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heise+ | Fänger im Netz: So scannen Sie Windows-Systeme mit Desinfec’t
Technik · 14.08.2026 17:00

heise+ | Fänger im Netz: So scannen Sie Windows-Systeme mit Desinfec’t

Kurz: Die c't stellt eine neue Methode für Desinfec't vor: Windows-Systeme lassen sich nun über das Netzwerk scannen, ohne dass ein Neustart erforderlich ist.

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

Die Redaktion des c't Magazins hat eine signifikante Neuerung für die bekannte Sicherheitslösung Desinfec’t präsentiert. Bisher war es für Nutzer zwingend erforderlich, den zu untersuchenden Windows-PC vollständig neu zu starten und das System von einem externen Datenträger zu booten, um eine gründliche Virenprüfung durchzuführen. Mit der Einführung eines neuen, experimentellen Features ändert sich dieser Prozess grundlegend. Ab sofort ist es möglich, Windows-Systeme direkt über das Netzwerk zu scannen. Diese Innovation wurde entwickelt, um die Hürden für eine effektive Malware-Suche deutlich zu senken. Anstatt das installierte Betriebssystem zu verlassen, wird der aktuelle Zustand eines Windows-NTFS-Laufwerks mittels Schattenkopien erfasst und als Blockgerät im Netzwerk bereitgestellt. Ein zweiter PC im selben Netzwerk, auf dem Desinfec’t läuft, greift anschließend auf diese Daten zu, als handele es sich um lokale Laufwerke. Damit entfällt der aufwendige Neustart, was den gesamten Scanvorgang erheblich beschleunigt und komfortabler gestaltet.

Die Einzelheiten der technischen Neuerung

Das neue Verfahren basiert auf einer kompakten Software, die direkt auf dem Windows-Zielsystem ausgeführt wird. Diese Anwendung nutzt die Windows-eigene Schattenkopie-Funktion, um einen konsistenten Zustand des Dateisystems zu erzeugen. Dieser Zustand wird anschließend über das Netzwerk für den Desinfec’t-Scanner freigegeben. Der entscheidende Vorteil liegt im direkten Datenträgerzugriff, der ohne die üblichen Komplikationen von Netzwerkfreigaben auskommt. Peter Siering, der das Projekt maßgeblich begleitet hat, betont, dass die notwendigen Softwarekomponenten mit der Veröffentlichung des Artikels für alle Nutzer zum Download bereitgestellt wurden. Die Lösung adressiert spezifische Probleme, die bei der klassischen Boot-Methode immer wieder auftreten. Da der Scan nun netzwerkbasiert erfolgt, ist die Hardware-Erkennung des Linux-Systems, auf dem Desinfec’t läuft, für den eigentlichen Scanvorgang des Windows-PCs nicht mehr relevant. Dies stellt eine erhebliche Erleichterung für Administratoren und Privatanwender dar, die ihre Systeme regelmäßig auf Schadsoftware untersuchen möchten, ohne den laufenden Betrieb auf dem Zielrechner unnötig zu unterbrechen.

Hintergrund und bisheriger Verlauf

Die Entwicklung dieses Features entsprang einer strategischen Überlegung des c't-Teams im vergangenen Jahr. Die Redakteure stellten sich die Frage, wie Desinfec’t weiterentwickelt werden könnte, um den Anforderungen moderner IT-Umgebungen besser gerecht zu werden. Ein zentraler Punkt war dabei die Forderung nach einem möglichst niedrigschwelligen Einsatz. In der Vergangenheit stieß das klassische Desinfec’t-Konzept immer wieder an seine Grenzen. Insbesondere bei moderner Hardware traten Schwierigkeiten auf, die den Scanprozess behinderten. Die Entwickler analysierten die häufigsten Probleme, die Nutzer bei der Anwendung von Desinfec’t 2026 und früheren Versionen meldeten. Dazu zählten unter anderem die Inkompatibilität mit ARM-basierten Prozessoren wie Snapdragon-Chips, Schwierigkeiten beim Zugriff auf dynamische Datenträger, die das Windows-eigene Software-RAID nutzen, sowie Speicherbeschränkungen auf Systemen mit weniger als vier Megabyte RAM. Diese Hindernisse führten dazu, dass der klassische Boot-Vorgang oft fehlschlug oder aufgrund von Sicherheitsmechanismen wie Secure Boot und BitLocker-Verschlüsselung nicht wie gewünscht durchgeführt werden konnte.

Die beteiligten Akteure und Institutionen

Die Entwicklung dieser neuen Funktionalität wurde federführend von der Redaktion des c't Magazins vorangetrieben. Peter Siering zeichnet als Autor für die Vorstellung des Konzepts verantwortlich. Die technische Umsetzung ist eng mit der Weiterentwicklung von Desinfec’t 2026 verknüpft, das als Basis für die Sicherheitsanalysen dient. Das Projekt richtet sich an eine breite Nutzerschaft, die von Privatanwendern bis hin zu IT-Profis reicht, die Windows-Systeme effizient absichern wollen. Die Bereitstellung der Softwarekomponenten erfolgt über die Plattform von Heise Medien, die als zentrale Anlaufstelle für die Distribution der Werkzeuge fungiert. Durch die Veröffentlichung als experimentelles Feature signalisiert das Team hinter Desinfec’t, dass man aktiv auf die Bedürfnisse der Anwender eingeht und versucht, technische Barrieren abzubauen. Die institutionelle Einbettung in das c't-Portfolio stellt sicher, dass die Sicherheitslösung kontinuierlich gepflegt und an aktuelle technologische Gegebenheiten angepasst wird, während gleichzeitig ein direkter Austausch mit der Community über die Foren von heise online stattfindet.

Einordnung der technologischen Bedeutung

Einzuordnen ist das neue Feature als ein bedeutender Schritt in Richtung Benutzerfreundlichkeit bei der Malware-Bekämpfung. Den Berichten zufolge stellt der Zwang zum Neustart eines Systems eine der größten Hürden für eine regelmäßige Sicherheitsüberprüfung dar. Viele Nutzer scheuen den Aufwand, BIOS-Einstellungen zu ändern oder sich mit den Tücken von Secure Boot auseinanderzusetzen. Durch die Verlagerung des Scanprozesses in das Netzwerk wird die Komplexität massiv reduziert. Die Methode, Schattenkopien als Blockgeräte zu exportieren, ist technisch elegant, da sie den direkten Zugriff auf die Dateistruktur ermöglicht, ohne die Integrität des laufenden Windows-Systems zu gefährden. Dies ist besonders wertvoll in Umgebungen, in denen ein Neustart aus betrieblichen Gründen nicht möglich oder nur mit großem Aufwand verbunden ist. Es ist jedoch zu beachten, dass es sich um ein experimentelles Feature handelt. Dennoch unterstreicht dieser Ansatz den Willen der Entwickler, Desinfec’t als zeitgemäßes Werkzeug zu erhalten, das auch mit modernen, hochgradig gesicherten Windows-Installationen kompatibel bleibt.

Offene Fragen und technische Lücken

Obwohl das Konzept des netzwerkbasierten Scannens viele Probleme löst, bleiben einige Aspekte im Quelltext unbeantwortet. Es wird beispielsweise nicht explizit dargelegt, welche Mindestanforderungen an die Netzwerkbandbreite gestellt werden, um einen schnellen und effizienten Scan zu gewährleisten, insbesondere bei sehr großen Datenträgern. Zudem bleibt offen, wie die Software mit extrem komplexen Verschlüsselungsszenarien umgeht, die über Standard-BitLocker-Konfigurationen hinausgehen. Auch zur Stabilität der Schattenkopie-Erstellung bei sehr hoher Systemlast während des laufenden Windows-Betriebs finden sich keine detaillierten Angaben. Es wird nicht spezifiziert, ob das Feature auf allen Windows-Versionen gleichermaßen stabil läuft oder ob es spezifische Einschränkungen bei älteren Betriebssystemen gibt. Des Weiteren bleibt unklar, welche Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden, um den Datenstrom zwischen dem Windows-PC und dem Desinfec’t-Scanner im Netzwerk vor unbefugten Zugriffen zu schützen. Diese Details wären für eine umfassende Bewertung der Sicherheit des neuen Verfahrens selbst von großem Interesse.

Wie es weitergeht

Die Redaktion hat die Komponenten für das neue Feature mit der Veröffentlichung des Artikels für alle Nutzer zum Download bereitgestellt. Damit ist der Startschuss für eine breite Erprobungsphase durch die Anwender gefallen. Es ist zu erwarten, dass die Entwickler in den kommenden Monaten Feedback aus der Community sammeln werden, um das experimentelle Feature weiter zu verfeinern und mögliche Kinderkrankheiten zu beheben. Die Integration in zukünftige Versionen von Desinfec’t wird maßgeblich von der Resonanz der Nutzer abhängen. Da das Projekt unter dem Dach von Desinfec’t 2026 läuft, ist davon auszugehen, dass weitere Updates oder Korrekturen im Rahmen der regulären Pflege des Werkzeugs erfolgen werden. Nutzer, die das Feature einsetzen möchten, sollten die entsprechenden Kanäle von heise online im Auge behalten, um über Aktualisierungen oder weiterführende Anleitungen informiert zu bleiben. Die Entwicklung zeigt deutlich, dass die Evolution der Sicherheitswerkzeuge nicht abgeschlossen ist und auch in Zukunft mit weiteren innovativen Ansätzen zu rechnen ist, um den Herausforderungen der IT-Sicherheit zu begegnen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/nahaufnahme-eines-computerbildschirms-mit-codeanzeige-34803999/ · Foto: Daniil Komov
Quelle: https://www.heise.de/ratgeber/Faenger-im-Netz-So-scannen-Sie-Windows-Systeme-mit-Desinfec-t-11367904.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag_plus.beitrag_plus