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Kehrtwende - Berichte über AfD-Leaks: Interne Mails belegen Weidels Abkehr von Distanzierung zum rechten Flügel
Schlagzeilen · 26.10.2026 00:59

Kehrtwende - Berichte über AfD-Leaks: Interne Mails belegen Weidels Abkehr von Distanzierung zum rechten Flügel

Kurz: Interne E-Mails aus AfD-Leaks offenbaren eine deutliche Kehrtwende von Parteichefin Alice Weidel in ihrer Haltung gegenüber dem rechten Parteiflügel.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

In der politischen Debatte um die Ausrichtung der AfD sind brisante interne Dokumente an die Öffentlichkeit gelangt. Wie Medienberichte des Magazins Focus und der Zeitung Die Welt übereinstimmend darlegen, belegen geleakte E-Mail-Verläufe eine signifikante Diskrepanz zwischen dem heutigen Auftreten der AfD-Parteispitze und ihrer internen Kommunikation in den Jahren 2015 bis 2017. Die Dokumente, die nach einem Hackerangriff auf Server der Partei im Internet kursierten, zeigen, dass die heutige Parteivorsitzende Alice Weidel in jener Zeit eine deutlich kritischere Haltung gegenüber dem rechten Flügel der Partei einnahm, als es ihr aktuelles öffentliches Auftreten vermuten lässt. Die Veröffentlichungen werfen ein neues Licht auf die strategische Entwicklung der AfD und die Rolle ihrer Führungspersonen bei der Transformation der Partei hin zu einer stärkeren Rechtsorientierung. Die Korrespondenzen verdeutlichen, dass Weidel bereits frühzeitig vor einer Radikalisierung warnte, die nun, Jahre später, zu einer zentralen politischen Herausforderung für die Partei geworden ist.

Die Einzelheiten der internen Kommunikation

Die nun bekannt gewordenen E-Mails zeichnen das Bild einer Alice Weidel, die sich in ihrer Funktion als Mitglied des Bundesvorstands aktiv gegen bestimmte Strömungen innerhalb ihrer eigenen Partei positionierte. Den Berichten zufolge äußerte sie sich explizit kritisch über prominente Akteure des rechten Lagers. So kritisierte sie den thüringischen AfD-Landeschef Björn Höcke scharf für dessen rassistische Äußerungen. Ebenso distanzierte sie sich deutlich von dem damaligen baden-württembergischen Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon, dessen antisemitische Aussagen sie als untragbar einstufte. In ihren Nachrichten an ihre Kollegen im Bundesvorstand warnte Weidel eindringlich vor den Konsequenzen dieser Entwicklung. Sie prognostizierte, dass die AfD die bürgerliche Mitte als Wählerklientel verlieren könnte, sollte der Kurs nicht korrigiert werden. Besonders alarmierend empfand sie damals die drohende Beobachtung durch den Verfassungsschutz, vor der sie ihre Vorstandskollegen explizit warnte. Mit dem drastischen Appell „Wacht endlich auf!“ versuchte sie, ihre Parteikollegen wachzurütteln und vor einer unkontrollierbaren Entwicklung der Partei zu warnen.

Hintergrund der parteiinternen Entwicklung

Die veröffentlichten E-Mails stammen aus einem Zeitraum, in dem sich die AfD in einer Phase der internen Konsolidierung und zugleich der ideologischen Neuausrichtung befand. Zwischen 2015 und 2017 war die Partei geprägt von heftigen Flügelkämpfen, bei denen es um die Frage ging, wie weit sich die AfD nach rechts öffnen sollte. Weidels damalige Vorstöße lassen sich als Versuch interpretieren, die Partei als bürgerlich-konservative Kraft zu etablieren und eine Stigmatisierung durch staatliche Sicherheitsbehörden zu vermeiden. Dass diese internen Warnungen nun durch einen Hackerangriff an die Öffentlichkeit gelangt sind, ist ein Zufallsprodukt der digitalen Sicherheitssituation der Partei. Die Dokumente belegen, dass die Sorge vor einer „nicht mehr beherrschbaren“ Veränderung der AfD bereits damals ein zentrales Thema im Bundesvorstand war. Die heutige Situation, in der Weidel als Parteichefin eine andere Linie vertritt, steht in einem krassen Kontrast zu diesen frühen Versuchen, den Einfluss des rechten Flügels einzudämmen und die Partei vor einer extremistischen Vereinnahmung zu schützen.

Die Beteiligten und ihre Rollen

Im Zentrum der Berichterstattung steht Alice Weidel, die als heutige Parteivorsitzende die AfD maßgeblich prägt. Die E-Mails richten sich an ihre damaligen Kollegen im Bundesvorstand, deren Namen in den Berichten jedoch nicht im Detail aufgeführt werden. Als zentrale Zielscheiben ihrer damaligen Kritik werden Björn Höcke, der Landesvorsitzende in Thüringen, und der ehemalige baden-württembergische Landtagsabgeordnete Wolfgang Gedeon genannt. Während Höcke weiterhin eine zentrale und einflussreiche Figur im rechten Spektrum der Partei darstellt, ist Gedeon eine Figur der Vergangenheit. Die Berichterstattung stützt sich auf die Auswertung der geleakten Daten durch die Redaktionen von Focus und Die Welt, die die E-Mail-Verläufe einsehen konnten. Die Institutionen, die in den Mails als drohende Instanz genannt werden, ist der Verfassungsschutz, dessen Beobachtung Weidel damals als existenzielle Gefahr für die Partei wahrnahm. Die Dynamik zwischen diesen Akteuren verdeutlicht die interne Zerrissenheit der AfD in den Jahren ihrer Etablierung im deutschen Parteiensystem.

Einordnung der Ereignisse

Einzuordnen ist das so: Die Veröffentlichung der E-Mails konfrontiert die AfD-Spitze mit ihrer eigenen Vergangenheit. Den Berichten zufolge markieren die Dokumente eine deutliche Zäsur in der politischen Biografie Weidels. Während sie heute als eine der stärksten Integrationsfiguren des rechten Flügels gilt, zeigen die Mails eine Zeit, in der sie versuchte, genau diesen Flügel zu marginalisieren. Es stellt sich die Frage, ob es sich dabei um eine taktische Kehrtwende handelt, um in der Parteihierarchie aufzusteigen, oder ob sich ihre persönliche politische Überzeugung im Laufe der Jahre gewandelt hat. Die Berichte legen nahe, dass die Warnungen vor einer Radikalisierung damals durchaus ernst gemeint waren. Dass diese nun öffentlich werden, untergräbt die aktuelle Strategie der Parteiführung, die sich nach außen hin als geschlossene Einheit präsentiert. Die Diskrepanz zwischen den damaligen Warnungen vor dem Verfassungsschutz und der heutigen Rhetorik der Partei, die sich oft in einer Opferrolle gegenüber staatlichen Institutionen sieht, ist ein zentraler Aspekt der aktuellen politischen Debatte.

Offene Fragen und Lücken

Der Quelltext lässt einige Fragen unbeantwortet, die für das Gesamtbild von Bedeutung wären. So wird nicht erläutert, wie genau die E-Mails aus dem Hackerangriff an die Öffentlichkeit gelangten und welche weiteren Personen im Bundesvorstand damals auf Weidels Appelle reagierten. Es bleibt unklar, ob es nach den E-Mails zu formalen Sitzungen oder Beschlüssen kam, die eine Abkehr von Weidels damaligem Kurs einleiteten. Auch die Frage, ab welchem Zeitpunkt genau Weidel ihre Haltung änderte und ob dies durch interne Machtkämpfe erzwungen wurde, wird im Text nicht beantwortet. Ebenso fehlen Informationen darüber, wie die betroffenen Personen wie Björn Höcke auf die damaligen Vorwürfe reagierten oder ob es eine direkte Konfrontation innerhalb der Parteigremien gab. Die Lücken betreffen insbesondere die internen Entscheidungsprozesse, die nach den E-Mails folgten, und die konkreten Gründe, die Weidel dazu bewogen haben könnten, ihren damaligen Kurs aufzugeben und sich dem rechten Flügel anzunähern.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/alt-journalismus-konferenz-nachrichten-2040015/ · Foto: Rodolfo Quirós
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/berichte-ueber-afd-leaks-interne-mails-belegen-weidels-abkehr-von-distanzierung-zum-rechten-fluegel-100.html