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Kein Klick nötig: Schadcode-Lücke gefährdet unzählige Zoom-Nutzer
Technik · 12.08.2026 11:49

Kein Klick nötig: Schadcode-Lücke gefährdet unzählige Zoom-Nutzer

Kurz: Eine kritische Sicherheitslücke in Zoom ermöglicht Angreifern die Ausführung von Schadcode ohne Nutzerinteraktion. Updates sind dringend erforderlich.

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

Ein schwerwiegendes Sicherheitsproblem in der weit verbreiteten Videokonferenzsoftware Zoom stellt derzeit ein erhebliches Risiko für Anwender weltweit dar. Wie am 12. August 2026 bekannt wurde, existiert eine kritische Sicherheitslücke, die es Angreifern ermöglicht, aus einem laufenden Meeting heraus Schadcode auf den Geräten anderer Teilnehmer auszuführen. Das Besondere und zugleich besonders Gefährliche an diesem Einfallstor ist, dass für den erfolgreichen Angriff keine Interaktion des betroffenen Nutzers erforderlich ist. Ein bloßer Klick oder eine Bestätigung durch das Opfer ist nicht notwendig, um die Kontrolle über das Endgerät zu erlangen. Die Sicherheitsforscher, die diese Schwachstelle identifiziert haben, bezeichnen die Lücke als „Zoomsday“. Angesichts des hohen Schweregrades der Bedrohung hat der Anbieter Zoom reagiert und entsprechende Sicherheitsupdates für seine Software veröffentlicht. Nutzer der Plattform sind dazu aufgerufen, ihre Client-Software umgehend auf die neuesten Versionen zu aktualisieren, um sich vor potenziellen Angriffen zu schützen. Die Situation verdeutlicht, wie verwundbar selbst etablierte Kommunikationswerkzeuge gegenüber gezielten Attacken sein können, wenn Sicherheitslücken in den zugrunde liegenden Protokollen ausgenutzt werden.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen und technische Hintergründe

Die als CVE-2026-53413 registrierte Schwachstelle weist laut dem Common Vulnerability Scoring System (CVSS) einen hohen Schweregrad von 8,3 auf. Verantwortlich für die Lücke sind laut der technischen Analyse mögliche Schreibvorgänge, die außerhalb der vorgegebenen Grenzen eines Puffers stattfinden, was in der Informatik als Pufferüberlauf bekannt ist. Entdeckt wurde das Problem von den Sicherheitsforschern von A Security, die ihre Ergebnisse in einem Blogbeitrag detailliert dokumentiert haben. Ein bemerkenswerter Aspekt ist die Entstehungsgeschichte der Entdeckung: Die Forscher nutzten künstliche Intelligenz, um die Schwachstelle aufzuspüren. Dabei benötigten sie weniger als 20 Prompts bei öffentlich verfügbaren KI-Modellen, um die Sicherheitslücke in einem Zeitraum von unter 24 Stunden zu identifizieren. Die Lücke selbst klafft in der Anmerkungsfunktion von Zoom, welche auf einem proprietären Protokoll basiert. Da dieses Protokoll einen direkten Kanal zwischen einem Betrachter und einem Teilnehmer, der Inhalte teilt, eröffnet, können Angreifer gezielt einzelne Teilnehmer innerhalb eines Meetings ins Visier nehmen. Die Ausführung des Schadcodes bleibt für das Opfer dabei vollständig unbemerkt, da keine visuellen Anzeichen auf dem Bildschirm auf den Angriff hindeuten.

Hintergrund – Der Weg zur Entdeckung und bisheriger Verlauf

Die Sicherheitsforscher von A Security hatten die Lücke bereits am 10. Juni 2026 an Zoom gemeldet. Die Tatsache, dass eine solche Schwachstelle innerhalb von weniger als einem Tag durch den Einsatz von KI-Modellen gefunden werden konnte, wirft ein neues Licht auf die Geschwindigkeit, mit der moderne Sicherheitsanalysen durchgeführt werden können. Das Problem liegt tief in der Architektur der Anmerkungsfunktion von Zoom begraben. Da die Funktion auf einem speziellen, proprietären Protokoll aufbaut, war sie bisher möglicherweise nicht im Fokus der üblichen Sicherheitsüberprüfungen. Sobald ein Angreifer speziell gestaltete Nachrichten an den Zoom-Client eines Teilnehmers sendet, kann er das Zielgerät kompromittieren. Die Auswirkungen sind gravierend: Ein Angreifer kann nach der erfolgreichen Codeausführung persönliche Daten entwenden, unbemerkt das Mikrofon oder die Kamera aktivieren, um das Ziel auszuspionieren, oder weitere Schadsoftware auf dem System des Opfers installieren. In einer großen Telefonkonferenz stellt dies ein massives Risiko dar, da ein Angreifer theoretisch einen ganzen Raum voller Teilnehmer durch den Versand einer einzigen Nachricht gleichzeitig angreifen könnte.

Die Beteiligten – Wer ist betroffen und wer entscheidet?

Von der Sicherheitslücke sind nahezu alle gängigen Zoom-Clients betroffen. Dies umfasst die Betriebssysteme Windows, MacOS, iOS, Android und Linux, sofern sie in einer Version bis einschließlich 7.0.5 genutzt werden. Die betroffenen Nutzer sind somit sowohl Anwender in privaten Haushalten als auch in professionellen Unternehmensumgebungen, die auf die Videokonferenzlösung angewiesen sind. Die Sicherheitsforscher von A Security fungierten als Entdecker und Analytiker, die das Unternehmen Zoom über die Schwachstelle informierten. Zoom selbst ist als Anbieter der Software für die Bereitstellung der notwendigen Patches verantwortlich. Das Unternehmen hat im Juli 2026 reagiert und entsprechende Updates für die betroffenen Produktlinien bereitgestellt. Neben den Anwendern und dem Softwarehersteller sind auch die IT-Abteilungen von Unternehmen in der Pflicht, die zeitnahe Verteilung der Updates auf die Arbeitsplatzrechner sicherzustellen. Die Kommunikation der Sicherheitslücke erfolgte transparent über die Sicherheitsforscher, um die Nutzer zur schnellen Reaktion zu bewegen, während Zoom die technische Umsetzung der Fehlerbehebung in den verschiedenen Client-Varianten übernahm.

Einordnung – Was bedeutet das für die Sicherheit?

Die Einordnung dieser Sicherheitslücke ist aufgrund der „Zero-Click“-Charakteristik als besonders kritisch zu bewerten. Den Berichten zufolge ist es für einen Angreifer möglich, die Kontrolle über ein fremdes System zu übernehmen, ohne dass das Opfer den Angriff aktiv durch eine Handlung wie einen Klick oder einen Download einleiten muss. Dies hebt die Bedrohungslage auf eine neue Stufe, da herkömmliche Warnsignale für Nutzer – wie etwa eine unerwartete Aufforderung zur Interaktion – ausbleiben. Einzuordnen ist das so, dass die Anmerkungsfunktion, die eigentlich der Zusammenarbeit dienen soll, zu einem Einfallstor für Spionage und Schadsoftware umfunktioniert wurde. Dass die Lücke zudem mittels KI gefunden wurde, unterstreicht den technologischen Wandel in der Cybersicherheit. Für die Nutzer bedeutet dies, dass sie sich nicht mehr allein auf ihr eigenes vorsichtiges Verhalten verlassen können, sondern zwingend auf die technische Integrität der Software angewiesen sind. Die Tatsache, dass neben der Hauptlücke noch zwei weitere Sicherheitslücken gefunden wurden, zeigt zudem, dass die Software in diesem Bereich einer intensiven Überprüfung bedurfte.

Offene Fragen – Was der Quelltext nicht beantwortet

Obwohl die technische Natur der Sicherheitslücke und die betroffenen Versionen klar benannt sind, bleiben einige Fragen im Dunkeln. Der Quelltext macht beispielsweise keine Angaben dazu, ob die Lücke vor der Veröffentlichung des Patches bereits aktiv von Kriminellen ausgenutzt wurde oder ob es Hinweise auf tatsächliche Angriffe in freier Wildbahn gibt. Auch bleibt offen, wie viele Nutzer weltweit tatsächlich durch die Lücke gefährdet waren, bevor die Updates ausgerollt wurden. Ebenso werden keine Details darüber genannt, welche spezifischen KI-Modelle die Forscher für ihre Analyse verwendet haben, um die Schwachstelle in unter 24 Stunden zu finden. Es wird zudem nicht explizit ausgeführt, ob Zoom bereits vor dem 10. Juni 2026 Kenntnis von der Schwachstelle hatte oder ob diese bis zur Meldung durch A Security vollständig unentdeckt blieb. Auch die genaue Art der „speziell gestalteten Nachrichten“, die für den Angriff notwendig sind, wird aus Sicherheitsgründen nicht im Detail erläutert, was zwar verständlich ist, aber die technische Komplexität der Ausführung für Laien schwer greifbar macht.

Wie es weitergeht – Angekündigte Schritte und Maßnahmen

Die wichtigste Maßnahme ist die Installation der bereitgestellten Updates. Für Zoom Workplace wurden im Juli die Versionen 7.1.5 und 7.0.6 veröffentlicht, die die Lücke schließen. Nutzer des Zoom Workplace VDI Clients für Windows sollten sicherstellen, dass sie mindestens die Version 7.0.11 oder 6.6.16 verwenden. Für Zoom Rooms und das Zoom Meeting SDK wurde die Lücke mit der Version 7.1.0 behoben. Diese Updates adressieren nicht nur die „Zoomsday“-Lücke, sondern schließen auch zwei weitere Schwachstellen, die als CVE-2026-53414 und CVE-2026-53415 registriert sind. Eine dieser zusätzlichen Lücken ermöglicht ebenfalls eine Codeausführung aus der Ferne durch einen Use-after-free-Bug, während die andere einen Absturz der Software provozieren kann. Für Anwender besteht der nächste logische Schritt darin, die installierte Softwareversion zu überprüfen und gegebenenfalls den Update-Prozess manuell zu starten oder die automatische Update-Funktion zu nutzen. Die IT-Sicherheitscommunity wird die weitere Entwicklung der Zoom-Software sicher genau beobachten, um zu sehen, ob durch die KI-gestützte Analyse noch weitere bisher unentdeckte Schwachstellen in den proprietären Protokollen des Herstellers ans Licht kommen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/futuristische-benutzeroberflache-auf-einem-laptop-mit-neon-tastatur-38117127/ · Foto: Rafael Minguet Delgado
Quelle: https://www.golem.de/news/kein-klick-noetig-luecke-ermoeglicht-heimliche-schadcode-attacken-ueber-zoom-meetings-2608-211845.html