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Interview mit Georg Greve von Vereign: "Das Internet war nie für Vertraulichkeit ...
Technik · 12.08.2026 10:30

Interview mit Georg Greve von Vereign: "Das Internet war nie für Vertraulichkeit ...

Kurz: Georg Greve, CEO von Vereign, fordert eine neue Vertraulichkeitsarchitektur für das Internet, um die Abhängigkeit von US-Konzernen zu verringern.

Die Vision einer neuen Vertraulichkeitsarchitektur

Georg Greve, eine bekannte Persönlichkeit der Open-Source-Szene und aktueller CEO der in Zug ansässigen Vereign AG, hat eine grundlegende Debatte über die Struktur des modernen Internets angestoßen. In einem aktuellen Beitrag für den Newsletter „Chefs von Devs“ erläuterte der gebürtige Helgoländer seine Überzeugung, dass das Internet in seiner jetzigen Form an eine Grenze gestoßen ist, die nur durch eine neue, fundamentale Vertraulichkeitsarchitektur überwunden werden kann. Greve argumentiert, dass das Internet ursprünglich mit dem primären Ziel konzipiert wurde, Wissen zu teilen und Informationen auffindbar zu machen. Diese ursprüngliche Ausrichtung auf Transparenz und Austausch habe jedoch dazu geführt, dass Aspekte wie Datenschutz, Authentizität und Zugriffskontrolle von Beginn an vernachlässigt wurden. Um die Abhängigkeit von großen US-amerikanischen Technologiekonzernen zu reduzieren und sogenannte Single Points of Failure zu vermeiden, fordert Greve eine technologische Neuausrichtung. Sein Ansatz zielt darauf ab, Identitäten im digitalen Raum nicht mehr zentral durch Dritte verwalten zu lassen, sondern eine dezentrale, unabhängig verifizierbare Infrastruktur zu schaffen, die den Anforderungen an moderne Vertraulichkeit gerecht wird.

Konkrete Anwendung im Schweizer Gesundheitswesen

Die theoretischen Überlegungen von Georg Greve finden derzeit eine praktische Anwendung in einem ambitionierten Projekt innerhalb der Schweiz. Wie aus den Berichten hervorgeht, arbeitet eine Initiative, die sich aus Ärzten und Krankenhäusern zusammensetzt, an der Implementierung einer neuen Lösung für digitale Identitäten. Das Ziel dieser Bewegung ist es, noch im laufenden Jahr 2026 ein System an den Start zu bringen, das auf sicheren, skalierbaren und dezentralen Identitätsnachweisen basiert. Vereign, das Unternehmen unter der Leitung von Greve, ist maßgeblich an der Entwicklung dieser Infrastruktur beteiligt. Die Dringlichkeit dieses Vorhabens ergibt sich aus dem Wunsch der Akteure im Gesundheitssektor, die Souveränität über sensible Patientendaten zurückzugewinnen und sich aus der Abhängigkeit von zentralisierten IT-Strukturen zu lösen, die oft von großen ausländischen Konzernen kontrolliert werden. Durch die Nutzung quelloffener Vertrauensinfrastrukturen soll eine Lösung geschaffen werden, die nicht nur technisch robust, sondern auch gesellschaftlich unabhängig von den Risiken zentraler Ausfallpunkte ist.

Historische Einordnung des Internet-Designs

Um die heutige Problematik zu verstehen, wirft Georg Greve einen Blick zurück auf die Anfänge des Internets in den 1990er Jahren, in denen er selbst bereits aktiv in der Open-Source-Welt tätig war. Er betont, dass das Internet, so wie wir es heute kennen und nutzen, niemals für Vertraulichkeit ausgelegt war. Die Architektur des Netzes war darauf optimiert, das Finden und Verbreiten von Inhalten zu ermöglichen. Datenschutz und Zugriffskontrollen waren in der frühen Phase der Entwicklung schlichtweg kein Teil des Entwurfs. Diese historische Designentscheidung hat laut Greve weitreichende Konsequenzen für die Gegenwart. Da das Internet auf einer Basis aufgebaut wurde, die auf Offenheit und Austausch setzt, ist es heute schwierig, nachträglich eine robuste Vertraulichkeitsebene einzuziehen, ohne die Grundfesten des Systems zu verändern. Die heutige Abhängigkeit von zentralen Identitätsanbietern ist somit ein direktes Resultat dieser frühen Architektur, die keine Mechanismen für eine dezentrale, authentische Identitätsprüfung vorsah.

Die Rolle von Vereign und Georg Greve

Georg Greve ist in der IT-Welt seit Jahrzehnten als Vordenker bekannt, insbesondere durch sein langjähriges Engagement für Open-Source-Software. Als CEO der Vereign AG mit Sitz in Zug, Schweiz, konzentriert er sich heute darauf, diese Expertise in die Entwicklung von quelloffener Vertrauensinfrastruktur einzubringen. Vereign fungiert dabei als Dienstleister und Entwickler, der die technologischen Werkzeuge bereitstellt, um die von Greve geforderte neue Architektur zu realisieren. Die Beteiligten an diesem Prozess sind neben dem Unternehmen Vereign vor allem Akteure aus dem Schweizer Gesundheitswesen. Ärzte und medizinische Einrichtungen treten hier als treibende Kraft auf, da sie unmittelbar mit den Herausforderungen der Datensicherheit und der Identitätsverwaltung konfrontiert sind. Die Entscheidung, auf eine dezentrale Lösung zu setzen, ist ein bewusster Schritt gegen die Dominanz von US-Konzernen, deren Dienste bisher oft als alternativlos wahrgenommen wurden. Greve dient hierbei als Brückenbauer zwischen technischer Vision und praktischer Implementierung in einem hochsensiblen Bereich.

Einordnung der technologischen Herausforderungen

Einzuordnen ist das Vorhaben von Georg Greve als ein Versuch, die digitale Souveränität in Europa zu stärken. Den Berichten zufolge ist das Problem nicht nur ein technisches, sondern ein strukturelles. Die heutige Internet-Architektur fördert die Bildung von Monopolen, da die Verwaltung von Identitäten oft bei wenigen großen Anbietern liegt. Wenn diese Anbieter ausfallen oder ihre Richtlinien ändern, hat dies massive Auswirkungen auf alle angeschlossenen Dienste. Die von Vereign propagierte dezentrale Vertrauensinfrastruktur soll genau diesen Effekt verhindern. Es ist jedoch zu beachten, dass eine solche Umstellung eine enorme Herausforderung darstellt, da sie Kompatibilität mit bestehenden Systemen erfordert und eine breite Akzeptanz bei den Nutzern sowie den beteiligten Institutionen voraussetzt. Die Bewertung von Greves Forderungen lässt sich so zusammenfassen: Er sieht die aktuelle Architektur als ein Erbe, das die heutigen Anforderungen an Sicherheit und Datenschutz nicht mehr erfüllen kann, und plädiert daher für einen radikalen, aber notwendigen technologischen Wandel.

Offene Fragen und zukünftige Entwicklungen

Trotz der klaren Vision von Georg Greve bleiben einige Aspekte des Projekts im Unklaren. Der Quelltext beantwortet nicht, wie genau die technische Schnittstelle zwischen der neuen dezentralen Identitätslösung und den bestehenden IT-Systemen der Krankenhäuser und Arztpraxen aussehen wird. Auch bleibt offen, welche spezifischen kryptografischen Verfahren Vereign einsetzt, um die Skalierbarkeit zu gewährleisten, ohne die Sicherheit zu beeinträchtigen. Ebenso wird nicht spezifiziert, wie die regulatorischen Hürden in der Schweiz, etwa im Hinblick auf das Datenschutzgesetz, im Detail überwunden werden sollen. Was die nächsten Schritte betrifft, so ist das Ziel der Initiative klar definiert: Noch im Jahr 2026 soll die Lösung an den Start gehen. Ob dieser Zeitplan eingehalten werden kann und wie die erste Implementierungsphase verlaufen wird, bleibt abzuwarten. Es ist davon auszugehen, dass weitere Details zu den technischen Spezifikationen und den konkreten Rollen der beteiligten Ärzte und Krankenhäuser in den kommenden Monaten im Rahmen des „Chefs von Devs“-Newsletters veröffentlicht werden, der als primäre Informationsquelle für die weiteren Fortschritte des Projekts dient.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-technologie-text-monitor-16018145/ · Foto: Alberlan Barros
Quelle: https://www.golem.de/news/interview-mit-georg-greve-von-vereign-das-internet-war-nie-fuer-vertraulichkeit-ausgelegt-2608-211771.html