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Höttges: Ziel der Telekom ist nicht mehr, möglichst viel Glasfaser zu bauen
Technik · 06.08.2026 13:20

Höttges: Ziel der Telekom ist nicht mehr, möglichst viel Glasfaser zu bauen

Kurz: Die Deutsche Telekom schlägt eine neue Strategie beim Glasfaserausbau ein. Künftig steht die Wirtschaftlichkeit vor dem reinen Ausbautempo.

Strategiewechsel beim Netzausbau

Die Deutsche Telekom vollzieht eine strategische Neuausrichtung in ihrer Glasfaser-Politik. Wie Konzernchef Tim Höttges Anfang August 2026 bekannt gab, rückt das Ziel, möglichst viele Glasfaseranschlüsse zu verlegen, in den Hintergrund. An dessen Stelle tritt eine konsequente Ausrichtung auf wirtschaftliche Rentabilität und die aktive Nutzung der bestehenden Infrastruktur durch Kunden.

Fokus auf Monetarisierung und Kundennutzen

Die neue Marschrichtung ist klar definiert: Der Fokus verschiebt sich von der reinen Bauleistung hin zur effizienten Vermarktung. Laut Höttges liegt der Schwerpunkt künftig darauf, mit jedem realisierten Anschluss einen direkten Kundennutzen sowie einen messbaren wirtschaftlichen Mehrwert zu generieren. Die Telekom reagiert damit auf die Notwendigkeit, Investitionen in die digitale Infrastruktur schneller zu amortisieren.

Die Steuerung des Ausbaus soll künftig anhand strenger Kennzahlen erfolgen. Dabei spielen Faktoren wie die tatsächliche Nachfrage, die Penetrationsrate, die Abwanderungsquote (Churn), die Auslastung durch Wholesale-Partner sowie die Kapitalrendite eine zentrale Rolle. Während der Bau neuer Leitungen weiterhin ein Bestandteil der Strategie bleibt, gewinnen die Phasen des Anschließens, Aktivierens und der finanziellen Verwertung deutlich an Bedeutung.

Marktumfeld und Wettbewerbsdruck

Die Entscheidung der Telekom findet in einem schwierigen Marktumfeld statt. Der Breitbandmarkt in Deutschland ist hart umkämpft, was sich in den jüngsten Geschäftszahlen widerspiegelt. Die Telekom selbst verzeichnete im zweiten Quartal 2026 einen Rückgang von 20.000 Breitbandanschlüssen, was einem Minus von 0,1 Prozent entspricht. Auch der Wettbewerber Vodafone kämpft mit Kundenverlusten: Im gleichen Zeitraum verlor das Unternehmen 98.000 Verträge, wobei sowohl das DSL-Segment als auch das Kabelnetz betroffen waren.

Diese Entwicklung ist kein Einzelfall. Zahlreiche alternative Netzbetreiber, darunter die Deutsche Giganetz sowie UGG (Unsere Grüne Glasfaser), haben ihre Expansionspläne bereits deutlich reduziert oder den Ausbau in neuen Gebieten weitgehend eingestellt. Die Branche sieht sich mit einer Reihe von Herausforderungen konfrontiert:

* Steigende Baukosten, die jedoch kaum bei den ausführenden Arbeitskräften ankommen.

* Ein spürbarer Rückzug von Investoren aus dem Glasfasersektor.

* Eine geringere Kaufbereitschaft der Endkunden.

* Der massive Druck, der durch den Überbau von Netzen in bereits versorgten Gebieten entsteht.

Mögliche Folgen für den weiteren Ausbau

Branchenexperten gehen davon aus, dass die Telekom ihre Ausbaustrategie grundlegend anpassen wird. Bisher wurde in vielen Regionen unabhängig von einer Vorvermarktungsquote ausgebaut. Es ist wahrscheinlich, dass die Telekom künftig deutlich selektiver vorgeht und Städte oder Ortsteile nur noch dann erschließt, wenn eine entsprechende wirtschaftliche Tragfähigkeit durch eine hohe Nachfrage vorab nachgewiesen werden kann.

Obwohl die Telekom mit 161.000 neuen FTTH-Kunden (Fiber to the Home) im Berichtszeitraum Fortschritte erzielt hat, verdeutlicht die aktuelle Strategieanpassung den wachsenden Druck, den Breitbandmarkt profitabel zu bewirtschaften. Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich diese Fokussierung auf die Ausbaudynamik in Deutschland auswirken wird und ob die Branche durch diesen Konsolidierungskurs langfristig stabilisiert werden kann.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/personencodierung-im-laptop-574071/ · Foto: Lukas Blazek
Quelle: https://www.golem.de/news/hoettges-ziel-der-telekom-ist-nicht-mehr-moeglichst-viel-glasfaser-zu-bauen-2608-211668.html