Strategische Neuausrichtung bei Microsofts Gaming-Sparte
Die Xbox-Sparte von Microsoft steht vor einer Zäsur. Nach einer Phase sinkender Umsätze und einem deutlichen Stellenabbau hat die neue Xbox-Chefin Asha Sharma, die das Ruder seit Februar 2026 in der Hand hält, eine klare Marschroute für die kommenden Jahre vorgegeben. In einem internen Memo, das der Belegschaft vorliegt, skizziert sie eine Strategie, die das Unternehmen bis zum Ende des Geschäftsjahres 2027 wieder auf einen Wachstumspfad führen soll.
Die Dringlichkeit dieser Maßnahmen wird durch die jüngsten Geschäftszahlen unterstrichen. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 verzeichnete der Bereich Xbox-Inhalte und -Dienste einen Umsatzrückgang von 10 Prozent, während das Hardware-Segment um 13 Prozent einbrach. Auf das gesamte Geschäftsjahr gerechnet belief sich der Umsatzverlust auf 7 Prozent, was einem Minus von 1,7 Milliarden US-Dollar entspricht. Während der Gesamtkonzern, insbesondere getrieben durch das Cloud-Geschäft, ein Wachstum von 18 Prozent verbuchte, blieb die Gaming-Sparte hinter den Erwartungen zurück.
Der Vier-Punkte-Plan: Die „vier Cs“
Um die Trendwende einzuleiten, setzt Sharma auf eine Strategie, die sie in vier Kernbereiche unterteilt, die im Englischen allesamt mit dem Buchstaben „C“ beginnen:
* **Core (Kern):** Die Konsole bleibt das Fundament der Marke und generiert weiterhin den Großteil der Einnahmen. Gleichzeitig sollen Plattformen wie Windows, der Game Pass und Streaming-Dienste gezielt genutzt werden, um neue Zielgruppen und Entwickler zu erschließen.
* **Content (Inhalte):** Einzelne Spieletitel sollen systematisch zu globalen Franchises ausgebaut werden. Dies umfasst eine langfristige Planung, die über das reine Spiel hinausgeht und Bereiche wie Film, Fernsehen, Merchandise, Sponsoring sowie Live-Events einschließt. Hierfür sind internationale Partnerschaften, unter anderem in China, vorgesehen.
* **Creation (Kreation):** „Minecraft“ soll als zentrale Kreativplattform massiv ausgebaut werden. Laut Sharma sind hierfür höhere Investitionen geplant als jemals zuvor.
* **Connection (Verbindung):** Bekannte Spielwelten sollen erweitert werden, um die Bindung der Spieler zu stärken.
Umstrukturierung und personelle Konsequenzen
Die Umsetzung dieser Ziele geht mit einem tiefgreifenden Umbau der Organisationsstruktur einher. Sharma hat den Abbau von 3200 Stellen angekündigt, was etwa einem Fünftel der gesamten Belegschaft entspricht. Die Hälfte dieser Stellen wurde bereits gestrichen, der Rest soll über die kommenden zwölf Monate folgen. Zudem wird die Struktur der Studios grundlegend verändert: Statt dezentraler Einheiten soll sich die Organisation künftig stärker an den stärksten Marken und innovativsten Ideen orientieren.
Einige Studios passen nicht mehr in das neue Konzept. So kehren Compulsion Games und Double Fine zu ihren Gründern zurück, während für Ninja Theory und Undead Labs derzeit neue Eigentümer gesucht werden. Auch das Segment der Gelegenheitsspiele soll neu gewichtet werden, wobei dem „Candy Crush“-Entwickler King sowie der Abteilung Microsoft Casual Games eine wichtigere Rolle zukommt.
Drei Etappen bis zum langfristigen Ziel
Der Weg zur wirtschaftlichen Erholung ist in drei Phasen unterteilt. Die erste Etappe endet am 30. Juni 2027, dem Stichtag für die Rückkehr zum Wachstum bei Umsatz und Spielerzahlen. Zudem sollen die Gewinne bis dahin wieder das Niveau des Branchendurchschnitts erreichen.
In den darauffolgenden Geschäftsjahren 2028 und 2029 liegt der Fokus auf messbaren Umsatzsteigerungen, hohen Zuwachsraten bei der Nutzerbasis sowie branchenführenden Margen. Langfristig verfolgt Sharma ein ambitioniertes Ziel: Sie möchte täglich eine Milliarde Spieler erreichen. Dass dies ein herausforderndes Unterfangen ist, räumt die Chefin selbst ein, da die aktuelle Gesamtzahl der Spieler über ein Jahr gerechnet noch deutlich unter diesem Wert liegt.