Ein historischer Erfolg mit bitterem Beigeschmack
Die Hamburger Profigolferin Esther Henseleit hat bei den British Open in Lancashire einen Meilenstein in ihrer Karriere erreicht, auch wenn der ganz große Triumph nur um Haaresbreite verpasst wurde. Die aktuelle Olympiazweite kämpfte sich auf dem anspruchsvollen Par-71-Kurs bis in das entscheidende Stechen, musste sich dort jedoch der Japanerin Shiho Kuwaki geschlagen geben.
Für Henseleit markiert dieser zweite Platz das bislang beste Ergebnis bei einem der fünf bedeutenden Major-Turniere im professionellen Damengolf. Bisher waren siebte Plätze ihre persönlichen Bestmarken auf diesem höchsten Niveau gewesen. Mit diesem Resultat unterstreicht die gebürtige Varelerin ihre derzeit exzellente Form, nachdem sie bereits am vorangegangenen Wochenende mit einem vierten Platz bei den Scottish Open ihr bis dato stärkstes Saisonergebnis erzielt hatte.
Der dramatische Verlauf des Finales
Nach vier regulären Runden lagen Henseleit und Kuwaki mit jeweils 279 Schlägen gleichauf. Die US-Amerikanerin Yealimi Noh, die als klare Favoritin mit drei Schlägen Vorsprung in die finale Runde gestartet war, konnte ihr Niveau nicht halten und beendete das Turnier schließlich auf dem dritten Rang mit 280 Schlägen.
Das Stechen zwischen Henseleit und der Japanerin entwickelte sich zu einem Nervenkrimi. Die Entscheidung fiel am zweiten Extraloch, als Henseleit einen unglücklichen Abschlag verzeichnete. Der Ball traf einen Zuschauer und landete anschließend in einem Busch, was die Deutsche in eine aussichtslose defensive Lage brachte. Kuwaki nutzte diese Chance, bewahrte die nötige Ruhe und sicherte sich mit einem Schlag Vorsprung den Sieg.
Einordnung und sportliche Perspektive
Auch wenn der erste Major-Sieg für eine deutsche Spielerin seit Sophia Popov im Jahr 2020 ausblieb, ist die Leistung von Henseleit als großer Erfolg zu werten. Neben dem sportlichen Prestige darf sich die 43. der Weltrangliste über ein Preisgeld in Höhe von 994.669 US-Dollar freuen. Zudem ist durch das Ergebnis ein signifikanter Sprung in der Weltrangliste zu erwarten.
Der Blick richtet sich nun auf die kommenden Herausforderungen. Henseleit hat sich bereits im Vorfeld für den prestigeträchtigen Solheim Cup qualifiziert. Der Kontinentalvergleich zwischen den USA und Europa findet Mitte September in den Niederlanden statt. Dort wird sie versuchen, an die starke Leistung von Lancashire anzuknüpfen und ihre Form auf internationaler Bühne erneut unter Beweis zu stellen.