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Hockey-Bundestrainer Henning - Der "Prozess-Trainer"
Sport · 23.08.2026 16:41

Hockey-Bundestrainer Henning - Der "Prozess-Trainer"

Kurz: Bundestrainer André Henning führt die deutschen Hockey-Männer als Titelverteidiger zur WM. Ein Porträt über den 'Prozess-Trainer' und seine Philosophie.

Die Mission der Titelverteidiger bei der Hockey-WM

Bei der aktuell in den Niederlanden und Belgien ausgetragenen Hockey-Weltmeisterschaft der Männer steht die deutsche Nationalmannschaft unter besonderer Beobachtung. Als amtierender Titelverteidiger ist das Team, das von Bundestrainer André Henning betreut wird, erneut als einer der Top-Favoriten in das Turnier gestartet. Die Ausgangslage ist dabei eine besondere: Henning hat einen signifikanten Umbruch im Kader vollzogen und ein stark verjüngtes Team geformt, das sich nun auf der internationalen Bühne beweisen muss. Trotz der hohen Erwartungshaltung und der veränderten Zusammensetzung der Mannschaft ist es dem 42-jährigen Coach gelungen, eine schlagkräftige Einheit zu bilden, die um die Medaillen mitspielt. Das Turnier, das bei den Fans und Experten gleichermaßen für Spannung sorgt, dient für Henning nicht nur als sportliche Herausforderung, sondern auch als nächste Etappe in einem langfristig angelegten Entwicklungsprozess. Während die deutsche Auswahl in Wavre um den Einzug in die K.o.-Runde kämpft, steht die taktische und menschliche Handschrift des Trainers stärker denn je im Fokus der Öffentlichkeit.

Ein Blick auf die Fakten und die aktuelle Turniersituation

Die 16. Weltmeisterschaft der Hockey-Männer findet in diesem Jahr in den Niederlanden und Belgien statt, wobei das belgische Wavre als einer der zentralen Austragungsorte fungiert. André Henning, der seit fünf Jahren als Bundestrainer der Männer fungiert, blickt auf eine beeindruckende Erfolgsbilanz zurück. Zu seinen bisherigen Errungenschaften zählen der Junioren-Weltmeistertitel 2013, der WM-Titel mit dem A-Kader 2023, olympisches Silber im Jahr 2024 sowie der Gewinn der Europameisterschaft 2025 in Mönchengladbach. Ergänzt wird diese Liste durch eine Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 2016, die er als Co-Trainer der Frauen errang. Im aktuellen Turnierverlauf zeigten die sogenannten 'Honamas' eine wechselhafte Leistung. Nach einem überzeugenden Sieg gegen den Gastgeber Belgien, bei dem technische Finesse und eine stabile Defensive glänzten, folgte eine Niederlage gegen Spanien. Diese resultierte in einer schwierigen Ausgangslage für die Zwischenrunde. Um das Halbfinale aus eigener Kraft zu erreichen, ist nun ein Sieg im entscheidenden Duell gegen Australien zwingend erforderlich, da es dem Team zuletzt an der nötigen Konstanz im Torabschluss mangelte.

Die Entwicklung zum Erfolgscoach

Der Weg von André Henning in das Amt des Bundestrainers ist von einer langen und intensiven Laufbahn geprägt. Obwohl er erst 42 Jahre alt ist, blickt er auf fast zwei Jahrzehnte Trainererfahrung zurück. Seine Karriere begann bereits mit Anfang 20, als er als Cheftrainer beim Bundesligisten Uhlenhorst Mülheim einsprang – ursprünglich war das Engagement nur für ein Jahr geplant. Diese Erfahrung führte dazu, dass er sein Jurastudium abbrach und sich voll und ganz dem Trainerberuf widmete. Über Jahre hinweg sammelte er Erfahrungen in verschiedenen Rollen, unter anderem bei Rot-Weiss Köln, wo er vier deutsche Meisterschaften innerhalb von fünf Jahren feierte. Als er 2021 als jüngster Bundestrainer in der Geschichte des Verbandes das Amt übernahm, profitierte er von seinem breiten Netzwerk und der Tatsache, dass er viele Spieler bereits aus seiner Zeit in Köln, Mülheim oder als Juniorentrainer kannte. Diese fundierte Basis ermöglichte es ihm, seine eigene Philosophie von Führung und Teamentwicklung konsequent in die Nationalmannschaft zu implementieren.

Die Akteure und das Umfeld der Nationalmannschaft

Die aktuelle Nationalmannschaft befindet sich in einer Phase des Umbruchs, die durch das Ausscheiden langjähriger Führungsfiguren geprägt ist. Nach den Olympischen Spielen in Paris und der Heim-EM im Vorjahr beendeten Leistungsträger wie der langjährige Kapitän Mats Grambusch und der Innenverteidiger Lukas Windfeder ihre Karrieren. Dies stellt eine Zäsur dar, da Henning erstmals mit einem Großteil des Kaders zusammenarbeitet, den er nicht schon über Jahrzehnte hinweg kennt. Dennoch sieht der Trainer in dieser neuen Dynamik eine große Chance. Die jungen Spieler, die in den Kader nachgerückt sind, zeichnen sich durch Forschergeist, Neugier und eine offensive Herangehensweise aus. Sie bringen ihre Ideen und Bedürfnisse aktiv ein, was für das gesamte Gefüge eine neue Herausforderung darstellt. Henning fungiert dabei als Moderator, der die Energie der jungen Generation mit der Erfahrung der etablierten Kräfte in Einklang bringen muss, um die gewohnte Stärke des deutschen Hockeys aufrechtzuerhalten.

Die Philosophie des 'Prozess-Trainers'

Einzuordnen ist Henning als ein Trainer, der den Fokus konsequent auf die Entwicklung von Menschen und Prozessen legt. Er selbst bezeichnet sich als 'Prozess-Trainer', für den der Erfolg ein Nebenprodukt der täglichen Arbeit ist. Seine Philosophie basiert auf der Überzeugung, dass ein Trainer nicht alles steuern kann und sollte. Statt als autoritäre Figur aufzutreten, versteht er sich als Generalist, der Verantwortung an Experten delegiert und seine Spieler an der 'langen Leine' führt. Er fordert ein hohes Maß an Eigenverantwortung und bezieht die Mannschaft aktiv in taktische Entscheidungsfindungen ein. Den Berichten zufolge ist dieser Ansatz nicht nur ein taktisches Mittel, sondern eine tief verwurzelte Überzeugung, dass Spieler eine Taktik nur dann mit Überzeugung umsetzen können, wenn sie deren Entwicklung mitgestalten durften. Diese Abkehr von traditionellen Hierarchien, in denen der Trainer für alles verantwortlich ist, markiert einen deutlichen Wandel in der deutschen Hockey-Kultur.

Der Blick über den Tellerrand und die Neugier

Eine der herausragenden Eigenschaften von André Henning ist seine ständige Suche nach neuen Impulsen außerhalb der eigenen Sportart. Er zeigt keine Skepsis gegenüber fremden Ansätzen, sondern begegnet ihnen mit ausgeprägter Vorfreude. Besonders der Austausch mit Trainern aus anderen Disziplinen, allen voran dem Fußball, spielt eine zentrale Rolle in seinem Wirken. Er sieht im Fußball taktische Parallelen, die für das Hockey wertvoll sein können. So hat er beispielsweise im direkten Austausch mit dem Österreichischen Fußballverband konkrete Ideen für das aktuelle WM-Turnier übernommen. Sein Ziel ist es, 'groß zu denken' und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Diese Offenheit für neue Konzepte und die Bereitschaft, von anderen zu lernen, unterstreicht seine Rolle als wissenshungriger Coach, der sich nicht mit dem Status quo zufrieden gibt, sondern ständig nach Wegen sucht, die Effektivität und die Spielweise seines Teams zu optimieren.

Offene Fragen zur weiteren Entwicklung

Obwohl die Philosophie von André Henning klar umrissen ist, bleiben einige Aspekte der aktuellen Situation unbeantwortet. Es ist beispielsweise noch offen, wie nachhaltig der aktuelle Umbruch im Team tatsächlich ist und ob die junge Garde die Lücken, die durch die Abgänge von Führungsspielern wie Mats Grambusch entstanden sind, langfristig auf dem höchsten internationalen Niveau füllen kann. Zudem lässt der Quelltext offen, wie Henning auf die taktischen Defizite reagieren wird, die sich in der mangelnden Konstanz im Torabschluss während der Zwischenrunde gezeigt haben. Auch bleibt abzuwarten, wie sich die Dynamik zwischen den jungen, forschen Spielern und den erfahrenen Akteuren in Drucksituationen weiterentwickelt. Die Frage, ob das Konzept der geteilten Verantwortung auch in Krisenmomenten eines Turniers Bestand hat, wenn die Ergebnisse ausbleiben, ist ein Punkt, den die weitere sportliche Entwicklung erst noch klären muss.

Ausblick auf die kommenden Herausforderungen

Für André Henning und seine Mannschaft stehen nun entscheidende Tage an. Das anstehende Duell gegen Australien wird zum Gradmesser für den Erfolg des gesamten Projekts bei dieser Weltmeisterschaft. Unabhängig vom Ausgang dieses Spiels hat der Bundestrainer bereits klargestellt, dass er seine Schlüsse ziehen wird, um den nächsten Entwicklungsprozess einzuleiten. Er blickt auf die kommenden Aufgaben mit Zuversicht und betont, dass er noch nie einen Titel gewonnen habe, ohne zuvor einen herben Dämpfer kassiert zu haben. Während für den Trainer der Weg das Ziel bleibt und er stolz auf die Fortschritte im Prozess ist, richtet sich der Blick des deutschen Hockey-Verbandes und der Fans auf die K.o.-Runde. Ob die Mannschaft den Einzug in das Halbfinale schafft und damit ihre Ambitionen auf eine Medaille untermauert, wird sich in den nächsten Tagen entscheiden. Der Fokus liegt nun voll auf der Umsetzung der taktischen Vorgaben und der Konsequenz im Abschluss, um den Weg in die nächste Turnierphase zu ebnen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/polizei-suv-neben-marineschiff-mit-f-805-kennzeichnung-33589248/ · Foto: Martijn Stoof
Quelle: https://www.sportschau.de/regional/ndr/hockey-bundestrainer-henning-der-prozess-trainer,hockey-390.html