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Humanoid: Europas erstes Roboter-Unicorn setzt auf Räder
Technik · 25.07.2026 11:53

Humanoid: Europas erstes Roboter-Unicorn setzt auf Räder

Kurz: Das britische Start-up Humanoid sichert sich eine Millionenfinanzierung und erreicht den Unicorn-Status. Der Fokus liegt auf rollenden statt laufenden Robotern.

Ein Meilenstein für die europäische Robotik

Das britische Start-up Humanoid hat einen bedeutenden wirtschaftlichen Erfolg erzielt: Mit einer aktuellen Finanzierungsrunde in Höhe von rund 134 Millionen Euro (152 Millionen Dollar) erreicht das Unternehmen eine Bewertung von etwa 1,19 Milliarden Euro (1,35 Milliarden Dollar). Damit avanciert Humanoid zum ersten europäischen Hersteller humanoider Roboter, der den Status eines sogenannten „Unicorns“ – eines Start-ups mit einer Bewertung von über einer Milliarde – erreicht hat. Insgesamt konnte das Unternehmen seit seiner Gründung vor etwa zwei Jahren bereits rund 237 Millionen Euro an Kapital einsammeln.

Die jüngste Series-A-Finanzierungsrunde wurde von dem US-amerikanischen Investor Prime Movers Lab angeführt, der sich auf forschungsintensive Unternehmen spezialisiert hat. Zu den weiteren Geldgebern zählen namhafte Akteure wie Schaeffler, Bosch, Aglaé Ventures sowie der taiwanische Finanzkonzern Fubon. Besonders hervorzuheben ist dabei die strategische Komponente: Die deutschen Zulieferer Bosch und Schaeffler fungieren nicht nur als Investoren, sondern unterhalten auch direkte geschäftliche Beziehungen zu dem Start-up. So umfasst beispielsweise die Kooperation mit Schaeffler die Lieferung von mehreren Tausend Robotereinheiten für den Einsatz in der industriellen Fertigung.

Strategischer Verzicht auf Beine

Ein zentrales Merkmal der Entwicklungsstrategie von Humanoid ist der bewusste Verzicht auf eine bipedale Fortbewegung. Während viele Wettbewerber in der Branche versuchen, die menschliche Gehweise auf zwei Beinen zu imitieren, setzt Humanoid bei seinen Modellen auf Räder. Diese Entscheidung ist eine pragmatische Antwort auf eine der größten technischen Hürden der Robotik: die komplexe Balance und Stabilität auf zwei Beinen. Durch die Wahl der Räder vereinfacht das Unternehmen die Konstruktion und erhöht die Zuverlässigkeit der Systeme für den industriellen Alltag.

Die Steuerung der Roboter erfolgt über die unternehmenseigene Softwareplattform „KinetIQ“. Diese soll in der Lage sein, komplexe Aufgaben zu erfassen und in präzise Bewegungsabläufe zu übersetzen. Da es in diesem Bereich derzeit kaum unabhängige Prüfinstanzen oder standardisierte Tests gibt, lässt sich die tatsächliche Leistungsfähigkeit der Software zum jetzigen Zeitpunkt schwer objektiv vergleichen.

Zeitplan und Markteintritt

Der Fahrplan für die kommenden Monate ist eng getaktet. Zunächst liegt der Fokus auf der finalen Entwicklung der Roboterplattform. Im Anschluss sind Pilotprojekte bei Kunden aus den Bereichen Logistik, Handel und Fertigung geplant, um die Systeme unter realen Bedingungen zu erproben. Die Auslieferung der ersten Beta-Modelle ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen.

In der Branche ist Skepsis gegenüber solchen Zeitplänen durchaus verbreitet, da Verzögerungen bei der Markteinführung neuer Robotik-Systeme in der Vergangenheit eher die Regel als die Ausnahme waren. Dennoch zeigt sich Firmenchef Artem Sokolov optimistisch. Das frische Kapital soll dazu dienen, die Entwicklung massiv zu beschleunigen, um Roboter als Standardwerkzeuge in der Industrie zu etablieren.

Ausblick auf den globalen Wettbewerb

Die Partnerschaften mit Schwergewichten wie SAP, Nvidia, Siemens und Bosch unterstreichen den Anspruch von Humanoid, eine tragende Rolle im globalen Robotik-Markt zu spielen. Experten wie Zia Huque von Prime Movers Lab prognostizieren eine Marktbereinigung, bei der langfristig nur wenige, global agierende Akteure aus den USA, China und Europa übrig bleiben werden. Humanoid positioniert sich klar mit dem Ziel, einer dieser verbleibenden Marktführer zu sein. Ob die Strategie, auf Räder statt auf Beine zu setzen, den entscheidenden Wettbewerbsvorteil bietet, wird sich ab Ende 2026 zeigen, wenn die ersten Praxiseinsätze der Beta-Modelle Aufschluss über die tatsächliche Alltagstauglichkeit geben.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/madchen-sitzung-sitzen-spielen-7869087/ · Foto: Vanessa Loring
Quelle: https://www.golem.de/news/humanoid-europas-erstes-roboter-unicorn-setzt-auf-raeder-2607-211282.html