News aus aller Welt
Start
Kreios Space: Erster luftatmender Satellit soll bald im Weltall getestet werden
Schlagzeilen · 17.08.2026 12:15

Kreios Space: Erster luftatmender Satellit soll bald im Weltall getestet werden

Kurz: Das spanische Unternehmen Kreios Space plant den Test eines luftatmenden Elektroantriebs (ABEP), um Satelliten in extrem niedrigen Umlaufbahnen effizienter zu b

Ein technologischer Durchbruch in der Erdumlaufbahn

Das spanische Unternehmen Kreios Space steht kurz vor einem bedeutenden Meilenstein in der modernen Raumfahrttechnik. Wie aus aktuellen Berichten hervorgeht, plant das Unternehmen den weltweit ersten Einsatz eines sogenannten luftatmenden Elektroantriebs, im Fachjargon als Air-Breathing Electric Propulsion (ABEP) bezeichnet. Dieser innovative Antriebsansatz zielt darauf ab, Satelliten in einer extrem niedrigen Erdumlaufbahn, dem sogenannten Very Low Earth Orbit (VLeo), zu betreiben, ohne dabei auf die herkömmliche Mitführung großer Mengen an flüssigem Treibstoff angewiesen zu sein. Der technologische Kern dieses Systems besteht darin, die in den obersten Schichten der Erdatmosphäre vorhandenen Luftmoleküle einzufangen, diese gezielt zu erhitzen, zu ionisieren und anschließend mit hoher Geschwindigkeit auszustoßen. Durch diesen physikalischen Prozess wird der für die Flugbahnstabilisierung notwendige Schub erzeugt. Der geplante Testlauf soll in einer Höhe von weniger als 400 Kilometern stattfinden, einem Bereich, der aufgrund des dort herrschenden Luftwiderstands für konventionelle Satelliten bisher als äußerst herausfordernd galt. Mit diesem Vorhaben möchte Kreios Space die Effizienz und Nachhaltigkeit von Satellitenmissionen in niedrigen Höhen grundlegend revolutionieren und neue Möglichkeiten für die Erdbeobachtung sowie die globale Kommunikation schaffen.

Technische Details und die Rolle des MP42-Satellitenbusses

Die technische Umsetzung dieses ambitionierten Projekts basiert auf einer engen Zusammenarbeit mit dem litauischen Unternehmen Kongsberg Nano-Avionics. Die Basis für den ersten Weltraumtest bildet der bewährte MP42-Satellitenbus, der als Trägerplattform für das ABEP-System dient. Während herkömmliche Satelliten in einer Höhe von 160 bis 2.000 Kilometern meist nur sporadisch kleine Schubimpulse benötigen, um ihre Position zu halten, stellt die VLeo-Region eine deutlich komplexere Umgebung dar. In diesem Bereich zwischen 100 und 400 Kilometern Höhe ist die Atmosphäre noch so dicht, dass permanent ein spürbarer Luftwiderstand auf das Raumfahrzeug einwirkt. Ein Satellit, der hier operieren will, muss diesen Widerstand kontinuierlich durch Antriebsleistung ausgleichen. Herkömmliche Systeme stoßen hier schnell an ihre Grenzen, da der mitgeführte Treibstoffvorrat zwangsläufig begrenzt ist. Die ABEP-Technologie von Kreios Space hingegen nutzt die Umgebungsluft als Treibstoffquelle, was die Betriebsdauer in dieser niedrigen Umlaufbahn theoretisch massiv verlängert. Die Integration dieser Antriebseinheit in den MP42-Bus stellt eine logistische und ingenieurtechnische Meisterleistung dar, da das System präzise auf die aerodynamischen Bedingungen der VLeo-Region abgestimmt sein muss, um den notwendigen Schub effizient zu generieren.

Der Hintergrund zur Entwicklung des VLeo-Segments

Die Entscheidung, den VLeo-Bereich für diese neue Technologie zu erschließen, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer strategischen Überlegung zur Zukunft der Raumfahrtinfrastruktur. Bisher konzentrierte sich die kommerzielle Raumfahrt vor allem auf den Low Earth Orbit (Leo), in dem sich bereits Tausende von Satelliten befinden, allen voran die umfangreichen Starlink-Konstellationen von SpaceX. Diese hohe Dichte an Objekten führt zu einer zunehmenden Problematik: Das Risiko von Kollisionen mit anderen Satelliten oder gefährlichem Weltraumschrott steigt stetig an. Der VLeo-Bereich hingegen ist bisher weitgehend ungenutzt und bietet daher eine attraktive Alternative für Betreiber, die ihre Missionen in geringerer Höhe durchführen möchten. Ein weiterer entscheidender Vorteil des VLeo ist das natürliche Verhalten von Objekten bei einem Defekt: Sollte ein Satellit in dieser niedrigen Umlaufbahn ausfallen, sorgt der vorhandene Luftwiderstand dafür, dass das Raumfahrzeug deutlich schneller in die dichteren Schichten der Erdatmosphäre absinkt und dort kontrolliert verglüht. Dies reduziert die langfristige Ansammlung von Weltraumschrott signifikant. Kreios Space sieht in dieser Eigenschaft eine essenzielle Komponente für eine nachhaltigere Infrastruktur im Weltraum, da sie die Problematik der dauerhaften Vermüllung des Orbits aktiv adressiert.

Die Akteure hinter der Innovation

Die treibende Kraft hinter diesem Projekt ist das spanische Unternehmen Kreios Space, das sich auf die Entwicklung von Satelliten spezialisiert hat, die einen dauerhaften Betrieb in sehr niedrigen Umlaufbahnen ermöglichen. Adrián Senar, der CEO von Kreios Space, betonte in einer offiziellen Stellungnahme vom 4. August 2026 die strategische Bedeutung dieser Entwicklung. Seinen Ausführungen zufolge ermöglicht die neue Antriebstechnologie nicht nur eine längere Verweildauer im Orbit, sondern auch eine signifikant verbesserte Qualität der Erdbeobachtung und präzisere, reaktionsschnellere Missionen. Die Zusammenarbeit mit Kongsberg Nano-Avionics, einem in Litauen ansässigen Spezialisten für Satellitenplattformen, unterstreicht den internationalen Charakter des Vorhabens. Während Kreios Space die technologische Vision und das Antriebssystem verantwortet, liefert Kongsberg Nano-Avionics die Hardware-Basis in Form des MP42-Satellitenbusses. Diese institutionelle Partnerschaft ist entscheidend, um die komplexe ABEP-Technologie in einem realen Weltraumszenario zu validieren und die notwendige Zuverlässigkeit für zukünftige kommerzielle Anwendungen unter Beweis zu stellen.

Einordnung der technologischen Ambitionen

Einzuordnen ist das Vorhaben von Kreios Space als einen Versuch, die physikalischen Grenzen der aktuellen Satellitentechnik zu verschieben. Den Berichten zufolge stellt der Übergang von flüssigkeitsbasierten Triebwerken hin zu luftatmenden Systemen einen Paradigmenwechsel dar. Während herkömmliche Triebwerke durch die Menge des mitgeführten Treibstoffs in ihrer Lebensdauer limitiert sind, könnte das ABEP-Prinzip die Betriebsdauer in VLeo-Umlaufbahnen theoretisch nur durch die Lebensdauer der Hardware selbst begrenzen. Dies ist aus Sicht der Industrie ein entscheidender Faktor für die Wirtschaftlichkeit. Einzuordnen ist dies zudem in den Kontext der wachsenden Megakonstellationen im Weltraum. Da der Leo-Bereich zunehmend überfüllt ist, suchen Betreiber nach Ausweichmöglichkeiten. Die Nutzung des VLeo durch ABEP-Satelliten könnte die Stauung im Leo verringern und gleichzeitig die Leistungsparameter für Anwendungen wie hochauflösende Bildgebung oder latenzarme Kommunikation verbessern. Die Technologie ist somit ein wichtiger Baustein für eine technologische Diversifizierung der erdnahen Raumfahrt, wobei die tatsächliche Leistungsfähigkeit unter realen Bedingungen erst noch durch den angekündigten Testlauf bewiesen werden muss.

Offene Fragen und verbleibende Unbekannte

Trotz der detaillierten Ankündigungen bleiben wesentliche Aspekte des Projekts derzeit noch unbeantwortet. Eine der zentralen Lücken im Informationsstand betrifft den exakten Zeitplan für den Start der Mission. Zwar wird auf der Unternehmensseite das Jahr 2027 als grobes Ziel für die erste Weltraummission genannt, doch ein verbindlicher Starttermin steht bislang aus. Ebenso fehlen konkrete Angaben zu den physikalischen Parametern des Tests, etwa zur genauen Zusammensetzung der ionisierten Gase oder zur Effizienz des Antriebs bei unterschiedlichen atmosphärischen Dichten in der VLeo-Region. Auch ist noch unklar, welche spezifischen Sensoren oder Nutzlasten der MP42-Satellitenbus bei diesem ersten Testlauf tragen wird, um die Leistungsdaten des Antriebs zu erfassen. Es bleibt zudem offen, wie die Langzeitstabilität der Triebwerkskomponenten unter den korrosiven Bedingungen der atomaren Sauerstoffumgebung in diesen niedrigen Höhen gewährleistet wird. Diese technischen Details sind entscheidend für die Bewertung, ob die Technologie über einen kurzen Testlauf hinaus auch für kommerzielle Langzeitmissionen skalierbar ist. Die Öffentlichkeit und die Fachwelt müssen hier auf weitere Informationen seitens Kreios Space warten, um das volle Potenzial der ABEP-Technologie abschließend beurteilen zu können.

Ausblick auf die kommenden Schritte

Für die nähere Zukunft hat Kreios Space die Vorbereitungen für den ersten Weltraumtest intensiviert. Nachdem die grundlegende Konzeption des luftatmenden Elektroantriebs steht und die Partnerschaft mit Kongsberg Nano-Avionics für die Bereitstellung des Satellitenbusses gefestigt ist, liegt der Fokus nun auf der finalen Integration und den erforderlichen Bodentests. Der Zeitplan sieht das Jahr 2027 als maßgebliches Ziel für den Start der ersten Mission vor. Bis dahin müssen noch zahlreiche technische Herausforderungen bewältigt werden, insbesondere die Validierung des Antriebssystems unter simulierten Weltraumbedingungen. Sobald der Starttermin konkretisiert wird, wird sich zeigen, ob die spanischen Entwickler in der Lage sind, ihre theoretischen Modelle in die Praxis umzusetzen. Der Erfolg dieser Mission könnte den Weg für eine neue Generation von Satelliten ebnen, die den VLeo-Bereich effizient nutzen und damit die Art und Weise, wie wir den erdnahen Weltraum für Kommunikation und Erdbeobachtung verwenden, nachhaltig verändern könnten. Alle weiteren Schritte hängen nun von der erfolgreichen Fertigstellung des Prototyps und der Verfügbarkeit einer geeigneten Trägerrakete ab, die den Satelliten in die geplante niedrige Umlaufbahn befördert.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/strasse-geparkt-graffiti-kunst-kraftfahrzeuge-13572440/ · Foto: BRIAN GOMEZ
Quelle: https://www.golem.de/news/kreios-space-erster-luftatmender-satellit-soll-bald-im-weltall-getestet-werden-2608-211928.html