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Kushner spricht mit Netanjahu über Friedensplan für Gazastreifen
Schlagzeilen · 17.08.2026 17:41

Kushner spricht mit Netanjahu über Friedensplan für Gazastreifen

Kurz: Jared Kushner führt in Jerusalem Gespräche mit Benjamin Netanjahu, um den blockierten Friedensplan für den Gazastreifen voranzubringen.

Ein diplomatischer Vorstoß in festgefahrener Lage

In einer Phase anhaltender Spannungen und diplomatischer Blockaden hat der US-Sonderbeauftragte Jared Kushner versucht, neuen Schwung in die Verhandlungen über eine Nachkriegsordnung im Gazastreifen zu bringen. Der Schwiegersohn des US-Präsidenten Donald Trump reiste nach Jerusalem, um sich dort mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu zu treffen. Dieses Treffen fand vor dem Hintergrund eines bereits seit längerer Zeit stockenden Fahrplans statt, der von einem durch die USA initiierten sogenannten Friedensrat, dem „Board of Peace“, ausgearbeitet wurde. Die Gespräche in Jerusalem folgten unmittelbar auf eine diplomatische Reise Kushners nach Ägypten, wo er zuvor mit Präsident Abdel Fattah al-Sisi über die Zukunft des kriegszerstörten Küstenstreifens beraten hatte. Während offizielle Quellen das Treffen mit Netanjahu als sehr produktiv einstuften, blieben konkrete Details über die Inhalte der Unterredung zunächst unter Verschluss. Die Bemühungen Kushners zielen darauf ab, die festgefahrenen Fronten zwischen den israelischen Sicherheitsinteressen und den Plänen einer internationalen Stabilisierung aufzubrechen, um eine Perspektive für das Gebiet zu schaffen, das seit dem Beginn der Kampfhandlungen im Oktober 2025 massiv zerstört wurde.

Details zum diplomatischen Ringen und den Akteuren

An dem Gespräch in Jerusalem nahm laut Medienberichten auch Nikolaj Mladenow teil, der als Hoher Vertreter des besagten Friedensrates fungiert. Die diplomatische Aktivität Kushners ist eingebettet in eine komplexe Gemengelage. Während der US-Sonderbeauftragte versucht, zwischen den Parteien zu vermitteln, verhärtet sich die Haltung der israelischen Regierung unter Netanjahu. Der Premier betonte unmissverständlich, dass Israel den aktuellen Fahrplan des Friedensrates ablehnt. Er forderte die vollständige Entwaffnung der Hamas als unabdingbare Voraussetzung für jegliche Bewegung der israelischen Armee. Zudem bekräftigte er seine grundsätzliche Ablehnung eines unabhängigen palästinensischen Staates. Ein zentraler Streitpunkt bleibt die Kontrolle über die Waffen im Gazastreifen. Während der Plan des Friedensrates vorsieht, dass diese unter palästinensischer Kontrolle eingelagert werden, fordert Israel deren restlose Entfernung, um ein erneutes Erstarken der Hamas zu verhindern. Berichten der Zeitung Israel Hajom zufolge wurden in den Gesprächen zudem Pilotprojekte für den Wiederaufbau in Rafah und nördlichen Gebieten diskutiert, die ohne Hamas-Beteiligung unter ziviler Verwaltung und mit Unterstützung internationaler Stabilisierungseinheiten stehen sollen.

Der historische Kontext und die bisherige Entwicklung

Die aktuelle Situation ist das Ergebnis einer langen Kette von Gewalt und gescheiterten Friedensbemühungen. Auslöser des aktuellen Konflikts war das Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023, bei dem etwa 1.200 Israelis ermordet und zahlreiche Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden. Die darauf folgenden israelischen Militäroperationen führten zu einer humanitären Katastrophe. Seit dem Beginn der Waffenruhe am 10. Oktober 2025 sind nach palästinensischen Angaben fast 1.300 Menschen bei Angriffen getötet worden. Ende Juli hatte Präsident Trump noch eine Einigung des Friedensrates mit der Hamas zur Entwaffnung verkündet, doch diese Vereinbarung stieß in Israel auf massiven Widerstand. Experten und Kommentatoren äußerten bereits im Februar 2026 Zweifel an der Wirksamkeit des Friedensrates und bezeichneten ihn teils als bloße Fassade. Die Diskrepanz zwischen den US-amerikanischen Optimismus-Bekundungen und der realen Ablehnung durch die israelische Führung verdeutlicht die tiefen Gräben, die sich im Laufe des letzten Jahres weiter vertieft haben.

Die Akteure und ihre unterschiedlichen Interessen

Die Akteurslandschaft ist von gegensätzlichen Positionen geprägt. Jared Kushner agiert als Bindeglied zwischen der US-Administration und den regionalen Mächten, während Benjamin Netanjahu innenpolitisch unter Druck steht. Ein besonders radikaler Akteur ist der israelische Polizeiminister Itamar Ben-Gvir, Vorsitzender der Partei Ozma Jehudit. Ben-Gvir äußerte sich in einem Podcast mit der ehemaligen Geisel Rom Braslavski und forderte eine drastische Verschärfung der militärischen Maßnahmen, inklusive der gezielten Tötung von 30 bis 40 Palästinensern pro Nacht. Er distanzierte sich dabei explizit von der moderateren Linie Netanjahus und entmenschlichte Teile der Bevölkerung im Gazastreifen. Diese Rhetorik wird von Beobachtern als Teil eines aggressiven Wahlkampfes gewertet, mit dem Ben-Gvir um Stimmen im rechtsextremen Lager wirbt. Auf der anderen Seite stehen die Vertreter des Friedensrates, wie Nikolaj Mladenow, die versuchen, eine internationale Struktur für die Zeit nach den Kampfhandlungen zu etablieren, während die Hamas weiterhin als militärische Kraft im Gazastreifen präsent bleibt.

Einordnung der politischen Dynamik

Einzuordnen ist die aktuelle Lage als ein hochkomplexes Geflecht aus internationalen Friedensbemühungen und innenpolitischem Kalkül. Den Berichten zufolge ist die Ablehnung des Friedensplans durch Netanjahu nicht nur sicherheitspolitisch motiviert, sondern auch ein Signal an seine konservative Basis. Die Tatsache, dass Kushner trotz der öffentlichen Ablehnung durch den israelischen Premier weiter verhandelt, deutet darauf hin, dass die USA versuchen, durch kleinteilige Pilotprojekte – wie etwa in Rafah – Fakten zu schaffen, die eine spätere umfassende Lösung erleichtern könnten. Die radikalen Äußerungen von Ministern wie Ben-Gvir erschweren diesen Prozess jedoch massiv, da sie den Spielraum für diplomatische Kompromisse einengen. Die Einordnung der Situation durch Beobachter legt nahe, dass die US-Diplomatie derzeit gegen eine Wand aus israelischer Skepsis und interner politischer Radikalisierung anläuft. Der Wiederaufbau ohne Hamas-Beteiligung ist zwar ein logischer Schritt für internationale Geldgeber, bleibt jedoch ohne eine tragfähige Sicherheitsarchitektur, die von allen Seiten akzeptiert wird, ein hochriskantes Unterfangen.

Offene Fragen und verbleibende Lücken

Trotz der intensiven Berichterstattung bleiben wesentliche Fragen unbeantwortet. Es ist unklar, wie die internationale Stabilisierungstruppe konkret zusammengesetzt sein soll und welche Staaten bereit wären, dieses Risiko einzugehen. Ebenso bleibt offen, wie die Entwaffnung der Hamas praktisch durchgesetzt werden soll, wenn die Organisation weiterhin über militärische Strukturen verfügt und Israel einer bloßen Einlagerung der Waffen misstraut. Der Quelltext liefert zudem keine Informationen darüber, wie die palästinensische Übergangsverwaltung legitimiert werden soll, ohne dass es zu direkten Konflikten mit der Hamas kommt. Auch die genauen Bedingungen, unter denen Israel bereit wäre, einen Abzug der Armee zu vollziehen, bleiben vage, da Netanjahu die Entwaffnung der Hamas als absolute Vorbedingung nennt, ohne einen Zeitplan für die Umsetzung zu definieren. Die Frage, wer die zivilen Dienstleistungen in den geplanten Pilotprojekten finanziert und schützt, wird ebenfalls nicht detailliert beantwortet. Es fehlen zudem konkrete Zusagen der Hamas, die über die bereits in Zweifel gezogenen Abkommen hinausgehen.

Ausblick auf das weitere Vorgehen

Für die kommenden Wochen sind keine konkreten Termine für weitere hochrangige Treffen genannt worden, doch die diplomatische Aktivität Kushners signalisiert, dass die USA das Thema nicht aufgeben wollen. Die angekündigten Pilotprojekte in Rafah und im Norden des Gazastreifens könnten als Testlauf für eine breitere Strategie dienen. Es bleibt abzuwarten, ob die israelische Regierung ihre Blockadehaltung gegenüber dem Friedensrat aufgibt oder ob weitere interne politische Spannungen, wie sie durch die Aussagen von Polizeiminister Ben-Gvir deutlich wurden, den Prozess weiter lähmen werden. Die internationale Gemeinschaft wird die nächsten Schritte der Stabilisierungstruppe genau beobachten müssen. Entscheidend wird sein, ob die USA in der Lage sind, Netanjahu zu einem Einlenken zu bewegen oder ob der Friedensplan des „Board of Peace“ letztlich als gescheitert betrachtet werden muss. Die Situation bleibt hochgradig volatil, und die Umsetzung der Wiederaufbaupläne hängt maßgeblich von der Sicherheitslage vor Ort ab, die aktuell durch fortgesetzte militärische Auseinandersetzungen geprägt ist.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/modell-eines-tanks-auf-weissem-hintergrund-35546855/ · Foto: Matias Luge
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/asien/israel-gazastreifen-usa-kushner-ben-gvir-100.html