Neue Regeln für eine strategische Wasserstraße
Die Zukunft der Straße von Hormus, einer der bedeutendsten maritimen Handelsrouten der Welt, bleibt ungewiss. Aktuellen Berichten zufolge arbeitet der Iran gemeinsam mit dem Oman an einer Neuregelung für die Meerenge, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet. Im Zentrum der Überlegungen steht die Einführung von Gebühren für Handelsschiffe, die diese Passage nutzen.
Laut dem iranischen Außenamtssprecher Ismail Baghai soll die Abgabe als Gegenleistung für erbrachte Dienstleistungen dienen. Die beiden Anrainerstaaten planen demnach Mechanismen, um die Sicherheit auf See zu gewährleisten, den Umweltschutz zu verbessern und die Kriminalität in diesem sensiblen Bereich effektiver zu bekämpfen. Bislang war die Durchfahrt für Handelsschiffe kostenfrei, und auch vor Beginn der militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und Israel Ende Februar verlief der Schiffsverkehr weitgehend störungsfrei.
Mögliche finanzielle Auswirkungen
Die Pläne für eine Maut sind Gegenstand intensiver Spekulationen. Insidern zufolge wird über eine Gebühr diskutiert, die sich am Warenwert der transportierten Fracht orientiert. Im Gespräch ist für den Iran eine Abgabe zwischen fünf und sieben Prozent des Schiffswertes. Auch der Oman zieht laut Berichten eine Beteiligung in Betracht, wobei hier ein Satz von drei Prozent genannt wurde.
Die Straße von Hormus ist eine lebenswichtige Arterie für den globalen Transport von Öl, Gas und Düngemitteln. An ihrer engsten Stelle ist sie nur etwa 39 Kilometer breit. Da der Iran und der Oman jeweils eine Zwölf-Seemeilen-Zone für sich beanspruchen, überschneiden sich ihre Hoheitsgewässer, sodass dort faktisch keine internationalen Gewässer existieren.
Rechtliche und politische Konfliktlinien
Die Frage der Durchfahrtsrechte ist ein zentraler Streitpunkt im Konflikt zwischen dem Iran und den USA. Während das UN-Seerechtsübereinkommen (Unclos) ein Recht auf Transitdurchfahrt garantiert und Blockaden untersagt, erkennt der Iran diese Rechtslage in diesem speziellen Bereich nicht an.
Die politische Rhetorik bleibt derweil scharf. Der iranische Außenamtssprecher Baghai forderte die USA erneut auf, ihre „illegalen und zerstörerischen Handlungen“ einzustellen und Wiedergutmachung zu leisten. Zu den Forderungen Teherans gehören:
* Die Aufhebung der Blockade iranischer Häfen
* Die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte
* Die Beendigung der Wirtschaftssanktionen
* Entschädigungszahlungen für entstandene Kriegsschäden
Diese Forderungen, die früher im Kontext des iranischen Atomprogramms gestellt wurden, werden nun zur Bedingung für ein Abkommen gemacht, das primär die Wiedereröffnung der Straße von Hormus zum Ziel hat.
Die Perspektive der USA
Auf US-amerikanischer Seite ist das Ziel klar definiert: Vizepräsident JD Vance betonte, dass beim Öl- und Gastransport durch die Meerenge wieder das Vorkriegsniveau erreicht werden müsse. US-Präsident Donald Trump verglich die diplomatischen Bemühungen mit dem Iran kürzlich mit einer „Schachpartie“, die sich letztlich immer regeln werde. Baghai konterte diesen Vergleich und unterstrich die Entschlossenheit seines Landes, sich in den diplomatischen Verhandlungen professionell zu behaupten.
Ob die angestrebte Zusammenarbeit zwischen dem Iran und dem Oman tatsächlich zu einer Stabilisierung der Route führt oder die Spannungen weiter verschärft, bleibt abzuwarten. Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklung mit Sorge, da eine Beeinträchtigung dieser Schlüsselroute direkte Auswirkungen auf die globale Energieversorgung hätte.