Ein Abschied auf der Champs-Élysées
Wenn die Tour de France in Paris endet, ist das für die meisten Radprofis der Höhepunkt einer kräftezehrenden Reise. Für John Degenkolb aus Oberursel hatte die diesjährige Ankunft auf der berühmten Prachtstraße eine ganz besondere Note: Es war das zehnte Mal, dass der 37-Jährige das Ziel der Frankreich-Rundfahrt erreichte – und nach eigenen Angaben auch das letzte Mal.
Die Atmosphäre am Montmartre, wo tausende Fans die Fahrer anfeuerten, nutzte Degenkolb bewusst, um den Moment auszukosten. Während Spitzenfahrer wie Tadej Pogacar oder Mathieu van der Poel noch um die letzten Sekunden kämpften, konnte der Hesse den Augenblick genießen. Er habe sich bewusst Zeit genommen, die Stimmung aufzusaugen, als er das Feld der Überflieger ziehen lassen musste.
Zehn Teilnahmen: Eine Bilanz der Beständigkeit
Seit seinem Debüt im Jahr 2013 war die Tour de France ein fester Bestandteil von Degenkolbs Karriere. In zehn Teilnahmen hat der Radprofi Höhen und Tiefen erlebt. Als sportlichen Höhepunkt seiner Tour-Historie bezeichnet er den Tagessieg in Roubaix im Jahr 2018 – ein Erfolg, der in der Radsportwelt als Moment für die Ewigkeit gilt.
In der Gesamtwertung der 113. Ausgabe der Tour spielte Degenkolb, der als Anführer seines Teams Picnic PostNL fungierte, keine Rolle im Kampf um das Gelbe Trikot. Mit dem 145. Platz in der Gesamtwertung und Rang 89 beim Finale in Paris ordnet er sich statistisch im hinteren Feld ein. Doch für den Routinier sind diese Zahlen zweitrangig. Vielmehr betont er die Dankbarkeit, nach einem "mega-harten Rennen" das Ziel erreicht zu haben und Erlebnisse gesammelt zu haben, die bleiben.
Ausblick: Fokus auf den Klassiker
Obwohl Degenkolb seine Tour-Karriere für beendet erklärt hat, hängt er das Rad noch nicht an den Nagel. Sein Vertrag beim niederländischen Team Picnic PostNL wurde kürzlich um ein weiteres Jahr verlängert. Damit bleibt der Profi dem Radsport erhalten, setzt jedoch andere Prioritäten.
Besonders im Fokus steht für 2027 der Radklassiker Eschborn-Frankfurt. Als Lokalmatador aus Oberursel ist ein Start bei diesem Rennen für ihn von hoher Bedeutung. Während die Tour de France künftig ohne ihn stattfinden wird, bleibt Degenkolb seinem Sport treu und konzentriert sich auf die verbleibenden Ziele seiner aktiven Laufbahn. Für ihn schließt sich mit der zehnten Zielankunft in Paris ein Kapitel, das er als persönlich sehr bereichernd beschreibt.