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Kolumne „Richtig essen“: Entzündetes Zahnfleisch belastet den ganzen Körper
Schlagzeilen · 24.08.2026 06:24

Kolumne „Richtig essen“: Entzündetes Zahnfleisch belastet den ganzen Körper

Kurz: Entzündetes Zahnfleisch ist mehr als ein lokales Problem. Der Internist Andreas Michalsen erklärt, wie Parodontitis das Risiko für schwere Erkrankungen erhöht.

Ein unterschätztes Gesundheitsrisiko im Mundraum

Die Gesundheit des menschlichen Körpers ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Systeme, das oft an unerwarteten Stellen beginnt. Wie der Internist, Ernährungsmediziner und Fastenarzt Prof. Dr. med. Andreas Michalsen in seiner Kolumne „Richtig essen“ darlegt, hat der Zustand unserer Zähne und unseres Zahnfleisches einen weitreichenden Einfluss auf das allgemeine Wohlbefinden. Entgegen der weitläufigen Annahme, dass zahnmedizinische Probleme lediglich den Mundraum betreffen, zeigen aktuelle medizinische Erkenntnisse, dass eine Parodontitis – also eine entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparates – weitreichende systemische Folgen haben kann. Wer unter chronischen Entzündungen im Mund leidet, setzt seinen gesamten Organismus einem erhöhten Risiko aus. Die Verbindung zwischen der Mundgesundheit und lebensbedrohlichen Ereignissen wie Herzinfarkten oder Schlaganfällen ist dabei wissenschaftlich bemerkenswert. Auch die Entwicklung neurodegenerativer Prozesse, wie sie bei einer Demenz auftreten, steht laut Michalsen in einem überraschend engen Zusammenhang mit der bakteriellen Belastung im Mundraum. Es handelt sich somit keineswegs um ein rein kosmetisches oder lokales Problem, sondern um eine medizinische Herausforderung, die präventive Aufmerksamkeit erfordert.

Die Rolle der Prophylaxe und die Macht des Zuckers

In der modernen Zahnmedizin wurden in den vergangenen Jahrzehnten beachtliche Fortschritte erzielt. Die regelmäßige Zahnpflege, die bereits im Kindesalter durch gezielte Check-ups etabliert wird, sowie die professionelle Zahnprophylaxe für Erwachsene haben dazu beigetragen, dass Karies heute deutlich effizienter bekämpft werden kann als noch vor einigen Generationen. Dennoch bleibt das Problem der Parodontitis bestehen, da es oft schleichend verläuft und von Betroffenen nicht sofort als akute Gefahr wahrgenommen wird. Ein entscheidender Faktor bei der Entstehung von Entzündungsprozessen ist nach Einschätzung von Prof. Dr. med. Andreas Michalsen die Ernährung. Insbesondere der allgemeine Zuckerkonsum spielt hierbei eine zentrale Rolle. Eine Reduktion der Zuckeraufnahme könnte die gesundheitliche Bilanz der Bevölkerung maßgeblich verbessern, da Zucker den Nährboden für schädliche Bakterien im Mikrobiom des Mundes bildet. Wenn es gelänge, das Gleichgewicht der oralen Mikroflora durch eine bewusstere Ernährung zu stabilisieren, ließen sich nicht nur Karies, sondern auch entzündliche Prozesse am Zahnfleisch effektiver eindämmen, was wiederum die systemische Belastung für Herz, Gefäße und Gehirn senkt.

Der Zusammenhang zwischen Entzündungen und systemischen Leiden

Der Hintergrund dieser medizinischen Zusammenhänge liegt in der Art und Weise, wie Entzündungsherde im Körper kommunizieren. Wenn das Zahnfleisch dauerhaft entzündet ist, gelangen Bakterien und Entzündungsstoffe in den Blutkreislauf. Dieser Prozess kann chronische Entzündungsvorgänge im gesamten Körper befeuern, die wiederum die Gefäßwände schädigen oder entzündliche Prozesse im Gehirn begünstigen können. Einzuordnen ist das so, dass der Mundraum als Eintrittspforte für pathogene Keime fungiert, die bei einem geschwächten Immunsystem oder einer bereits bestehenden Vorbelastung des Herz-Kreislauf-Systems fatale Folgen haben können. Die Forschung hat in den letzten Jahren immer deutlicher belegt, dass die Barriere zwischen der Mundhöhle und dem restlichen Organismus durchlässiger ist, als man lange Zeit annahm. Die chronische Entzündung des Zahnhalteapparates fungiert dabei als ein kontinuierlicher Stressfaktor für das Immunsystem. Den Berichten zufolge ist die Prävention von Parodontitis daher nicht nur eine Frage der ästhetischen Zahnpflege, sondern ein wesentlicher Bestandteil der allgemeinen Gesundheitsvorsorge, um das Risiko für schwerwiegende chronische Erkrankungen im Alter zu minimieren.

Offene Fragen zur therapeutischen Umsetzung

Obwohl die wissenschaftliche Verbindung zwischen Parodontitis und systemischen Erkrankungen wie Demenz oder Herz-Kreislauf-Problemen durch den Experten klar benannt wird, bleiben im Quelltext einige Fragen unbeantwortet. Es wird beispielsweise nicht detailliert erläutert, welche spezifischen Ernährungsformen – abgesehen von der Reduktion des Zuckerkonsums – das orale Mikrobiom am effektivsten unterstützen könnten. Auch die Frage, ab welchem Stadium der Parodontitis die systemischen Auswirkungen kritisch werden und welche Rolle genetische Faktoren bei der individuellen Anfälligkeit für diese Entzündungsprozesse spielen, wird nicht weiter vertieft. Ebenso fehlen konkrete Empfehlungen, wie oft eine professionelle Zahnreinigung idealerweise durchgeführt werden sollte, um das Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle signifikant zu senken. Die Lücke zwischen der allgemeinen Erkenntnis der Gefahr und der konkreten, individuell anpassbaren Handlungsanweisung bleibt für den Laien somit bestehen. Es wird lediglich die allgemeine Richtung vorgegeben, ohne jedoch eine klinische Anleitung für die tägliche Praxis zu liefern, was die Komplexität der individuellen Gesundheitsvorsorge unterstreicht.

Der Weg zur langfristigen Mundgesundheit

Wie es weitergeht, hängt maßgeblich vom Bewusstsein der Patienten und der Integration zahnmedizinischer Vorsorge in den allgemeinen Gesundheitscheck ab. Die Ausführungen von Prof. Dr. med. Andreas Michalsen legen nahe, dass eine engere Verzahnung zwischen internistischer Diagnostik und zahnärztlicher Prophylaxe notwendig ist. Zukünftige Ansätze könnten vermehrt darauf abzielen, Patienten über die systemischen Gefahren der Parodontitis aufzuklären, anstatt den Fokus nur auf den Erhalt der Zahnsubstanz zu legen. Die Entscheidung für eine zuckerarme Ernährung bleibt dabei ein zentraler, eigenverantwortlicher Schritt, den jeder Einzelne sofort umsetzen kann. Da die Forschung zum Mikrobiom stetig voranschreitet, ist davon auszugehen, dass in Zukunft noch präzisere Empfehlungen zur Ernährung und zur Pflege der Mundflora folgen werden. Bis dahin bleibt der Appell des Experten bestehen: Die tägliche Mundhygiene und die regelmäßige Kontrolle beim Zahnarzt sind essenzielle Säulen, um den gesamten Körper vor den weitreichenden Folgen chronischer Entzündungen zu schützen. Die Prävention beginnt im Mund, doch ihre Wirkung reicht bis tief in das Herz-Kreislauf-System und das Gehirn hinein.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/teller-gemuse-hande-menschen-6950750/ · Foto: Kampus Production
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kolumnen/richtig-essen/andreas-michalsen-wie-entzuendetes-zahnfleisch-den-ganzen-koerper-belastet-accg-201150495.html