielle Frist für die Einreichung von Gegenkandidaturen abläuft. Bis zu diesem Tag muss Klarheit darüber herrschen, ob es überhaupt eine Wahl mit Alternativen geben wird. Sollte bis dahin kein Name offiziell gemeldet werden, dürfte die Wahl am 18. März 2027 in Marokko zu einer reinen Bestätigung des amtierenden Präsidenten werden. FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström vermied in Kopenhagen jegliche Stellungnahme zur Zukunft seines Präsidenten, was darauf hindeutet, dass die FIFA-Spitze den Fokus derzeit voll auf die Sicherung der bestehenden Machtverhältnisse legt, während die Opposition unter Zeitdruck steht, ihre Handlungsfähigkeit unter Beweis zu stellen.