Ein umstrittener Vorstoß der FIFA
Der Fußball-Weltverband FIFA unter der Führung von Gianni Infantino sorgt mit einem neuen Investorenmodell für erhebliche Unruhe. Im Kern des Vorhabens steht die Gründung einer neuen Gesellschaft, in der sämtliche kommerziellen Aktivitäten sowie die Organisation von Turnieren gebündelt werden sollen. Durch den Verkauf von Anteilen an dieser Gesellschaft strebt der Verband an, die Umsätze massiv zu steigern. Dieser Schritt markiert eine Zäsur in der Struktur des Weltverbandes, da erstmals private Kapitalgeber direkt an der Vermarktung der Weltmeisterschaft beteiligt werden könnten.
Finanzielle Anreize für die Mitgliedsverbände
Um die 211 Mitgliedsverbände von dem Plan zu überzeugen, stellt Infantino deutlich höhere Ausschüttungen in Aussicht. Während Verbände derzeit jährlich zwei Millionen US-Dollar erhalten, könnten diese Summen in einem Vierjahres-Zyklus ab 2027 auf fünf Millionen US-Dollar pro Jahr ansteigen. Für den Zeitraum von 2031 bis 2034 ist eine Steigerung auf 5,5 Millionen US-Dollar jährlich vorgesehen, bis die Summe im darauffolgenden Zyklus bis 2038 auf insgesamt 24 Millionen US-Dollar klettern soll. Während diese Beträge für finanzstarke Verbände wie den DFB oder die englische FA eher moderat wirken, stellen sie für kleinere Verbände in Regionen wie der Karibik oder Ozeanien eine signifikante finanzielle Unterstützung dar.
Der Abstimmungsprozess und die Fristen
Gianni Infantino betont, dass die Entscheidung über den Plan bei den Mitgliedsverbänden liege. Damit das Vorhaben umgesetzt werden kann, ist eine einfache Mehrheit von mindestens 106 der 211 Verbände erforderlich. Als Stichtag für die Zustimmung hat die FIFA den 19. September festgesetzt. Ob diese Mehrheit zustande kommt, bleibt abzuwarten, da die Interessenlagen innerhalb der Kontinentalverbände stark divergieren.
Massive Kritik aus Europa und darüber hinaus
Die Reaktionen auf die Ankündigung fielen prompt und scharf aus. Besonders die UEFA positionierte sich frühzeitig gegen das Vorhaben. Der europäische Verband kritisierte den Prozess als intransparent und betonte, dass der Fußball kein Eigentum der FIFA sei, das verkauft werden dürfe. Auch aus den Verbänden Asiens (AFC) und Nord- sowie Mittelamerikas (CONCACAF) wurde Kritik an der Vorgehensweise laut.
Der DFB-Präsident Bernd Neuendorf bemängelte zudem, dass das Council der FIFA, dem er selbst angehört, nicht in den Prozess eingebunden wurde. Auch auf Vereinsebene gibt es deutliche Ablehnung: Max Eberl, Sportvorstand des FC Bayern München, bezeichnete die Pläne als beschämend und sprach sich für einen Boykott durch die UEFA aus. Hans-Joachim Watzke, Chef der Bundesliga, wertete den Vorstoß als einen Angriff auf den Fußball, bei dem eine Grenze überschritten werde.
Politische Dynamiken und mögliche Folgen
Obwohl der Widerstand in Europa groß ist, scheint eine geschlossene Front gegen Infantino schwierig. Einige Verbände, wie etwa der tschechische, haben bereits signalisiert, die Vorteile des Plans für den eigenen Fußball zu sehen und eine Zusammenarbeit mit der FIFA anzustreben. Zudem kann Infantino auf die Unterstützung einflussreicher Verbände aus Afrika und Asien setzen.
Historisch betrachtet ist dies nicht der erste Versuch der FIFA, externe Investoren einzubinden. Bereits 2018 gab es Verhandlungen über eine Finanzspritze in Milliardenhöhe für die Klub-Weltmeisterschaft, die ebenfalls auf massiven Widerstand der UEFA stieß, welche ihr eigenes Produkt, die Champions League, schützen wollte. Sollte die UEFA jedoch geschlossen gegen den aktuellen Plan vorgehen, halten Experten wie DFB-Präsident Neuendorf es für unwahrscheinlich, dass die FIFA überhaupt Investoren finden wird. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor für das Vorhaben bleibt nach Berichten die US-Justiz, die als eine der Hürden für Infantinos Pläne gilt.