Ein Fest der analogen Kunst: Offenbach zelebriert das Druckhandwerk
Am kommenden Wochenende verwandelt sich Offenbach in ein Zentrum für Liebhaber und Interessierte der analogen Druckkunst. Das Klingspor Museum richtet das "Hot Printing!" Festival aus, eine Veranstaltung, die die reiche Geschichte der Stadt als Standort für Druck und Typografie in die Gegenwart holt. Das Festival, das alle zwei Jahre stattfindet, hat sich zu einem bedeutenden Treffpunkt für Künstler, Kollektive und Werkstätten entwickelt. An insgesamt 90 Ständen präsentieren Kreative ihre vielfältigen Techniken, die von klassischen Verfahren bis hin zu experimentellen Ansätzen reichen. Die Veranstaltung richtet sich dabei nicht nur an ein Fachpublikum, sondern lädt ausdrücklich auch Familien und Neulinge ein, die Welt der Druckgrafik zu entdecken. Ob auf Papier, Stoff oder Stein – die Möglichkeiten, die das Drucken bietet, stehen im Mittelpunkt des Geschehens. Die Initiatorin und Leiterin des Klingspor Museums, Dorothee Ader, betont, dass es sich um ein lebendiges Miteinander handelt, bei dem der Austausch zwischen den Akteuren und dem Publikum im Vordergrund steht. Mit einem breiten Angebot aus Workshops, Vorträgen, Lesungen und Filmvorführungen bietet das Festival einen tiefen Einblick in die handwerkliche Arbeit, die in einer zunehmend digitalen Welt eine besondere Faszination ausübt.
Einblicke in die Vielfalt der Drucktechniken
Die schiere Bandbreite der präsentierten Methoden beim "Hot Printing!" Festival ist bemerkenswert. Die 90 Stände bieten Raum für eine enorme kreative Vielfalt, bei der die Künstlerinnen und Künstler selbst entscheiden, wie sie ihre bevorzugten Techniken vermitteln. Die Offenbacher Künstlerin Marina Kampka, die seit den Anfängen des Festivals dabei ist, beschreibt die Arbeit mit Drucktechniken als einen Prozess, bei dem stets eine gewisse Magie mitschwingt. In ihrem Studio "pari-pari" experimentiert sie aktuell mit ungewöhnlichen Materialien wie Knete und Stempelkissen, um dreidimensionale Formen zweidimensional auf Papier zu übertragen. Auch Dominik Gußmann, der die Druckwerkstatt im Bernardbau leitet, unterstreicht den ständigen Lernprozess, der selbst für Profis durch das Festival ermöglicht wird. Er berichtet begeistert von einem Tiefdrucker, der vor Ort Fotoradierungen mittels Fotopolymerplatten demonstriert. Die Frankfurter Kunstvermittlerin Ina Hengstler ergänzt das Programm mit einem Vortrag über ihre Reise durch Japan und Südkorea, wo sie traditionelle Methoden des Bleisatzes, des Papierschöpfens und der Buchbindekunst untersuchte. Diese Vielfalt an Techniken, die von Holz- und Glasplatten bis hin zu Alltagsgegenständen wie Tetrapacks reicht, verdeutlicht, dass die Druckkunst weit über das klassische Buch hinausgeht.
Historische Wurzeln und die Tradition der Stadt
Offenbach blickt auf eine lange und bedeutende Geschichte im Bereich der Druckkunst zurück, die das Fundament für das aktuelle Festival bildet. Wie Museumsleiterin Dorothee Ader erläutert, setzte sich bereits im 18. Jahrhundert in der Stadt die Lithografie durch, also das Druckverfahren mittels Steinplatten. Ein weiterer Meilenstein in der Industriegeschichte Offenbachs war das Jahr 1904, als die Brüder Karl und Wilhelm Klingspor ihre Schriftgießerei gründeten. Über Jahrzehnte hinweg, bis weit in die 1950er Jahre, wurden dort Bleilettern für den Buchdruck hergestellt. Dieser Standort war ein Ausgangspunkt für weltweite Entwicklungen in den Bereichen Schrift, Typografie und Bleisatz. Das "Hot Printing!" Festival dient somit nicht nur als Plattform für aktuelle künstlerische Arbeiten, sondern fungiert auch als Bewahrer dieses historischen Erbes. Ader betont, dass es ein zentrales Anliegen sei, dieses Wissen und die Begeisterung für diese Handwerkstechniken am Leben zu erhalten. Die Verbindung zwischen der historischen Bedeutung Offenbachs und der modernen, kreativen Szene ist der Kern des Festivals, das durch die Präsentation alter und neuer Methoden die Kontinuität der Druckkunst in der Stadt sichtbar macht.
Die Akteure hinter dem Festival
Das Festival lebt von der aktiven Beteiligung zahlreicher Akteure, die sich in einer großen und diversen Szene vernetzen. Dorothee Ader, die als Leiterin des Klingspor Museums nicht nur die organisatorische Leitung innehat, sondern auch als Initiatorin des Formats fungiert, spielt eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung des Events. Sie betont die Wichtigkeit solcher Veranstaltungen, um Aufmerksamkeit für ein Genre zu generieren, mit dem viele Menschen im Alltag kaum noch in Berührung kommen. Neben den Künstlern und Kunstvermittlern wie Marina Kampka und Ina Hengstler sind es Institutionen wie die Druckwerkstatt im Bernardbau, das Haus der Stadtgeschichte und der Hof des Büsing Palais, die das Festival räumlich tragen. Die räumliche Nähe dieser Orte sorgt dafür, dass das Festival trotz seiner Größe eine kompakte und dichte Atmosphäre behält. Die Beteiligten sind sich einig, dass der Austausch untereinander – etwa zwischen Druckern, die sich über neue Verfahren wie die Fotopolymer-Technik austauschen – ein wesentlicher Bestandteil des Erfolgs ist. Die Gemeinschaft aus Kollektiven, Werkstätten und Einzelkünstlern bildet das Rückgrat der Veranstaltung und sorgt dafür, dass das Handwerk als lebendige Kunstform wahrgenommen wird.
Einordnung der Bedeutung des analogen Handwerks
Einzuordnen ist das Festival als bewusster Gegenentwurf zur fortschreitenden Digitalisierung. Den Berichten zufolge spüren viele Akteure, wie Ina Hengstler, eine wachsende Begeisterung für haptische Erfahrungen. In einer Zeit, in der die Interaktion mit Computern und sozialen Medien den Alltag dominiert, gewinnt das Verständnis für die physische Herstellung von Objekten an Bedeutung. Das "Hot Printing!" Festival bietet hierfür einen idealen Rahmen, da es nicht nur das fertige Produkt zeigt, sondern den Entstehungsprozess in den Mittelpunkt stellt. Die Begeisterung, etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen, wird als zentrales Bedürfnis der heutigen Gesellschaft interpretiert. Die Veranstaltung fungiert somit als ein Ort der Entschleunigung und der bewussten Auseinandersetzung mit Materialien. Dass das Festival alle zwei Jahre wächst – von 60 Ständen im Jahr 2024 auf nun 90 Stände – deutet darauf hin, dass das Interesse an dieser Form der künstlerischen Arbeit keineswegs schwindet, sondern im Gegenteil an Attraktivität gewinnt. Es ist ein Ort, an dem die Grenze zwischen professionellem Handwerk und künstlerischer Ausdrucksweise verschwimmt und für ein breites Publikum zugänglich gemacht wird.
Offene Fragen und der Blick in die Zukunft
Der Quelltext lässt einige Aspekte des Festivals offen, die für Besucher von Interesse sein könnten. So wird zwar die enorme Vielfalt der 90 Stände betont, doch bleibt unklar, welche spezifischen Workshops für Kinder oder Anfänger ohne Vorkenntnisse genau angeboten werden und ob für diese eine Voranmeldung erforderlich ist. Auch die genaue Kapazität der verschiedenen Veranstaltungsorte, wie der Druckwerkstatt im Bernardbau oder des Hauses der Stadtgeschichte, wird nicht detailliert beschrieben, was Fragen zur Besucherbegrenzung aufwirft. Zudem bleibt offen, wie die Finanzierung des Festivals langfristig gesichert ist, da der Eintritt für die Besucher frei ist. Was die Zukunft betrifft, so ist der Zeitplan für das kommende Wochenende klar definiert: Das Event beginnt am Samstag, den 22. August, um 11 Uhr, gefolgt von einer Abendvorstellung ab 19:30 Uhr mit Vorträgen und Musik. Am Sonntag, den 23. August, ist das Festival in der Zeit von 11 bis 16 Uhr für das Publikum geöffnet. Die Initiatoren versprechen, dass Besucher, die genügend Zeit mitbringen, mit Rucksäcken voller selbst gedruckter Materialien nach Hause gehen können. Ob das Festival aufgrund des stetigen Wachstums in zwei Jahren erneut an denselben Orten stattfinden kann oder ob eine räumliche Erweiterung notwendig wird, bleibt abzuwarten.