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Iran: Sechs Monate Krieg und kein Ende in Sicht
Politik · 28.08.2026 04:38

Iran: Sechs Monate Krieg und kein Ende in Sicht

Kurz: Sechs Monate nach Beginn der US-israelischen Militäroperation gegen den Iran bleibt die Lage festgefahren. Ein Regimewechsel blieb aus, die Region sucht neu.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Am 28. Februar 2026 begann eine militärische Zäsur im Nahen Osten, als die Vereinigten Staaten unter Präsident Trump gemeinsam mit Israel ein massives Luftbombardement gegen den Iran starteten. Die ursprünglichen Erwartungen, die sowohl in Washington als auch in Jerusalem gehegt wurden, zielten auf einen schnellen militärischen Durchmarsch ab, der das iranische Regime in die Knie zwingen sollte. Doch sechs Monate später, zum Stand vom 28. August 2026, ist das Szenario eines schnellen Sieges in weite Ferne gerückt. Der Konflikt hat sich zu einem langwierigen und festgefahrenen Krieg entwickelt, der die geopolitische Landkarte der Region nachhaltig verändert hat. Statt der erhofften Destabilisierung der iranischen Führung zeigt sich heute ein Bild, in dem der Iran militärisch nicht ausgeschaltet werden konnte. Die strategischen Ziele der Angreifer – sei es die Dezimierung des Atomprogramms oder ein forcierter Regimewechsel – wurden nicht erreicht. Vielmehr hat sich der Konflikt ausgeweitet und betrifft nun weite Teile der Golfregion, wobei die globale Wirtschaft durch die Bedrohung zentraler Handelswege wie der Straße von Hormus direkt mit den Folgen konfrontiert ist.

Die Einzelheiten des Konflikts

Die militärische Auseinandersetzung begann Ende Februar 2026 mit Luftschlägen, die international vielfach als völkerrechtlich nicht legitim eingestuft wurden. Der iranische, regimenahe Kolumnist Nadar Karimi, ein ehemaliges Mitglied der Revolutionsgarden, betont, dass der Iran trotz der massiven militärischen Übermacht der USA und Israels standgehalten habe. Die Vergeltungsmaßnahmen Teherans beschränkten sich dabei nicht nur auf US-Militärbasen in der Golfregion und Ziele in Israel. Der Raketenbeschuss wurde gezielt auf eine Vielzahl von Staaten ausgeweitet, darunter Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Bahrain, Katar, Jordanien und den Irak. Besonders kritisch für die Weltwirtschaft ist die Blockade der Straße von Hormus, die als zentraler Transportweg für Erdöl fungiert. Während die arabischen Nachbarstaaten versuchten, sich aus dem direkten Konflikt herauszuhalten, hat der Iran durch diesen Hebel eine erhebliche Erpressungsmacht gewonnen. Die Vereinten Nationen dokumentierten zudem im Januar 2026 – noch vor der Eskalation im Februar – die gewaltsame Niederschlagung von Protesten im Iran, bei denen tausende Demonstranten getötet wurden. Trotz dieser internen Spannungen und der wirtschaftlichen Sanktionen bleibt die Unterstützung durch verbündete Milizen wie die Hisbollah im Libanon, die Huthi im Jemen und verschiedene Gruppierungen im Irak bestehen.

Hintergrund und bisheriger Verlauf

Die Vorgeschichte des Konflikts ist geprägt von jahrzehntelanger politischer Isolation und wirtschaftlichen Sanktionen, gegen die der Iran eine Strategie des Überlebens entwickelt hat. Vor dem Ausbruch der Feindseligkeiten im Februar 2026 unterschätzten die USA und Israel offenbar die Resilienz des iranischen Staates. Die Annahme, der Iran könne durch gezielte Schläge schnell zum Zusammenbruch gebracht werden, erwies sich als Fehlkalkulation. Der Iran nutzte seine regionalen Stellvertretergruppen, um den Druck auf die Golfstaaten und die westlichen Interessen aufrechtzuerhalten. Während die USA ihre Rolle als Stabilitätsgarant in der Region aus Sicht vieler lokaler Akteure eingebüßt haben, hat sich der Iran nach innen hin gefestigt. Die wirtschaftliche Lage der iranischen Bevölkerung hat sich durch den Krieg zwar drastisch verschlechtert, doch das Regime nutzt dies, um den Zusammenhalt gegen den äußeren Feind zu propagieren. Die Entwicklung zeigt, dass die militärische Strategie der USA und Israels nicht zu der erhofften Schwächung der iranischen Machtstrukturen geführt hat, sondern vielmehr zu einer Konsolidierung der Hardliner innerhalb des Regimes in Teheran.

Die Beteiligten und ihre Positionen

Die Akteure in diesem Konflikt sind zahlreich und verfolgen teils widersprüchliche Interessen. US-Präsident Trump und der israelische Premierminister Netanjahu agierten als treibende Kräfte hinter den Angriffen, wobei Berichten zufolge Israel militärisch weiter gehen wollte als die Vereinigten Staaten. Auf der anderen Seite steht das iranische Regime unter Präsident Peseschkian, das trotz der Angriffe an seiner Macht festhält. Der Politologe Karabekir Akkoyunlu von der Universität Oxford analysiert, dass die politische Entwicklung im Iran eine unerwartete Wendung genommen hat: Statt einer Schwächung sei eine Clique extremerer Hardliner an die Macht gekommen, die den bisherigen Kurs des Ayatollah Chamenei sogar als pragmatisch erscheinen lässt. Auch regionale Akteure wie Saudi-Arabien, die Türkei, Pakistan, Indien und die Vereinigten Arabischen Emirate sind tief in die Geschehnisse verwickelt. Sie suchen nach neuen Allianzen, wie etwa dem sogenannten Mekka-Bündnis oder einer möglichen Wiederbelebung von Kooperationen zwischen den Emiraten, Israel und Indien, um ihre eigene Sicherheit in einer instabilen Umgebung zu gewährleisten. Der Oman ist zudem als Vermittler in Verhandlungen über die Straße von Hormus involviert.

Einordnung der geopolitischen Lage

Einzuordnen ist der aktuelle Zustand als eine Phase der regionalen Neuordnung, in der die bisherigen Machtverhältnisse in Frage gestellt werden. Den Berichten zufolge haben die USA ihre Position als unangefochtener Stabilitätsgarant verloren, was ein Machtvakuum hinterlassen hat, das nun durch neue, komplexe Bündniskonstellationen gefüllt werden soll. Die Einbeziehung von Mächten wie Indien, Pakistan und möglicherweise China wird von Experten als notwendiger Schritt für eine neue Sicherheitsarchitektur angesehen. Der Krieg hat zudem gezeigt, dass die Unterstützung für den Iran durch Milizen im Libanon, Irak und Jemen trotz der massiven Angriffe nicht nachgelassen hat, auch wenn der Iran den Libanon als strategischen Punkt nach Einschätzung von Beobachtern wie Karimi bereits verloren hat. Die Nostalgie und Loyalität dieser Gruppen gegenüber Teheran bleibt ein wesentlicher Faktor für die regionale Instabilität. Die Hoffnung, durch militärische Gewalt eine pro-westliche Transformation zu erzwingen, ist nach Ansicht von Akkoyunlu gescheitert; stattdessen hat sich eine politische Radikalisierung innerhalb des Irans vollzogen, die den Friedensprozess zusätzlich erschwert.

Offene Fragen und Zukunftsaussichten

Der Quelltext lässt zahlreiche Fragen offen, die für die weitere Entwicklung entscheidend sind. Es bleibt unklar, wie die USA auf die Festigung der Hardliner im Iran reagieren werden und ob Washington bereit ist, seinen Kurs grundlegend zu ändern. Ebenso ist nicht geklärt, welche konkreten Zugeständnisse die Golfstaaten bereit sind zu machen, um die Blockade der Straße von Hormus dauerhaft zu beenden. Die Rolle Chinas als potenzieller Unterstützer eines Friedensprozesses bleibt vage, da keine konkreten diplomatischen Schritte oder Zeitpläne für eine solche Beteiligung genannt werden. Wie es weitergeht, hängt maßgeblich von der Fähigkeit der regionalen Akteure ab, eine umfassende Vereinbarung zu treffen. Experten wie Akkoyunlu warnen, dass ohne eine Einigung, die auch die USA und China einbezieht, Instabilität und wiederkehrende Angriffe in den kommenden Jahren die Norm bleiben werden. Der Oman führt zwar Verhandlungen, doch ob diese zu einem belastbaren Abkommen führen, ist zum jetzigen Zeitpunkt ungewiss. Die Situation bleibt somit hochgradig volatil, ohne dass ein Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen oder eine politische Lösung in naher Zukunft absehbar wäre.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/wahrzeichen-touristenattraktion-ich-rannte-teheran-12618169/ · Foto: Reza Tavakoli
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-usa-israel-krieg-106.html